Nichts deutet am frühen Dreikönigsmorgen in Hall darauf hin, dass in wenigen Stunden ein unglaubliches Laufevent über die Bühne gehen wird. Auf der Stuttgarter Straße fährt ein einzelnes Auto, die Heimbacher Gasse ist verwaist. In der neuen Straße werden zwei Hunde Gassi geführt. Hall scheint noch im Tiefschlaf zu sein. Ganz Hall? Nein, auf dem Marktplatz herrscht Betriebsamkeit. Acht Männer und eine Frau des Technischen Hilfswerks stecken die Absperrgitter zusammen, stellen Sonnenschirme auf und legen die grünen Filzbahnen im Start- und Zielbereich aus. „Morgens bauen wir auf, nachmittags ab“, sagt Einsatzleiter Raphael Noe.

Beim Dreikönigslauf läuft alles läuft routiniert ab

Hektik gibt es auch im Rathausfoyer nicht. Dort werden der VIP-Bereich hergerichtet und die EDV aufgebaut. „Es läuft alles wie von selbst“, meint Natascha Löw vom Sportbereich der Stadt. Seit dem Jahr 2000 ist sie regelmäßig bei den Vorbereitungen dabei und sorgt beispielsweise auch dafür, dass alle Fahnen hängen. Die 180 Helfer der TSG arbeiten Hand in Hand und fast geräuschlos, jeder Handgriff sitzt. Es scheint zur Routine geworden zu sein.

An der Hagenbachhalle herrscht Großbetrieb

Am Schulzentrum West ist gegen 10.30 Uhr richtig was los. Der  große Parkplatz ist fast belegt, die Autos tragen Kennzeichen aus der weiten Region. Die Läufer holen in der Hagenbachhalle ihre Startnummern ab. Andere melden sich auf den letzten Drücker an. „Als wir um 10 Uhr geöffnet haben, stand eine Schlange von 15 Metern vor der Tür“, erklärt Thomas Müller von der TSG. Beim Hauptlauf über zehn Kilometer ist nichts mehr zu machen „Ausgebucht, alle 1400 Plätze sind vergeben“, so Müller.

Dreikönigslauf 2019 in Schwäbisch Hall Florian Röser triumphiert erneut

Schwäbisch Hall

Aus Bad Rappenau kommt Anja Trostek-Holm mit ihrem Freund Rolf Krumrey. Beide wollen auf die Fünf-Kilometer-Strecke. Im Schlepp haben sie den Australier Dean Kengos aus Melbourne, der am Montag zurück in seine Heimat fliegt. Mit Läufen kennt er sich aus, mehrere hat er schon absolviert.

„Bis 90 Minuten vor dem Start sind Meldungen möglich“, erläutert Maren Weingärtner. Auch Jule Jacob aus Hall  kommt kurz vor dem Meldeschluss. Sie läuft zum dritten Mal mit.

Von der Innenstadt hastet Joachim Odenwälder, den alle nur Odi nennen, zum Marktplatz. Er ist für die Beschallung und die Musik zuständig. Welcher Hit darf auf keinen Fall fehlen? „‚Ein Hoch auf uns“ und ‚Ich mach mein Ding’ von Udo“, antwortet er spontan. Spontan ist er  auch bei Musikwünschen, beispielsweise denen von Moderator Hartwig Thöne. „Das geht auf Zuruf.“

Letzte Instruktionen

Kristian Krüger vom Tura Untermünkheim instruiert derweil seine acht Mountainbiker, die an der Spitze und am Ende jedes Rennens fahren. Mit einer Trillerpfeife sorgen die Vorwegfahrenden für freie Bahn. Aufpassen müssen sie in der engen ansteigenden Gasse bei der AOK. „Da müssen sich die Mädchen und Jungen einen Vorsprung rausfahren. Sonst wird es zu eng“, weiß der Experte. Probleme machten sonst nur Leute, die „verstöpselt“ sind und so laute Musik hören, dass sie die Trillerpfeifen überhören würden.

Moderator Hartwig Thöne scheint der Dreikönigslauf in Schwäbisch Hall wirklich Spaß zu machen. Das klingt aus seinen Worten deutlich heraus. Er läuft früh zur Höchstform auf. „Jeder ist ein Sieger“, animiert er die Läufer.

Das Publikum steht dicht gedrängt auf dem Marktplatz und den Stufen der Großen Treppe. Es freut sich, wenn die Gardemädels der Bühlertalsterne unter Renate Wengert oder die Gaildorfer Schlossgarde oder die Schlossfunken vor den Rathaus tanzen.

Hartwig Thöne bittet die erste Siegerin des Tages, Lene (10), zum Interview. Und verschafft ihr mühelos einen Sonderapplaus der Zuschauer.

Den haben sich auch die Zellemer Guggafatzer bei den Stadtwerken, die „Umpferpfortzer“ aus Boxberg am Neuen Globe und das Trommelhaus am Dietrich-Bonhoeffer-Platz verdient, die mit dazu beitragen, dass die Stimmung bestens ist. Tausende Zuschauer feuern ihre Favoriten an. So wie Felix Karabanov und Margareta Jodlobiec aus Hall. Sie drücken Belen de Conde Galvez die Daumen. Wo liegt sie denn? „Im Mittelfeld“, so Karabanov. Wie sagt es Moderator Thöne so schön? „Jeder, der ins Ziel kommt, ist ein kleiner Star.“