Sie war die Bestbesetzung des Abends: Mit Gastrednerin Bibiana Steinhaus ist den Veranstaltern der Frauenwirtschaftstage ein Volltreffer gelungen. Steinhaus, die seit 2017 als erste und als einzige Schiedsrichterin die Spiele der Bundesliga pfeift, konnte die 160 Besucherinnen und die vereinzelt anwesenden Männer auf sehr unterhaltsame Art und Weise an ihren aufregenden Erlebnissen und Entscheidungen teilhaben lassen. Passend zum Motto „1:0 Frauen gehen in Führung“ hatte sie das passende Outfit an: „Girls do it better“, stand da auf ihrer Brust. Das sei das Ziel, und der Weg dahin heiße üben, üben und nochmals üben.

Nicht alles persönlich nehmen

Gleichzeitig kickte sie den Wunsch vieler Frauen vom Feld, es allen recht machen zu wollen. „Entscheidungen“, so die klare Ansage, „gefallen nie allen Beteiligten“. Wichtig sei es deshalb, Vorwürfe nicht persönlich zu nehmen und sich lieber zu fragen, ob man die gleiche Entscheidung unter gleichen Voraussetzungen wieder treffen würde.

Dann waren die Zuschauer an der Reihe. Mit Videosequenzen aus Bundesligaspielen stellte sie diese vor die Frage, wie sie entschieden hätten: In keinem Fall gab es ein eindeutiges Ergebnis. Die einen hätten die Rote Karte gezogen, andere die Gelbe und der Rest hätte gar nicht reagiert.

Steinhaus hat lange kämpfen müssen, bevor sie sich ihren Traum von der Ersten Bundesliga erfüllen konnte. So lange, dass sie sich selbst eine Frist setzte: Zehn Jahre! Als sie nach neun Jahren immer noch die zweite Liga pfiff, gab sie noch einmal Vollgas. Nur um später sagen zu können: „Mehr geht nicht!“ „Machen Sie sich klar, was Ihr Boot schneller macht. Suchen Sie sich Verbündete und kommunizieren Sie Ihre Ziele öffentlich!“, so der Rat an die Anwesenden im Saal der Bausparkasse, das mache Druck und motiviere. „Nehmen Sie Ihre Ziele eine Nummer größer“, so eine weitere Empfehlung, „Sie wachsen schon rein!“

Was muss sich für Frauen in der Arbeitswelt ändern?

Nach der Gastrednerin bat Moderatorin Angelika Hensolt die anderen Gäste aufs Podium: Anja Frank, Abteilungsleiterin Versuchsanlagen beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Elke Rauscher, Leiterin Qualitätsmanagement bei Bürger, Karin Sesselmann, Referentin der Geschäftsleitung bei Carl Zeiss Meditec und Anja Schmidt-Wagemann, Bürgermeisterin der Gemeinde Fichtenau, die ihrerseits viele Erfahrungen der prominenten Sportlerin bestätigen konnten. Anja Frank hielt es für wichtig, Provokationen zu ignorieren und sich nicht von gesellschaftlich tradierten Erwartungen beeinflussen zu lassen. Bürgermeisterin Anja Schmidt-Wagemann wünschte sich in manchen Situationen auch eine Rote Karte, und Elke Rauscher hielt es für entscheidend, Kollegen immer wieder aufs sachliche Ziel hinzuweisen und keinen Schlingerkurs zuzulassen, der nur demotiviere und angreifbar mache.

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Wäschenbeuren

Auf die Frage der Moderatorin, was sich ändern müsse, damit Frauen wirklich in Führung gehen könnten, gingen die Meinungen auseinander: „die Challenge annehmen“ (Steinhaus), „Frauen auch mal schubsen, damit sie sich trauen“ (Rauscher) bis hin zu „eine zuverlässige Kinderbetreuung bieten“ (Schmidt-Wagemann).

„1:0 Frauen gehen in Führung“, heiße zwar das Motto des Abends, davon sei man aber noch weit entfernt, gab auch Gastgeberin Claudia Klug, Generalbevollmächtigte bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall zu. Noch immer seien weibliche Führungskräfte in der Minderheit. Daran habe sich auch in den letzten 20 Jahren, trotz flexibler Arbeitszeitmodelle, nicht viel geändert.

Mit einem herausfordernden Zitat der Schauspielerin Zsa Zsa Gabor entließ Moderatorin Angelika Hensolt die Anwesenden in den zweiten Teil des Abends zum gegenseitigen Austausch: „Wenn ein Mann zurückweicht, weicht er zurück. Eine Frau weicht nur zurück, um besser Anlauf nehmen zu können.“

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Prozent Frauen arbeiten bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall, sie stellen 31 Prozent der Führungskräfte auf der unteren Ebene. 14,5 Prozent der Führungskräfte arbeiten in Teilzeit.