Zusammenhalt Schwäbisch Hall hat eine neue Integrationsbeauftragte

Rebecca Zippelt vor einem Bild in der aktuellen Ausstellung im Haus der Bildung. „Es hat was Australisches“, findet die neue Schwäbisch Haller Integrationsbeauftragte.
Rebecca Zippelt vor einem Bild in der aktuellen Ausstellung im Haus der Bildung. „Es hat was Australisches“, findet die neue Schwäbisch Haller Integrationsbeauftragte. © Foto: Sonja Alexa Schmitz
Schwäbisch Hall / Sonja Alexa Schmitz 02.11.2018
Rebecca Zippelt hat einen Wunsch: Dass Menschen sich nicht bekriegen. Sie war selbst in vielen Ländern unterwegs und kann die Situation der Zugewanderten nachvollziehen.

Vor vier Wochen hat sie ihren neuen Job angetreten. Noch immer hat Rebecca Zippelt nicht alle Vereine, Organisationen und Einrichtungen besucht, die es als neue Integrationsbeauftragte kennenzulernen gilt. Da steht sie dann vor lauter neuen Gesichtern und fragt: „Wie geht es bei euch? Was sind eure Herausforderungen?“ Erst mal wird alles gesammelt. Noch bleiben ihre eigenen Visionen und kreativen Ideen im stillen Kämmerlein. Für die 33-Jährige ist es bisher das Wichtigste, dass der Kontakt der Einheimischen zu den Zugewanderten verbessert wird.

Zippelt hat sich in Bonn, wo sie zuvor fünf Jahre gelebt hat, bei der Flüchtlingshilfe engagiert und wurde Mentorin eines Syrers, mit dem sie jetzt eine Freundschaft verbindet. Sie hat verstanden, dass die größte Hürde zur Integration die Sprache ist, nicht die Kultur. „Was heißt denn eigentlich Kultur? Gehöre ich der deutschen Kultur an, nur weil ich in Deutschland geboren bin und lebe?“

Die junge Frau hat keine spezielle Kultur, die sie liebt oder zu der sie sich hingezogen fühlt. Sie weiß nur, dass sie deutsches Essen nicht so gerne mag. Sie vermisst das eritreische Restaurant in Bonn. Zippelt hat viele ausländische Bekannte. Auf ihrer Facebookseite tragen die Freunde fremd klingende Namen. Viele von ihnen hat sie während ihres Studiums kennengelernt. Ihren Bachelor in „European Studies“ absolvierte sie in Maastricht, den Master in „Praxis der Menschenrechte“ im englischen Essex. Außerdem unternahm sie schon viele Reisen und war für Projekte in der ganzen Welt unterwegs. Die Frau mit den sanften braunen Augen wechselte oft den Wohnort, war eine Fremde und musste mit der neuen Sprache zurechtkommen. Aus diesem Grund kann sie Zugewanderte gut verstehen.

Ihre Mutter stammt von der Karibikinsel Antigua, kam allerdings als kleines Kind schon nach Deutschland. „Vielleicht habe ich daher mein Fernweh?“, fragt sich Zippelt. Als Abiturientin ging sie für ein Jahr als Au-pair nach England. Die Studiengänge und Arbeitsstellen, Projekte und Kurse, die sie besuchte, Organisationen, die sie unterstützte – durch alles zieht sich der rote Faden „Menschenrechte“. Es treibt sie um „dass wir nicht einfach in Frieden miteinander leben können“.

Zurück in den Süden

Nach verschiedenen Wohnorten – Maastricht, Essex, Frankfurt, Bonn – zog es die geborene Brettenerin (im Kraichgau), die sechs Jahre lang mit ihrem Freund und heutigen Mann eine Fernbeziehung führte, zurück in den Süden. Sie wollte wieder näher bei der Familie sein. Vor zweieinhalb Jahren kam ihr Sohn auf die Welt.

Rebecca Zippelt fand im Internet die Stellenanzeige von der Stadt Schwäbisch Hall. „Integrationsbeauftragte, das ist ein herausfordernder und spannender Beruf, in dem ich wahnsinnig viele verschiedene Leute kennenlerne“, sagt sie. Die 33-Jährige schätzt die Eigenverantwortung und den hohen Gestaltungsfreiraum ihrer 70-Prozent-Stelle. Die bisherigen Erfahrungen in der neuen Umgebung haben bei ihr einen guten Eindruck hinterlassen: „Hier sind sehr viele Leute engagiert.“ Ihre Aufgabe sieht sie nun in der Vernetzung, der Koordination und der Steuerung. Wo besteht Handlungsbedarf und wo sind die entsprechenden Akteure zu beschaffen? Außerdem werden in Zukunft die Themen Fachkräfte und Wohnraum bedeutend sein.

Zippelt freut sich nach jahrelanger theoretischer Arbeit nun in die Praxis zu kommen. Und sagt: „In den Kommunen kann etwas vorangetrieben werden.“

Selbst hat sie die vergangenen 15 Jahre in Großstädten gelebt. Als junge Mutter bevorzugt sie jetzt die schwäbische Kleinstadt und dass sie zu Fuß von ihrem neuen Wohnort Breiteich in den Wald gehen kann.

Menschenrechtlerin aus dem Kraichgau

Rebecca Zippelt (33) stammt aus Bretten im Kraichgau. Nach dem Abitur ging sie für ein Jahr als Au-pair nach England. Dann begann sie in Karlsruhe „Europäische Kultur und Ideengeschichte“ zu studieren, brach aber nach einem Jahr ab und wechselte nach Maastricht zum Studiengang „European Studies“.

Während dieser drei Jahre engagierte sich Zippelt auch bei Amnesty International. Ihr Interesse für Menschenrechte wurde geweckt. Sie besuchte Kurse zum Thema Frauenrechte und Kinderrechte, bevor sie ihr Masterstudium „Theorie und Praxis der Menschenrechte“ in Essex, England, begann.

Parallel machte sie Praktika beim Hessischen Flüchtlingsrat in Frankfurt und absolvierte ein Trainee-Programm bei der Agentur für europäische Grundrechte in Wien.

Schließlich begann die wissbegierige Frau in Bonn das duale Studium „General Management“ bei der Telekom und arbeitete in Projekten zum Thema Menschenrechte. Die vergangenen drei Jahre war die junge Mutter als freiberufliche Unternehmensberaterin tätig. Sie lebt mit Mann und dem zweijährigen Sohn in Hall. Ihr Freizeit verbringt sie mit der Familie und Freunden, mit Nähen und Reisen. sasch

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel