Pünktlich zu Weihnachten Jäger schießen Rehe und Wildschweine bei Drückjagd im Lembergwald

Schwäbisch Hall / Jochen Korte 19.12.2018
Im Lembergwald geht es Rehen und Wildschweinen an den Kragen. Die Tiere werden gejagt, um „Verbissschäden“ an Tannen und Eichen zu verringern.

Czabo, der elf Jahre alte Kleine Münsterländer an der Leine von Angelika Hofer aus Mittelsteinbach, winselt, bellt und scharrt mit den Pfoten die Blätter vom gefrorenen Boden. Er kann es kaum erwarten, bis es endlich losgeht und er seiner Natur freien Lauf lassen kann. Dann macht ihn Frauchen los. Wie ein Irrwisch rennt Czabo in den Lembergwald. Seine Aufgabe: Er soll den drei Männern und zwei Frauen um Norbert Schmauder helfen, Rehe und Wildschweine aufzuspüren und die den Jägern bei der jährlichen Drückjagd vor die Flinte zu treiben.

Jagdgegner im Wald unterwegs

Czabos Freude wird am Samstagvormittag nicht von allen Menschen geteilt. Eine Frau, die gerade mit zwei großen Hunden aus dem Wald bei Rinnen kommt, als die Treiber losgehen, wünscht im Vorbeigehen „viel Spaß beim Massenmorden“. Die Treiber lachen und lassen sich durch die hingeworfenen Worte nicht provozieren.

Warum die „Bewegungsjagd“, wie Forstdirektor Andreas Wickel sie nennt, nötig ist, erklärt er mit Verbissschäden. „Gerade die Triebe von jungen Eichen und Tannen, die wir für den klimafesten Wald der Zukunft brauchen, schmecken den Rehen besonders gut.“ Das Rehwild habe sich stark vermehren können und unter dem trockenen Sommer kaum gelitten.

Der Wald ist wie ein Schlaraffenland für Wildtiere

Bernd Schramm, Förster im Hospitalwald, vergleicht die Ernährungssituation für Rehe und das ebenfalls zu schießende Schwarzwild mit dem Schlaraffenland. Die Mast bei Eicheln und Bucheckern habe die Wildschweine fett werden lassen. Sie hätten sich stark vermehrt. Dass die Schwarzkittel stark bejagt werden, hängt auch mit den Schäden, die sie in Maisfeldern verursachen, zusammen. Mit der Ausbreitung der afrikanischen Schweinepest werden sie ebenfalls in Verbindung gebracht. „In Polen scheint sie gestoppt zu sein. Dafür ist sie in Belgien aufgetaucht“, erläutert Andreas Wickel.

Die Regeln für eine sichere Jagd

Doch bevor die etwa 80 Jäger und Jägerinnen ihr Waidwerk verrichten können, werden Jagdschein und Schießnachweis sorgfältig kontrolliert. Auch muss der Obolus zur Teilnahme an der Jagd entrichtet werden.

Wickel geht bei der Einweisung auf die Sicherheitsvorschriften ein. „Als Waffenträger haben sie eine hohe Verantwortung“, appelliert er an die Jagdgesellschaft. Geschossen werden dürfe nur, wenn ein natürlicher Kugelfang wie eine Böschung vorhanden sei oder von oben nach unten geschossen werde. So sollen Querschläger verhindert werden. „Wenn sie mal in den Baum schießen, ist es nicht so schlimm“, meint er. Doch die 80 Jäger seien ja Profis. Ebenso wie die Jäger tragen auch die mehr als 30 Treiber orangefarbene Sicherheitskleidung. Einige der 50 Hunde haben, wie Czabo, eine spezielle Schutzkleidung, die sie vor den Angriffen von Wildschweinen schützen soll. Schon kurz nachdem die Jäger Position bezogen haben und die Treiber unterwegs sind, fällt um 8.59 Uhr der erste Schuss.

Zum gemütlichen Teil, dem Schüsseltreiben, geht es in die „Traube“ nach Neunkirchen. Das Fleisch der erlegten Tiere wird an Gaststätten, Wildhändler und auch an die Jäger verkauft. Gerade zur Weihnachtszeit ist Rehbraten sehr beleibt.

Folgen Sie dem Haller Tagblatt auf Instagram: @hallertagblatt

Das könnte dich auch interessieren:

72 Rehe und 9 Wildschweine werden erlegt

Bei der Drückjagd auf einer Fläche von 500 Hektar im Hospitalwald werden 50 Rehe und 8 Wildschweine geschossen. Auch in den angrenzenden Revieren wird auf 200 Hektar  mitgejagt. Dort werden 22 Rehe und 1 Wildschwein erlegt. Bei der Drückjagd, auch Bewegungsjagd genannt,  gehen mehrere Treiber – mit oder ohne Hunde – durch das Gebiet, um das Wild in Bewegung zu bringen. Nach Möglichkeit soll das Wild in gemäßigtem Tempo an den Schützenständen vorbeiziehen.

„Eine klassische Försterstrecke“, meint Bernd Schramm, der für den Hospitalforst zuständig ist. Verbissschäden könnten so reduziert werden. Bei den Rehen ist seine Erwartung etwas übertroffen worden, beim Schwarzwild hatte er mehr erwartet. Insgesamt ist er zufrieden. kor

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel