Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen“, wusste schon Matthias Claudius (1740 – 1815). „Drum nahm ich meinen Stock und Hut, und tät das Reisen wählen“, heißt es beim Dichter weiter. Nun, wenn Max Aigner und Niklas Neuffer von ihrer jüngsten Reise erzählen, ist manches „ziemlich krass“ oder „echt cool“. Das klingt zwar weniger beschaulich. Aber die beiden waren auch nicht mit dem Spazierstock unterwegs, sondern fuhren in drei Wochen mit selbst umgebauten Fahrzeugen durch sieben Länder – bis nach Gambia. „Laut Tacho waren es rund 6850 Kilometer“, sagt Max Aigner. Und das für einen guten Zweck. Mit dem Verein „Drive to Help“ ging es Mitte März im Konvoi mit neun Fahrzeugen auf Tour. Neuffer, Aigner und die anderen 16 Mitstreiter brachten Spenden und Hilfsgüter in die Health-Clinic des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB) nach Gambia. Die gespendeten Fahrzeuge sollten zugunsten der Klinik verkauft werden.

Klar, Abenteuerlust gehört auch zu so einem Vorhaben. Genau das Richtige für die beiden Ilshofener, die beide 2012 am Haller Gymnasium bei St. Michael Abitur gemacht haben. Niklas Neuffer (24) studiert in Gießen, Max Aigner (23) in Würzburg – beide Medizin. Auf der Tour waren die beiden in unterschiedlichen Zweierteams unterwegs: Neuffer und seine Mitfahrerin Franziska Heinrich in einem Fiat Ducato, Baujahr 2002, den sie zuvor rallyetauglich umgebaut hatten. Aigner und sein Kompagnon Jörg Löw fuhren mit einem 20 Jahre alten Volvo V70 – „der hatte schon rund 520 000 Kilometer auf dem Buckel“, erklärt Aigner stolz. „Ein geniales Auto mit Schiebedach, Tempomat und allem“, schwärmt Niklas Neuffer mit ein bisschen gespieltem Neid.

Seit einigen Tagen sind die beiden wieder zurück – braun gebrannt, gut gelaunt und voller Eindrücke. Die technischen Pannen unterwegs hätten sich sehr in Grenzen gehalten: „Ich dachte, wir würden mehr Probleme haben“, sagt Max Aigner. Ein paar Radwechsel, eine Zündkerzensache, ein gerissenes Kupplungsseil, ein Licht, eine schier abgerissene Autotür – „aber sonst war eigentlich nichts“, winkt Niklas Neuffer gelassen ab und grinst: „Das Meiste passierte auf den letzten 100 Kilometern.“

Ihre erste Etappe war die längste: Von Waldkirch im Schwarzwald aus, wo der „Drive to Help“-Verein seinen Sitz hat, ging es 1150 Kilometer bis kurz vor die spanische Grenze. „Von 10 bis 1.30 Uhr in der Nacht waren wir unterwegs“, erzählt Neuffer. Meist waren die Tagesetappen zwischen 400 und 600 Kilometer lang. Dabei mussten nicht nur Schotter- und Sandpisten bewältigt werden, sondern auch ganz andere Hindernisse: In Tanger in Marokko hing die Gruppe zunächst an der Grenze fest. „Wir mussten alles ausladen, und  die Autos wurden zweimal durch den Röntgenscanner geschoben, das muss man sich mal vorstellen“ – darüber kann Niklas Neuffer auch nach Wochen nur seinen Lockenkopf schütteln. Im Acht-Stunde-Rhythmus wurde auf die Weiterreise gehofft – zunächst vergebens. „Immerhin war der Campingplatz in Tanger schön“, so Neuffers Trost. Doch dann klappte es, und der Tross kann sich seinem Ziel Gambia weiter nähern.

Faszinierende Erlebnisse und Highlights gibt es viele auf ihrer Tour. „Einen Tag waren wir in Marrakesch, das musste einfach sein“, erzählt Neuffer von der bunten und quirligen Stadt. Dann die Überquerung des Atlas-Gebirges: „Und plötzlich waren wir mitten im Schnee“, erzählt Max Aigner. Klar, dass der Konvoi stoppte und man sich erst mal eine schöne Schneeballschlacht liefern musste. Staunend standen die Abenteurer auch vor den Wasserfällen von Ouzoud. „Manchmal fühlte es sich schon wie Urlaub an“, sagt Aigner lächelnd.

Je weiter der Weg Richtung Süden führte, desto heißer wurde es. Die Wüste hat die beiden Ilshofener tief beeindruckt. Sei es eine riesige schleichende Düne, die Steinwüste mit vielfarbigem Kies in Mauretanien oder eine Wüstentour im Nationalpark: „Wir fuhren rechts ab, machten die Reifen platt, und dann ging es stundenlang durch den Sand – richtig cool“, erzählt Neuffer. Spannend sei auch die Überquerung des Gambia-Flusses gewesen, die man per Fähre bewältigen muss – ein Nadelöhr auf dem Hauptverkehrsweg. Denn die Fähre ist nicht besonders groß, „und wenn dann noch die Steuerung ausfällt, wie bei uns, dann verzögert es sich halt“, erzählt Aigner. Weil der Personenverkehr Vorrang hat, müsse mancher LKW zwei Wochen lang auf eine Überquerung warten, haben die beiden Ilshofener erfahren.

Schließlich kam der „Drive to Help“-Konvoi bei der ASB-Klinik an – zwar verspätet, aber Reisende wie Gastgeber nahmen es gelassen. „Da kann man halt nichts machen“, kommentiert Neuffer ruhig. So eine Tour scheint auch eine Lektion in Sachen Gelassenheit zu sein.

Die Freude über die Hilfsgüter und eine 40 000 Euro dicke Spende war riesig. Der Besuch aus Deutschland erregte auch in der Nachbarschaft der Klinik Aufsehen – es wurde getrommelt und getanzt. Und die Gäste sahen auch, wie nötig die Hilfe vor Ort ist.

Ob sie so eine Tour wiederholen würden? Max Aigner und Niklas Neuffer zögern kurz. Im Tross mit neun Fahrzeugen unterwegs zu sein, sei durchaus anstrengend. Oft müsse man aufeinander warten oder komme nach einer Pause erst langsam wieder los, räumen sie ein. Trotzdem scheinen sie nicht abgeneigt: Vielleicht mit weniger Fahrzeugen und wenn die Chemie in der Gruppe stimmt, überlegen sie. Auf jeden Fall sind sich die beiden Studenten einig: „Es macht Spaß und ist eine coole Sache.“

Medizin-Studenten aus Ilshofen reisen und helfen


Max Aigner und Niklas Neuffer kommen aus Ilshofen. Aigner ist 23 Jahre alt, Neuffer 24. Die beiden haben 2012 im Haller Gymnasium bei St. Michael ihr Abitur gemacht. Danach hat Neuffer für 14 Monate in einem Kinderheim im marokkanischen Casablanca gearbeitet. Mittlerweile studiert er Medizin in Gießen. Aigner ist nach dem Abi nach Nepal gereist und hat dort für einige Monate Englisch unterrichtet. Heute studiert er Medizin in Würzburg.

Der Verein „Drive to Help“ mit Sitz in Waldkirch unterstützt mit seiner Charity-Rallye die ASB-Health-Clinic in Gambia. Bereits 2014 wurde mit damals sieben Teams eine Spendenfahrt unternommen. Weitere Informationen zum Projekt gibt es auch auf www.drive-to-help.de. Dort kann man auch in einem Reisetagebuch blättern. blo