Er wusste, dass sich James Cook und Will Bryce kurz nach dem Draft der NFL melden würden. Nur was die beiden, die für die NFL in England arbeiten, ihm sagen werden, das wusste David Bada nicht. „Zunächst haben sie mit allen aus dem International Pathway Program gesprochen. Das war mitten in der Nacht, ich war schon fast eingeschlafen“, erinnert sich David Bada, Defensive Tackle der Unicorns. Der 24-Jährige hoffte, über das Pathway Program einen Platz in einem NFL-Team zu erhalten.

Dann sprechen Bryce und Cook alleine mit David Bada und eröffnen ihm, dass er es geschafft hat. David Bada erhält einen Vertrag bei den Washington Redskins. Nach Moritz Böhringer (zu den Minnesota Vikings) und Raheem Wilson (Calgary Stampeders in der CFL) ist David Bada der dritte Spieler der Unicorns, der direkt in eine nordamerikanische Profiliga wechselt.

Als David Bada die Nachricht erfährt, weiß er zunächst nicht, wohin mit seinen Gefühlen. „Mir ging so viel durch den Kopf. Einerseits hat sich ein Traum für mich erfüllt, auf den ich hart hingearbeitet hatte. Andererseits hatte ich aber auch andere Gedanken. Ich freute mich, wusste aber, dass es vielen Menschen auf der Welt auch wegen Corona sehr, sehr schlecht geht.“

Wegen der Virus-Pandemie mussten auch die neun Spieler, die in diesem Jahr am International Pathway Program der NFL teilnahmen, früher als geplant aus dem Trainingscamp in Florida abreisen. Seitdem hielt sich David Bada alleine in München fit und fieberte der Nachricht der Offiziellen entgegen. „So schnell wie irgendwie möglich“ soll er nach Washington kommen, „das hängt natürlich davon ab, wie lang es noch Reisebeschränkungen gibt“.

In diesem Jahr waren die Teams der NFL East an das Pathway Program angeschlossen. „Natürlich haben wir Spieler uns intensiver mit diesen Teams beschäftigt.“ Aber David Bada wusste erst nach dem Gespräch mit Bryce und Cook, dass er zu den Redskins kommen wird. Mit dem 57-jährigen Ron Rivera verpflichteten die Redskins kurz vor dem Jahreswechsel einen neuen Headcoach. „Er war davor Headcoach der Carolina Panthers. Die Redskins sind ein starkes Team“, freut sich David Bada.

David Bada analysiert Spielzüge und trainiert

Am Dienstagmrogen hat er nicht nur virtuell mit seinem neuen Job begonnen. „Ich analysiere Spielzüge auf Video, später gehe ich noch trainieren.“ Wie immer in diesen Corona-Zeiten absolviert er sein Pensum alleine.

Schwäbisch Hall

Die Nachricht von Badas Verpflichtung verbreitete sich schnell, natürlich auch bei Spielern und Trainern der Schwäbisch Hall Unicorns. Headcoach Jordan Neuman, Positionscoaches, Spieler, sie alle meldeten sich und gratulierten. „Ich hatte ihm im Vorfeld eine Fifty-fifty-Chance gegeben“, berichtet Unicorns-Headcoach Jordan Neuman. Er hatte häufig Kontakt mit den Offiziellen des International Pathway Program und sich nach David Bada erkundigt. „Schon im Vorjahr war David physisch sehr gut. Im Mentalen sahen sie noch Verbesserungsmöglichkeiten. David hat sich auch in dieser Hinsicht weiterentwickelt und erhält nun seine Chance.“

Dass nun die Unicorns zum dritten Mal einen Spieler in eine nordamerikanische Profiliga abgeben, ist sportlich betrachtet ein Verlust. Andererseits ist es ein großer Reputationsgewinn. Wer sich in den USA mit Football in Europa beschäftigt, der kennt mittlerweile die Schwäbisch Hall Unicorns. „Und wenn uns jemand noch nicht kennt und ich ihm dann von den drei Spielern erzähle, wird er hellhörig“, so Neuman.

Auch in der NFL ist nicht sicher, ob die Saison wie geplant beginnen kann. David Bada erweitert den Kader nun auf 91 Mann, bevor dieser  nach und nach auf 53 Spieler reduziert werden wird. Sollte Bada aussortiert werden, bedeutet das nicht das Ende des NFL-Traums. Er kann einen regulären Platz im Prac­tice­ Squad, das mit dem 53-Mann-Roster trainiert, erhalten oder einen zusätzlichen Platz im Pathway Program. Der Unterschied: Bei einem regulären Platz kann er während der Saison in den Kader berufen werden, beim Pathway-Platz ist das nicht möglich.