Schwäbisch Hall Asyl-Sommerfest: Hall zeigt sich weltoffen

Schwäbisch Hall / Andreas Scholz 25.07.2018
Lockere Gespräche zu Trommelmusik: Beim Sommerfest des Freundeskreises Asyl im Hospitalhof rücken Haller und Flüchtlinge zusammen.

Viele Stadtbummler finden am verkaufsoffenen Sonntag in der Haller Innenstadt den Weg in den Hospitalhof. Der Freundeskreis Asyl in Schwäbisch Hall lud zum traditionellen Sommerfest. Mit von der Partie beim Sommerfest ist auch das Integrationsmanagement-Team der Haller Arbeiterwohlfahrt (AWO).

Während der Kinderbetreuung bleibt den beiden Integrationsmanagerinnen Diana Pankau und Gerda Rößle zwischendurch Zeit, um Fragen der Festbesucher zur Integrationsarbeit in Hall zu beantworten. „Wir beraten zum Beispiel Flüchtlinge, die in einer Anschlussunterbringung leben, und für die es eine Bleibeperspektive gibt. Wir sind froh, dass die hauptamtlichen Akteure bei der Flüchtlingsarbeit in Hall auch von den ehrenamtlichen Kräften des Freundeskreises Asyl unterstützt werden“, betont Gerda Rößle.

Ins Gespräch kommen

Eine, die sich im Freundeskreis Asyl ehrenamtlich betätigt, ist Irene Kießling. Ständig ist sie mit anderen Mitarbeitern des Freundeskreises beim Sommerfest auf den Beinen, um für Kaffeenachschub zu sorgen oder Geflüchtete mit Haller Bürgern zusammenzubringen. In entspannter Atmosphäre erfahren die Besucher dann in Gesprächen mehr über einzelne Schicksale von Menschen, die oft in großer Not ihr Heimatland verlassen haben und in Deutschland wieder Fuß fassen möchten.

Ali Soltani fühlt sich hier bereits heimisch, verrät er. Zusammen mit seiner Frau Roqia lebt der Afghane gerne in Hall. „Ich kann hier frei und sicher leben“, erklärt Soltani. Nach einer langen Fluchtodyssee ist er schließlich in der Kocherstadt gelandet. „Ich habe mehrere Jahre in der Gastronomie gearbeitet, aber inzwischen bin ich als CNC-Fräser an der Maschine tätig“, sagt Soltani, der mittlerweile auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt.

Nach dem Gespräch steht er auf, packt seine Gitarre und läuft in Richtung Bühne. Zusammen mit anderen Musikern präsentiert Soltani beim Sommerfest des Freundeskreises Asyl afghanische Folklore-Musik. Für gute Stimmung auf der Bühne sorgt außerdem das rhythmische Trommeln und die energiegeladene Stimme von Mthunzi Fesi. Der Musiker lebt seit 18 Jahren in Schwäbisch Hall und stammt ursprünglich aus Südafrika.

Noch nicht so lange in Schwäbisch Hall wohnen Raphael Tatou und Bertol Tekeu Fouedjou, die aus der Millionenstadt Douala (Kamerun) nach Deutschland gekommen sind. Tatou wohnt mit seiner Frau und seiner Tochter in Hall und absolviert derzeit eine Ausbildung zum Bauzeichner in einem Haller Architekturbüro. „Ich möchte mir hier ein Leben aufbauen. Mir gefallen die alten Häuser sehr gut“, so Tatou.

Zusammen mit seinem Kumpel Bertol Tekeu Fouedjou spielt Raphael Tatou in Hessental in einer Fußballmannschaft. Beide Hobbykicker schwärmen für den Fußballer Samuel Eto’o, der ebenfalls in Douala groß geworden ist. Auch Fouedjou würde gerne hierbleiben. „Ich mag, dass Hall keine so große Stadt ist“, sagt der Hobbyfußballer, der sich aktuell einen Ausbildungsplatz als Konstruktionsmechaniker sucht.

Spätzle zum Mittag

Schon einen Schritt weiter ist Achmed Zia Kakar aus Afghanistan, der in Kandahar aufgewachsen ist und seit 2014 in Hall lebt. „Ich fange nach dem Sommer eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer an“, erzählt er stolz. Neben der gewohnten arabischen Küche erweitern seit geraumer Zeit auch schwäbische Spätzle den Mittagstisch des jungen Mannes.

Obwohl sich Achmed Zia Kakar über die neue berufliche Perspektive freut, vermisst er aus seinem Heimatland ein spezielles Landschaftselement. „In Afghanistan gibt es felsige Berge, die sehr hoch sind. Der Einkorn hier ist doch eher ein sehr kleiner Hügel“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Arabisches Fastfood

Das Motto des Sommerfestes „Bunte Welt – Buntes Schwäbisch Hall – Bunte Freundschaften“ wurde im Hospitalhof vor allem an den Essensbüfetts sichtbar. Neben orientalischen Naschereien wie „Baklava“ strömten die Besucher auch zum Stand „YalaFood“ von Marwa Radwan, um arabische Spezialitäten zu probieren.

„Mjadarah ist ein Gericht aus Linsen, Bulgur und gegrilltem Gemüse. Bei Kabsa kommen zum Hähnchen in Soße Basmati-Reis, Rosinen und Nüsse dazu“, erklärt Radwan.

Die alleinerziehende Mutter stammt aus Jordanien und arbeitet in der EDV-Abteilung eines Haller Modeunternehmens. Vor Kurzem gründete die junge Frau in Schwäbisch Hall das Catering-Unternehmen „YalaFood“, das auf arabisches Fastfood spezialisiert ist. asc

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