Nein, dieses Ergebnis lässt sich nicht wiederholen“, sagt Ronald Pfitzer klar. Er leitet zusammen mit Gebhard Gentner die Geschicke der Stadtwerke Schwäbisch Hall. Das Unternehmen, das zu 100 Prozent in städtischer Hand ist, kann für 2018 das höchste Jahresergebnis seit seiner Gründung 1971 verkünden.

Der Gewinn beruht vor allem auf einem Sondereffekt. Die Strategie des ehemaligen Stadtwerkechefs Johannes van Bergen war es, in anderen Städten Netznutzungsrechte zu kaufen und jeweils ein vollwertiges Stadtwerk aufzubauen. Seit 2006 wird das in Ottobrunn bei München versucht. „Das ganze Erfolgsmodell funktioniert nur, wenn die jeweilige Stadtverwaltung mitzieht“, erläutert Pfitzer. Und da habe es in Ottobrunn gehakt.

Es sei dennoch eine positive Situation entstanden, meint Pfitzer. München setzt auf Ökostrom und benötigt ein Geothermie-Kraftwerk in der Region und die Netze in Ottobrunn. Die Haller Energiemanager nutzten die Gunst der Stunde und verkauften ihre Gesellschaft.

„Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart“, erläutert Pfitzer. Fakt ist, dass ohne diesen Einmal-Effekt das Ergebnis nicht so gut ausgefallen wäre und offensichtlich nicht das bisherige Rekordjahr 2017 mit 9,2 Millionen Euro Gewinn getoppt hätte. Pfitzer betont, dass der Verkauf ein Einmal-Effekt war. „Wir können nicht ständig vom Verkauf des Tafelsilbers leben.“ Vielmehr strebten die Stadtwerke Hall eine konstante Geschäftspolitik an.

Gewinn der Stadtwerke sollen den Haller Bürgern zu Gute kommen

Warum können bei Millionengewinnen nicht die Strom- und Gaspreise in Hall gesenkt werden? „Wir stehen im Wettbewerb mit anderen Anbietern“, erläutert Pfitzer. Die Einnahmen der Sparten würden sauber getrennt. „Wenn man den Vertrieb anschaut, haben wir nichts zu verschenken.“ Das Jahresergebnis beim Verkauf von Strom und Gas halbierte sich im Vergleich zum Vorjahr auf 531.200 Euro.

Pfitzer versichert: Der Gewinn käme letztendlich den Schwäbisch Haller Bürgern zu Gute. Der Gemeinderat entscheidet im Herbst über die Verteilung der Millionen.

Die Stadtwerke Hall haben traditionell zwei Sorgenkinder. Der Bäderbereich macht einen Verlust von 3,58 Millionen Euro. Der fällt für das Jahr 2018 um eine Million Euro höher aus als 2017. Das Hallenbad wurde saniert. „Das schlägt dann doppelt zu Buche: Die Einnahmen sinken, wenn es dicht ist. Und die Ausgaben steigen für die Sanierung“, erläutert Pfitzer.

Dauerhaft im Minus

Die Stadtwerke bauen im Auftrag der Stadt die Tiefgaragen. Das beschert ihnen ein Minus von 1,9 Millionen Euro. „Die Verluste entstehen nicht aus der Bewirtschaftung“, erläutert Pfitzer. „Sie entstehen, weil wir die Investitionen abbezahlen.“ Was im Wirtschaftsleben Abschreibungen genannt wird, bedeutet in diesem Fall: Ist es einmal abbezahlt, erreicht auch das Gebäude sein Lebensende. So geschehen bei der Tiefgarage unter dem Landratsamt. Für diese Sanierung und für den Neubau an der Steinbacher Straße fürs Bahnhofsareal stehen Millioneninvestitionen an. Diese Ausgaben erhöhen den jährlichen Verlust im Bereich Parkierung.

Eine Neuerung ist seit Ende Juli in Kraft getreten. Da die Stadtwerke Schwäbisch Hall dauerhaft mehr als 500 Mitarbeiter haben, besteht der Aufsichtsrat nun zu einem Drittel aus Mitarbeitervertretern.

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70 Prozent Ökostrom bei Privatkunden


Jeder Privatkunde in Schwäbisch Hall, der den Tarif „PremiumStrom“ gewählt hat, wird mit Ökostrom beliefert. Das seien rund 70 Prozent der Kunden, berichtet Geschäftsführer Ronald Pfitzer. Je nachdem, wie stark der Wind weht und die Sonne scheint, speisen die Stadtwerke Hall Ökostrom in die Netze ein, oder beziehen Ökostrom von außerhalb.

Im Bereich der Energieerzeugung setzen die Stadtwerke weiterhin auf den Ausbau der erneuerbaren Energien. So wurde zum Beispiel der Windpark Rote Steige westlich von Schwäbisch Hall im Jahr 2018 erweitert. Der Strombedarf im Netzgebiet der Stadtwerke im Raum Schwäbisch Hall beträgt jährlich etwa 314 GWh. Ende des Jahres 2018 stammte bereits 70 Prozent des vor Ort ins Netz eingespeisten Stroms aus erneuerbaren Energien. Zudem sind die Haller Stadtwerke an Unternehmen beteiligt, die ebenfalls Anlagen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien betreiben. Rechnet man die erzeugten Strommengen der Beteiligungen hinzu, dann übersteigt der Wert sogar die 100-­­­
Prozent-Marke des anteiligen Stromabsatzes im regionalen Netzgebiet.

Parkhäuser: 1,9 Millionen Einfahrten im Jahr 


Die Stadtwerke sind Betreiber und Miteigentümer von insgesamt 2538 Stellplätzen in neun Parkanlagen in Schwäbisch Hall. Die Einfahrtszahlen haben sich gegenüber dem Vorjahr deutlich von 1,80 Millionen im Jahr 2017 auf 1,89 Millionen Einfahrten im Jahr 2018 erhöht. Trotz steigender Einfahrtszahlen sind die Umsatzerlöse um 127 000 Euro auf 3,48 Millionen Euro gesunken. Der Betriebsverlust hat sich dadurch um 1,9 Millionen Euro erhöht. Gegenüber dem Planansatz konnten die Materialaufwendungen für Unterhalt, Baumaßnahmen, Grundstücke und Gebäude reduziert werden, teilen die Stadtwerke Schwäbisch Hall mit. Dem gegenüber stehen jedoch höhere Personalaufwendungen und ein höherer interner Aufwand für Facility Management, Netzleitwarte und Informationstechnologie. Rund 30 Unternehmen in der Innenstadt erstatten beim Einkauf einen Teil des Parkentgeltes. Am Haalplatz wurden im Geschäftsjahr zwei Kassenautomaten ausgetauscht. Mit den neuen Automaten ist es möglich, bargeldlos mit Girocard zu bezahlen. Im Kontext der Digitalisierung wurde ein Projekt zur Weiterentwicklung der HallCard im Geschäftsjahr gestartet.

Sanierung: 24 Prozent weniger Badegäste


Die Stadtwerke Schwäbisch Hall betreiben das Schenkenseebad mit Freizeitbad, Saunalandschaft und Freibad, das kleine Hallenbad in Michelbach/Bilz und eines im gewerblichen Schulzentrum Schwäbisch Hall, das vorwiegend für den Schulsport genutzt wird, sowie das Freibad in Rosengarten-Rieden. Das teilen sie im Geschäftsbericht mit. Im Jahr 2018 waren umfangreiche Sanierungs- und Renovierungsarbeiten im Freizeitbad und Saunapark erforderlich. Das Freizeitbad war vom 16. Juli bis 7. September und der Saunapark vom 16. Juli bis 10. August geschlossen. Aufgrund dessen waren die Besucherzahlen deutlich geringer als in den Vorjahren. Die Anzahl der Badegäste im Schenkenseebad nahm im Jahr 2018 auf rund 351 000 Besucher ab, das entspricht einem Rückgang von 23,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Verlust in Höhe von 3,6 Millionen Euro (Vorjahr: 2,7 Millionen Euro) ist 2018 weiterhin von hohen Kapital-, Energie-, Unterhaltskosten geprägt. Zu den Sanierungsarbeiten im Freizeitbad zählten die Sanierung des Beckenkopfes sowie die Umsetzung von Brandschutzmaßnahmen, wie der Einbau neuer Brandschutztüren.