Karl Schenk Graf von Stauffenberg konnte seinem Großvater nie begegnen. Claus Schenk Graf von Stauffenberg wurde am 21. Juli 1944 in Berlin hingerichtet. Tags zuvor hatte der Wehrmachtsoffizier versucht, Adolf Hitler mittels einer Bombe aus der Welt zu schaffen.

Sein Enkel Karl kam 28 Jahre später auf die Welt. Für ihn sei der Name Schenk Graf von Stauffenberg weder Fluch noch Segen, eher Bürde, verriet Karl Schenk Graf von Stauffenberg der Süddeutschen Zeitung.

„Extreme Fantasie“ verwundert

An diesem Dreikönigsabend spricht Stauffenberg in der Hospitalkirche. Versprochen ist, dass er über politischen Extremismus redet und über seinen Verein „Mittendrin statt voll daneben“. Rund 100 Besucher kommen.

Mit den politischen Extremen links und rechts ist Stauffenberg schnell fertig. Er wundert sich darüber, wie Menschen in Deutschland nach den beiden Diktaturen Drittes Reich und DDR wieder „extreme Fantasien“ haben können.

Gegen Mensch und System

Abartig findet er, dass die AfD seinen Großvater, aber auch den ehemaligen Reichskanzler Gustav Stresemann für ihre Zwecke vereinnahmen will. „Mit angstverzerrtem Gesicht schauen wir in die rechte Ecke, ohne zu wissen, was zu tun ist“, schildert Stauffenberg seinen Eindruck. Nicht nur Rechts, auch Links wolle die Gesellschaft verändern. Während die extreme Rechte menschenfeindlich vorgehe, sei die extreme Linke systemfeindlich.

Schnell kommt Karl Schenk Graf von Stauffenberg auf die liberalen Werte zu sprechen. Das Versprechen einer freien Gesellschaft könne nicht gehalten werden, wenn Menschen erwarten, dass die Politik die Verantwortung für alles übernimmt. „Verantwortung für Sie selbst können nur Sie übernehmen.“

Stauffenbergs Positionen sind nicht eindeutig. Einerseits bewarb sich der gelernte Hotelfachmann vor zwei Jahren für die FDP in Bayern um einen Sitz im Landtag, andererseits wird dem 48-Jährigen eine Nähe zur CSU nachgesagt. Diese Diskrepanz wird deutlich.

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Schwäbisch Hall

Unaufgelöste Widersprüche

Stauffenberg schimpft über ein mögliches Tempolimit auf den Autobahnen, über gedeckelte Mieten in den Metropolen, über das Gefälle von Stadt zu Land. Nicht immer gelingt es ihm, die Widersprüche, die er selbst skizziert, aufzulösen. Großstädte ließen sich entzerren, glaubt Stauffenberg. Tatsächlich entscheiden sich viele junge Menschen für eine urbane Lebensweise. Bayern und Baden-Württemberg lassen sich kaum mit Brandenburg vergleichen. Der Gastredner tut das. Er selbst lebt mit seiner Familie im ländlich geprägten Nordbayern unweit der Landesgrenze zu Thüringen.

Permanente Kontrolle und ständiges Kümmern sind unnötig


Dreikönig ist für die Freie Demokratische Partei ein besonderer Tag. So genannte demokratische Volksvereine trafen sich am 6. Januar 1866 in Stuttgart zur ersten Landesvertretertagung. Deshalb wird der Südwesten als das „Stammland der Liberalen“ bezeichnet. Seit 1952 findet das Dreikönigstreffen der FDP in Stuttgart statt. Ihm wird bundesweit Beachtung geschenkt. In der Stuttgarter Oper machte FDP-Chef Christian Lindner vorgestern die Ambitionen der Partei deutlich.

Stephen Brauer führt die Liberalen im Landkreis Schwäbisch Hall. Der Landtagsabgeordnete aus Crailsheim betonte in seiner Rede am Montagabend in der Haller Hospitalkirche die freiheitlichen Werte der FDP. „Ich messe mein politisches Handeln daran, ob der Mensch in die Lage versetzt wird, Autor seines eigenen Lebens zu sein“, sagte Brauer.

Fremdenhass, Ökodiktatur und einen Gouvernantenstaat lehne Stephen Brauer ab. „Weder ist der Mensch grundsätzlich böse, dass man ihn permanent kontrollieren muss, noch ist er ein abhängiger Hilfeempfänger, um den man sich rund um die Uhr kümmern muss“, sagt Brauer.  just