David Badas Weihnachten mag ruhig gewesen sein, aber wie viele andere zu Süßigkeiten greifen, das durfte er nicht. „Das fällt mir schwer, ich mag Süßes“, gibt der Defensive End der Schwäbisch Hall Unicorns zu. Der 24-Jährige fliegt Mitte Januar in die USA. In Florida wird er am NFL Pathway Program 2020 teilnehmen. Das Ziel: ein Platz im Roster, also dem Kader eines NFL-Teams.

Schon im vergangenen Jahr war David Bada in Florida dabei, scheiterte damals knapp. Jakob Johnson von den Stuttgart Scorpions wurde genommen, spielte kurze Zeit darauf bei den New England Patriots, die bereits sechsmal den Superbowl gewannen und mit Quarterback Tom Brady den derzeit wohl bekanntesten Footballer der Welt in ihren Reihen haben. Der 25-jährige Jakob Johnson sei ein Vorbild, meint David Bada. „Er dreht nicht durch, macht sein Ding. Vor allem aber ist er noch zu 100 Prozent motiviert, selbst wenn er kaum noch kann – und hat dann die nächste Übung voll durchgezogen.“ Das habe ihn, Bada, beeindruckt. Er möchte in Florida die nächste Stufe erklimmen. Nämlich die, auf der jetzt Jakob Johnson steht.

Anruf beim NFL-Schauen

Dabei hatte David Bada in der abgelaufenen Saison einige Verletzungen. Wegen einer Mittelhand-OP konnte er die Play-offs nicht spielen. Und doch hatte sich David Bada weiterentwickelt. Deshalb „habe ich auch gehofft, dass ich wieder eingeladen werde. Erwarten kann man so etwas nicht“.

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Nach Ende der Saison gab es einen sogenannten Tryout mit 30 bis 40 Spielern, die von Scouts beobachtet wurden. Dann hieß es zunächst warten. „An einem Sonntagabend habe ich einen Anruf erhalten, dass ich einer der neun bin, die in die USA dürfen. Passenderweise hatte ich in diesem Moment gerade Football im Fernsehen angeschaut“, erinnert sich David Bada mit einem Lächeln.

Das Prozedere ist ihm noch gut bekannt. Die Trainingsorte kennt er aus dem Vorjahr, viele Trainer waren ebenfalls Anfang 2019 schon dabei. „Ob das für mich ein Vorteil ist, wird man sehen“, äußert er sich vorsichtig. Den Trainern, die allermeisten haben NFL-Erfahrung, kann sowieso niemand etwas vormachen.

David Bada ist der einzige Deutsche, der 2020 Teil des NFL Pathway Program sein wird. Im vergangenen Jahr war das anders. Da traf der gebürtige Münchner, der vor seiner Haller Zeit in München und Ingolstadt spielte, auf einen weiteren Unicorns-Spieler: Moritz Böhringer. „Mobo“ wie er in den USA gerne genannt wird, ist derzeit bei den Cincinnati Bengals unter Vertrag. „Er ist ein ganz cooler Typ und auch etwas redseliger als früher“, stellt David Bada mit einem Schmunzeln fest. Böhringer hatte nicht zu Unrecht den Spitznamen „Mr. Silence“, weil er nur selten sprach.

Bis zu seinem Flug nach Florida wird sich David Bada fit halten. Das ist er ohnehin schon, aber er versucht, noch eine Schippe draufzupacken. „Ich bin täglich im Fitness-Studio und absolviere auch Bergläufe.“ Damit ist nicht der Einkorn, also der Hausberg der Haller gemeint. Momentan wohnt David Bada bei seiner Tante in Cham im Bayerischen Wald.

Mindestens acht Wochen wird er in Florida verbringen und damit die Vorbereitung bei den Uni­corns verpassen. „Das ist schade, denn die Vorbereitung ist eine der wichtigsten Phasen einer Saison.“ Den Kontakt zu den Unicorns wird er natürlich halten, vor allem über Darnell Adegbesan. Sollte David Bada die Chance auf die NFL erhalten, dann ist es ihm egal bei welchem Team. Er hat eine zweite Chance erhalten und will sie diesmal nutzen.

International Pathway Program


Die NFL hat mit dem International Pathway Program einen Modus ins Leben gerufen, um Spielern, die nicht in den USA geboren wurden, die Chance auf eine NFL-Karriere zu ermöglichen. Die neuen Spieler aus aller Welt präsentieren sich mit US-Collegespielern den Trainern und Scouts der NFL. Die Spieler aus aller Welt können direkt von den NFL-Teams unter Vertrag genommen werden oder können auch einen zusätzlichen Platz im Practice Squad erhalten, wie aktuell Moritz Böhringer bei den Cincinnati Bengals.

Die Spieler des Practice Squad trainieren regulär mit dem NFL-Team mit, können bei Verletzungen in den regulären Kader aufrücken. Für Teilnehmer des International Pathway Program gilt das nicht. Sie trainieren dann die volle Saison, können aber nicht eingesetzt werden. ruf