Schwäbisch Hall / Sonja Alexa Schmitz Wolf Andreas Liese hat nie in Hall gelebt. Dennoch finanziert er den Erhalt von Denkmälern auf dem Steinbacher Friedhof.

Vergangene Woche war er wieder da. Wolf Andreas Liese aus Düsseldorf verbringt ein paar Tage in Schwäbisch Hall. Das macht er ein paar Mal im Jahr, wohnt in einem Haller Innenstadthotel und macht Spaziergänge zum Friedhof in Steinbach. Dort liegen mittlerweile einige seiner Familienmitglieder. Die Großmutter, eine geborene Waelde, stammt aus Steinbach – übrigens eine Jugendfreundin von Max Kade.

Schwäbisch Hall bedeutete dem jungen Wolf Andreas nicht viel. Er langweilte sich bei Familientreffen, musste schwäbische Gerichte essen, die ihm nicht schmeckten, und sobald keiner hinschaute, haute er ab, um auf der Haller Treppe den „Jedermann“ zu sehen.

Stadtarchivar Dr. Andreas Maisch erläutert bei einem Vortrag, dass Menschen jüdischen Glaubens auch im Mittelalter in Hall verfolgt wurden.

Schlendert der Wahlrheinländer, der in Wiesbaden und Berlin aufwuchs, über den Friedhof, dann plaudert er gerne mit Menschen, die sich dort aufhalten. Er hat ein offenes Ohr für das, was sie ihm erzählen. Gerne werde da gemeckert darüber, in welchem Zustand der Friedhof sei. Liese merkt sich, welche Stellen ihm genannt werden, dann telefoniert er mit Reinhard Häberlein von der Abteilung Friedhofsverwaltung. Nicht, weil er die Beschwerden weitergeben, sondern, weil er helfen will.

Häberlein und Liese kennen sich schon seit dem Jahr 2012 und haben regelmäßig Kontakt. Angefangen hat es damit, dass Familienmitglieder von Wolf Andreas Liese die Urne der Eltern nach Wiesbaden holen wollten. Das wiederum wollte der Sohn nicht, weil es der ausdrückliche Wunsch seines Vaters war, in Steinbach beerdigt zu sein. Da er die Vollmacht hatte, blieb die Grabstätte erhalten und wurde gleich auf Lieses Kosten restauriert. Ebenso sorgte er bei dem Grab der Großeltern für dessen Erhalt.

Die Stadtwerke Hall müssen für ihre sieben Windräder an der Kohlenstraße einen Ökoausglich schaffen. Daher haben sie ein Gewässer renaturiert.

Im vergangenen Jahr finanzierte er die Restaurierung des Ehrenmals für die Vermissten und Gefallenen im Ersten Weltkrieg, und seine neueste Zuwendung an den Friedhof ist die Sanierung des Engel-Denkmals, das nun in leuchtendem weißen Marmor auf seinem frisch gerichteten Sockel steht. Dieser war vorher schief und von Efeu und Moos bewachsen, der Engel schwarz verdreckt, statt weiß, und drohte umzufallen. Das berichtet der Steinmetz Hans Lubinsky, der die Arbeiten an dem Denkmal ausführte.

Rheinischer Humor und Ironie

Mit rheinischem Humor und ironischen Geschichten unterhält der Mann, der sein Alter nicht verraten will, diejenigen, die mit ihm in diesen Tagen über den Friedhof spazieren. Einer davon ist Erster Bürgermeister Peter Klink. Amüsiert hört er dem Großgewachsenen mit der karierten Ballonmütze zu und kommt kaum dazu, sich bei dem Düsseldorfer für dessen Großzügigkeit zu bedanken.

Die allgemeinnützliche Verkaufsstelle Schwäbisch Hall beschert verschiedene Haller Einrichtungen.

Und während Dr. Liese die Umstehenden unterhält, fallen ihm immer wieder neue Baustellen auf. Er zeigt auf die Treppe: „Die ist krumm und schief“, auf die Eingangstore: „Die könnte man doch auch mal erneuern“, und er lässt sich gerne von Reinhard Häberlein die Kapelle zeigen. Steinbacher würden sich wünschen, dass sie immer offen stünde, berichtet Häberlein. Kurzes Schweigen, dann Liese: „Ja, wollen Sie, dass ich mich davorsetze, und den Einlass mache?“ Zuzutrauen wäre es dem Alleinstehenden.

„Ich bin kein Friedhofsfanatiker“, sagt der promovierte Theaterwissenschaftler, der zuletzt lange im Theaterarchiv in Düsseldorf gearbeitet hat, „aber ich vertrage es einfach nicht, wenn man Schönes verkommen lässt.“