Schulentwicklung Schule Bühlertann: Notfalls gibt’s Extrastunden beim Rektor

Bühlertann / Elisabeth Schweikert 07.12.2018
Bei den landesweiten Vergleichsarbeiten schneidet das Schulzentrum im Bühlertal gut ab. An der Realschule wird auf verschiedenen Niveaus unterrichtet.

Es klingelt. In der Realschulklasse 6a ebbt die Unruhe ab. Die Schüler haben die Tische zusammengestellt und schauen zur Tafel. Deutschlehrerin Sabine Haake erklärt, um was es gehen soll. „Heute werden wir uns mit Nomen und ihren vier Fällen beschäftigen.“ Das war in den vorangegangenen Deutschstunden bereits thematisiert worden. Jetzt sollen die Kinder üben.

Marie Merkl, die als Kooperationslehrerin mit im Unterricht ist, holt derweilen Arbeitsblätter heraus und legt die Stapel in drei verschiedenfarbige Boxen. Merkl erklärt: „Die Kinder lernen, ihr Leistungsvermögen selbst einzuschätzen. Wer’s noch nicht richtig verstanden hat oder wer länger braucht, für den sind die Arbeitsblätter in der grünen Box passend.“ Wer gut mitgekommen sei, übe mit den Aufgaben aus der gelben Box. Und wer richtig fix ist und wem das Bilden der vier Fälle leicht fällt, für den hat sie extra knifflige Aufgaben zusammen gestellt.

Nicht jeder war begeistert

Dass zwei Lehrer in einer Klasse gemeinsam unterrichten, wird als „Teamteaching“ bezeichnet. „Der eine oder andere Schüler war am Anfang weniger begeistert davon“, berichtet Rektor Thomas Pfeffer schmunzelnd, „vier Augen sehen schließlich mehr als zwei. Dadurch wird natürlich auch schneller wahrgenommen, wenn jemand Quatsch macht. Aber inzwischen wissen die Kinder auch zu schätzen, dass ihnen bei Problemen schneller geholfen werden kann.“

Derweilen arbeiten die Kinder flott zu. Marie Merkl steht bei den Mädchen und Jungen, die sich für die schwierigen Aufgaben aus der roten Box entschieden haben. Sie gibt einen Tipp, als ein Mädchen nicht vorankommt. „Ich bin schon fertig“, tönt es kurz darauf von einem Jungen aus der Gruppe, welche die Aufgaben des mittleren Niveaus bearbeiten. „Super“, anerkennt Sabine Haake und sagt, „nächstes Mal solltest du die Aufgaben aus der roten Schale nehmen.“

Den Wechsel erleichtern

Im Schulzentrum Bühlertann laufen die Werkrealschule (die frühere Hauptschule) und die Realschule parallel. Auch in Ilshofen funktioniert das so. In Mainhardt dagegen gibt es nur noch in der Oberstufe beide Schularten. Dort gibt es seit einigen Jahren zu wenige Anmeldungen für die Werk­realschule.

Auch wenn in Bühlertann die Schulzüge parallel laufen, kooperieren Werkreal- und Realschule in den Klassenstufen 5 und 6 eng, berichtet Pfeffer. Die Klassen sind auf einem Flur; die Hauptfächer werden getrennt unterrichtet. Bei Religion, Sport, Informatik und Naturwissenschaften sitzen die Schüler Seit’ an Seit’. „Nach Klasse 4 gibt es große Entwicklungen bei den Schülern“, erklärt Pfeffer, „wir wollen die Durchlässigkeit gewährleisten. Es war immer ein Drama, wenn ein Realschüler von Klasse 6 auf die Werkrealschule wechseln musste. Auch weil sich die Schüler nicht gekannt haben.“ Wenn die Jungs jetzt zusammen im Sport kicken oder die Mädchen im Team Völkerball spielen, falle der Wechsel leichter. „Das machen wir seit drei Jahren so“, erklärt Pfeffer.

Mehr Zeit, kleinere Klassen

Der Unterricht in den Klassen 7 bis 9 der Werkrealschule und den Klassen 7 bis 10 der Realschule läuft in den Haupt- und Nebenfächern getrennt, mit Ausnahme von Sport, Technik und Alltagskultur, Ernährung und Soziales. „Werkrealschüler brauchen in der Regel mehr Zeit, etwas zu verstehen“, erklärt Pfeffer, „in der Werk­realschule kann er intensiver betreut werden. Die Klassen sind kleiner. Wir sind sicher: Wenn es darum geht, die Realschule zu stärken, dann geht das nur, wenn wir eine gute Werkrealschule haben.“

Das sogenannte „individualisierte Lernen“, bei dem die Kinder entsprechend ihrer unterschiedlichen Leistungsfähigkeit unterrichtet werden, finde in jedem Fach statt. „Das geht gar nicht anders“, stellt Pfeffer fest, „in jedem Fach arbeiten wir auf zwei oder drei Niveaus.“ Auf diese Weise sollen höher Begabte ebenso herausgefordert werden, wie Schüler, die Hilfestellung brauchen, unterstützt werden.

Ermöglicht wird dies durch Zusatzstunden, welche das Kultusministerium Realschulen zugesteht. Diese Stunden werden für das eingangs geschilderte Teamteaching verwendet. 26 Stunden sind das in der Summe. Jede Klasse kommt so an drei Stunden pro Woche in den Genuss des Doppelunterrichts. Wichtig ist aus Pfeffers Sicht auch: „Wer unterrichtet, hat nicht jeden Schüler detailliert im Blick.“ Stärken und Schwächen, Lern- und Sozialverhalten der Kinder könnten durch die Tandems besser erkannt werden – so könne gezielter gefördert oder korrigiert werden.

Förderbedarf in Deutsch

Gezielt fördern, die Qualität des Unterrichts steigern, das hat Kultusministerin Susanne Eisenmann im Oktober als Ziel ausgegeben. Hintergrund ist, dass ein steigender Anteil an Schülern nicht den Mindeststandard bei den Kernkompetenzen erreicht. Diese Kinder können nicht lesen, verstehen das Gelesene nicht, haben kein Zahlenverständnis oder können nicht rechnen. Pfeffer begrüßt diesen Vorstoß. Er kann den Veränderungen gelassen entgegensehen, denn bei den landesweiten Vergleichsarbeiten in Mathematik und Deutsch hatten die Schüler der fünften Klassen „sehr zufriedenstellend“ abgeschnitten. „Die Ergebnisse zeigen, dass an den Grundschulen im Bühlertal gute Arbeit geleistet wird.“

Was die Vergleichsarbeiten auch zeigen: Die Schüler wurden korrekt in die Werkreal- oder die Realschule eingestuft. Auffallend ist, dass an der Realschule, mehr als die Hälfte der Schüler auf gutem bis sehr gutem Niveau ist. Hier spiegelt sich wider, dass 30 Prozent der Realschüler in Bühlertann eine Gymnasialempfehlung haben.

Nachhilfe beim Rektor

Gleichwohl stellt Pfeffer fest: „Auch bei uns ist es so, dass vereinzelt Schüler große Defizite beim Leseverständnis haben. Hier fördern wir verstärkt. Denn: Das Leseverständnis ist Basis. Wer nicht versteht, was er liest, hat nicht nur in Deutsch Probleme sondern in jedem Fach. Auch in Mathe oder Bio.“ Wenn gezielt und früh gefördert werde, „stellen sich schnell Erfolge ein“. So hat Thomas Pfeffer im vergangenen Schuljahr zwei Drittklässler, die kaum lesen konnten, aus dem Unterricht geholt und sich einmal die Woche mit ihnen getroffen. Zum Lesen, aber auch zum Reden. Zusätzlich gab es Elterngespräche. „Mittlerweile können die Kinder lesen“, freut sich Pfeffer, „und die Kinder haben Freude daran.“

Tag des Handwerks in der Bühlertalhalle

447 Kinder werden in Bühlertann unterrichtet. Die Grundschule ist derzeit im Wechsel mal ein-, mal zweizügig. „Wegen der steigenden Schülerzahlen werden wir künftig zweizügig sein. Seit etwa fünf Jahren haben wir einen deutlichen Zuwachs“, sagt Schulleiter Pfeffer. Die Werkrealschule ist einzügig, hat im Schnitt 18 Schüler. Die Realschule wächst, in der zweizügigen Schule sind im Schnitt 23 Schüler in der Klasse. 35 Prozent der Realschüler wechseln nach der 10. Klasse auf ein berufliches Gymnasium.

Im Frühjahr will die Schule einen „Tag des Handwerks“ ins Leben rufen. Bei dieser Messe, die in der Bühlertalhalle stattfinden soll, können  Schüler der Klassen 7 bis 10 mit Betrieben in Kontakt kommen und sich über Ausbildungs- und Praktikumsstellen informieren. Ab diesem Schuljahr müssen auch Achtklässler der Realschule ein einwöchiges Praktikum absolvieren. sel

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