Schwäbisch Hall Schlagt Purzelbaum an seinem Grab

Schwäbisch Hall / VERENA BUFLER 24.11.2014
Im beschaulichen Langenburg geboren bereiste er später die weite Welt, lernte acht Sprachen und machte Karriere. Die Intrigen eines Dienstherren machten ihn krank. Dies war ein Glücksfall für die Literatur.

Eine Kostprobe seines skurrilen Humors hätte Karl Julius Weber gerne auf seinem Grabstein hinterlassen. Der Spruch, den er sich selbst ausgesucht hatte, lautete: "Hier liegen meine Gebeine, ich wollt es wären Deine". Den Angehörigen, die ihn 1832 auf dem Friedhof in Kupferzell zu Grabe trugen, war dieser Satz doch etwas zu schräg, so steht heute darauf zu lesen: "Ich scherzte gern, doch gottlos lebt ich nicht . . .". Der humorvolle Bücherwurm starb inmitten seiner ausufernden Bibliothek und mit der Tabakspfeife in der Hand. Auf sein Geheiß hin soll man an seinem Grab Zigarren rauchen und Purzelbäume schlagen. Als "lachender Philosoph" ging er in die Geschichte ein.

"Auf Grabschriften stehen auch die größten Lügen"

Karl Julius Weber (1767 – 1832),
Hohenloher Jurist, Privatgelehrter, Feuilletonist und Satiriker

Karl Julius Weber wurde 1767 in Langenburg geboren. Er besuchte die Lateinschule und das Gymnasium, wo er sich als exzellenter Schüler hervortat. Sein Können zeigte der kaum 18-Jährige bei der Abschlussdisputation: Mit zwei Gymnasiallehrern führte er das lateinische Streitgespräch vor offenem Forum mit dem Rektor. Danach zog er aus der Enge der Heimat hinaus in die Welt, erlebte den Beginn der französischen Revolution, die napoleonischen Kriege, das Aufflammen der Demokratie und die zurückgezogene Behaglichkeit des Biedermeiers. Er studierte Rechtswissenschaften in Erlangen und Göttingen, wurde Privatlehrer, dann persönlicher Herrschaftssekretär. Kurzum: Er machte Karriere. In Göttingen hatte er nach Professuren geschielt, in Frankreich Lebensart erworben, halb Europa bereist. Acht Sprachen beherrschte er. Sogar ein Posten im französischen Staatsdienst war ihm schon versprochen. Doch dann zerstritt sich der charakterstarke Aufklärer, der 1790 bei einem Besuch im revolutionären Paris die Witterung der Freiheit aufgenommen hatte, mit seinem letzten Dienstherren. Verbittert durch die Charakterlosigkeit und die Hofintrigen des jungen Grafen, dessen Erzieher er war, zog er sich im Alter von 37 Jahren zurück. Bis zum Ende seines Lebens 1832 kurte er im Hause seiner Schwester und ihres Ehemannes im Hohenlohischen - zunächst in Jagsthausen, dann in Weikersheim, Künzelsau und schließlich Kupferzell.

Ein Glücksfall für die deutsche Literatur. Denn jetzt, in kleinen Dörfern wohnend, durchstreifte er seine 11.000 Bände starke Bibliothek. Und wurde es ihm trotz aller geistigen Weite zu eng, dann zog er los und wanderte durch Deutschland. Das Resultat ist ein Großwerk der deutschen Reiseliteratur: Webers "Deutschland oder Briefe eines durch Deutschland reisenden Deutschen". Und das Land war damals groß: 1815 hatte sich der Deutsche Bund zusammengeschlossen - mit Grenzen, die von Kiel bis Aachen, von Basel bis Meran und von Wien bis beinahe nach Krakau reichten. Außerdem entstand in dieser Zeit Webers Hauptwerk, der zwölfbändige "Demokritos oder hinterlassene Papiere eines lachenden Philosophen". Die Enzyklopädie des Lächerlichen wurde ein "Bestseller" des 19. Jahrhunderts, sie umfasst 281 Kapitel über den Witz, die Zote, über Narren, Nasen, Karneval, aber auch über Todesangst in ihrer Lächerlichkeit.

Nach Karl beziehungsweise Carl Julius Weber - beide Schreibweisen finden sich in der Literatur - wurden in Kupferzell die Sport- und Festhalle und eine Straße benannt. Im Langenburger Rathaus gibt es eine Carl-Julius-Weber-Gedenkstube. Auch im Haller Wohngebiet Breiteich gibt es seit kurzem eine Karl-Julius-Weber-Straße (Foto). Sie ist so neu, dass noch nicht einmal ein Straßenschild von ihrer Existenz zeugt.

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