Hoppla, da oben schwebt ein Dach vorbei. Es landet ganz oben auf dem dreistöckigen Mehrfamilienhaus, das auf dem Katzenkopf neben dem Mehrgenerationenhaus „Heller Wohnen“ in Sichtweite des Schönecks entsteht.

„Wir benötigen fünfeinhalb Tage um das Haus zu stellen“, berichtet Walter Bauer. Sein Nachname ist Programm. Seine Satteldorfer Firma errichtet Holzhäuser. Die werden in einer Halle vorgefertigt. Der Chef der Firma Bauer Holzbau betont die Vorteile des uralten Werkstoffs, der derzeit eine Renaissance erlebt. Da wäre das Raumklima, das durch eine spezielle Klimaschicht verbessert wird. Die Holzmatten  an der Innenwand sollen Feuchtigkeit und Wärme regulieren.

Fan von Holz

„Manche Holzhaus-Kunden wollen gar nie mehr in einem Massivhaus aus Stein wohnen“, berichtet Bauer. Die Bauzeit des Hauses würde sich um sechs Monate verkürzen, tonnenweise würde in den Holzwänden das Co2 gespeichert und damit der Atmosphäre entzogen, wo es zur Erderwärmung beitragen würde. Ohne die Holzbauweise seien die Klimaziele nie zu erreichen, zitiert Bauer die Landesregierung.  Der Experte ist kaum zu bremsen, wenn er über die Vorteile des nachhaltigen Baustoffs schwärmt. Nur Wolf Gieseke, Chef der städtischen Grundstücks- und Wohnungsbaugesellschaft schafft es, die Lobeshymne kurzzeitig zu unterbrechen. Leider sei die Holzbauweise im Vergleich zum konventionellen Bauen um zehn Prozent teurer. In diesem Fall koste alles 360.000 Euro mehr. Das müsse man schon gut begründen können.

Schwäbisch Hall

Dem Aufsichtsrat der GWG hat Gieseke die Rechnung so präsentiert, dass sich das Gebäude über rund 30 Jahre durch die Mieteinnahmen finanziert. Mit der konventionellen Bauweise sei ein solches Mehrfamilienhaus einige Jahre früher abgestottert.

Das will wiederum Walter Bauer, der nebenbei auch Präsident des Deutschen Holzbauinstituts mit Sitz in Berlin ist, nicht gelten lassen. „In der langfristigen Betrachtung ist Holzbau günstiger. Das Gebäude kann mehrere hundert Jahre stehen, wenn es richtig gewartet wird.“ Und noch etwas: Frankreichs Präsident Macron will ab 2022 beim Bau von öffentlichen Gebäuden eine Quote von 50 Prozent an Holzhäusern vorschreiben.

Man könnte sich nun Anne Will dazudenken und das Gespräch der beiden Bauingenieure Wolf Gieseke und Walter Bauer verwandelte sich zum TV-Duell.

Doch an dem sonnigen Tag lockt noch ein Rundgang durchs Gebäude – in gebührendem Abstand in Zeiten der Corona-Pandemie. Daher schließt Gieseke das Fachgespräch mit den Worten: „Holz ist ein toller Werkstoff.“

Kaum Holz zu sehen

Allerdings ist nicht alles Holz, auf das die Bewohner später einmal klopfen werden. Die Fassade wird außen herkömmlich verputzt. Auch die Innenwände werden mit Gipsplatten und nicht etwa mit einer Holzvertäfelung versehen. „Wir müssen an manchen Stellen auch sparen“, berichtet Gieseke. Die in einer Höhe von über 1000 Meter im Schwarzwald geschlagene Douglasie wird – außer an einer Giebelseite – gar nicht in Erscheinung treten.

Im Herbst werde das Gebäude wohl fertig und zum Ende des Jahres bezogen. Daran ändere auch die Corona-Pandemie nichts, berichten die Bauexperten. Der Bauablauf werde kaum gestört. Nur die kleinen Dixiklos wurden gegen besser zu reinigende Bauarbeiter-Toiletten im Container getauscht. Und überall hängen Warnhinweise zum Corona-Schutz an den Wänden.

Der derzeit größte Holzneubau seit dem Mittelalter in Schwäbisch Hall eröffnet sensationelle Ausblicke vom Katzenkopf über die Stadt. Er hat im Innern einen Aufzugschacht aus Holz. In zwei Gebäuden, die an einem zentralen Treppenhaus zusammengeführt werden, entstehen 18 Zwei-Zimmer-Apartments und 9 Einheiten mit je drei Zimmern. Diese verfügen über Fußbodenheizungen, die per Fernwärmenetz betrieben werden. Das Büro „Kraft und Kraft Architekten“ aus Hall hat das Haus entworfen, Holzbau Bauer hat sich als Generalunternehmer in einem Ausschreibungsverfahren gegen fünf weitere Unternehmen durchgesetzt. 1275 Quadratmeter umfasst die Wohnfläche zusammengerechnet.

10 Euro Kaltmiete

„Es sind relativ kleine Wohnungen“, erläutert Gieseke. Die würden en bloc an die großen, internationalen Unternehmen aus Hall vermietet, die dort Mitarbeiter unterbringen. Der Preis liege bei zehn Euro Kaltmiete pro Quadratmeter. Viele Jahre wurde das Grundstück neben dem Mehrgenerationenhaus frei gehalten. Es sollte ein zweites Mehrgenerationenhaus entstehen – komplett und sichtbar aus Holz, ohne Metall-Schrauben. Doch es wurde nie verwirklicht.