Zukunftsplanung Schnuppertag bei der Rentenversicherung

Robin Simon von Reha-Hess in Crailsheim erklärt einer Besucherin, wie eine ambulante Reha abläuft.
Robin Simon von Reha-Hess in Crailsheim erklärt einer Besucherin, wie eine ambulante Reha abläuft. © Foto: Sigrid Bauer
Sigrid Bauer 01.12.2018

Weitblick beweist die 19-jährige Thea Schäfer mit ihrer Bemerkung zur Rentenversicherung: „Das betrifft uns ja auch!“ Ihre Lehrerin Susanne Waldenmaier hatte morgens in der Zeitung vom Tag der offenen Tür der Behörde gelesen und spontan den Besuch mit der Klasse beschlossen. Jetzt holen sie sich aus erster Hand Informationen, um schriftlich Fragen zu dem Thema zu beantworten. „Das ist dieses Jahr im Lehrplan“, begründet die Lehrerin der Schreinermeisterschule Schwäbisch Hall den Ausflug. „Erfrischend und viel interessanter, als das aus einem Buch zu lernen“, meint der 25-jährige Jannis Pappenscheller, der wie Thea Schäfer eine Schreinerausbildung absolviert.

Einen Herrn mittleren Alters betrifft das Thema Rentenversicherung derzeit ganz direkt, deshalb will er seinen Namen nicht nennen. „Ich bin gerade in der beruflichen Reha und hatte eben ein Beratungsgespräch“, erklärt der Mann aus Öhringen. Jetzt wolle er sich über Möglichkeiten informieren, in welche Richtung seine berufliche Zukunft gehen könnte.

Vor Ort, am Telefon oder per Mail

Die Beratung ist eine der Hauptaufgaben im Regionalzentrum. „Rund 25 000 Menschen nutzen jährlich dieses Angebot zum persönlichen Gespräch vor Ort, am Telefon oder stellen ihre Fragen per Mail“, berichtet Mitarbeiterin Madlen Wolf bei ihrer Führung durchs Haus.

Ein Schwerpunkt des Regionalzentrums, das die Landkreise Schwäbisch Hall, Hohenlohe und Main-Tauber abdeckt, sind Reha-­Maßnahmen, um Menschen nach einer Erkrankung wieder fit für den Arbeitsalltag zu machen. Wichtigster Partner sind hier die Krankenkassen. Beim Tag der offenen Tür ist die AOK vertreten.

Das Regionalzentrum arbeitet eng mit der Rehaklinik Ob der Tauber in Bad Mergentheim zusammen. „70 Prozent unserer Patienten kommen auf diesem Weg zu uns“, berichtet Michaela Kandert. Die Diätassistentin hat Brotscheiben mit vegetarischen Aufstrichkreationen zum Probieren vorbereitet. Ihr Fachgebiet „Gesunde Ernährung“ ist vor allem für Krebs-, Diabetes-, Adipositas- und Magen-Darm-Patienten der Klinik wichtig.

Bestimmt schon 40 Besucher und Mitarbeiter haben versucht, auf einem runden Wackelbrett das Gleichgewicht zu halten. Ein angeschlossener Monitor verteilt Punkte je nach Können. „Unsere Patienten in der Klinik testen sich zu Beginn, während und am Ende der Reha. Das motiviert sie unheimlich, sich zu verbessern“, schildert eine Klinikangestellte. Nicht nur ältere Menschen hätten Defizite beim Gleichgewicht, auch nach einer Chemotherapie gebe es oft Probleme.

Kontakte knüpfen

Seit einem Jahr hat Crailsheim ein Zentrum zur ambulanten Reha für Rentenversicherte mit orthopädischen Problemen. „Unsere Patienten sind vier bis sechs Stunden am Tag bei uns, danach fahren sie wieder nach Hause. Für manche ist so ein Angebot besser geeignet als eine stationäre Reha“, weiß Robin Simon von Reha-Hess in Crailsheim. Zwei Orthopäden und 20 weitere Mitarbeiter kümmern sich um die Kunden.

Johanna Göller nutzt den Tag, um ihre Partner aus den Kliniken und den Rehazentren persönlich kennenzulernen. Sie ist im Regionalzentrum für Prävention zuständig und besucht Firmen, um bei den Arbeitgebern ein Bewusstsein für die Gesundheit der Mitarbeiter zu wecken. „Bei Betriebsgesundheitstagen sind wir mit einem Stand vertreten oder ich halte auf Personalversammlungen einen kurzen Vortrag“, berichtet sie.

Helmut Hellstern, Leiter des Regionalzentrums, sind die präventiven Angebote wichtig: „Sie können bei den ersten Anzeichen orthopädischer oder psychischer Beeinträchtigung, also bevor eine Reha nötig ist, beantragt werden.“ Das Ziel sei, dass die Menschen gesund in die Regelaltersrente eintreten und nicht schon früher.

Menschen, die nur noch sehr begrenzt arbeitsfähig sind, könnten sich um eine Erwerbsminderungsrente bemühen. Auch das ist ein Schwerpunktthema im Regionalzentrum.

265 000 Versicherte in drei Landkreisen

Seit 2004 sind die frühere Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BFA) und die Landesversicherungsanstalten für Arbeiter und Handwerker (LVA) in der Deutschen Rentenversicherung zusammengefasst.

Das Regionalzentrum in Schwäbisch Hall betreut beratend 265 000 Versicherte und 91 000 Rentner in den Landkreisen Hall, Hohenlohe und Main-Tauber. Jährlich bearbeitet es Anträge für rund 2200 Altersrenten, 1500 Hinterbliebenenrenten und 950 Erwerbsminderungsrenten. siba

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel