Schwäbisch Hall Schlachtenmaler Louis Braun starb vor genau 100 Jahren

Schwäbisch Hall / BETTINA LOBER 18.02.2016
Während des Kaiserreichs berühmt und erfolgreich, heute fast vergessen: Louis Braun - ein gebürtiger Haller. Vor 100 Jahren starb er in München. Ein großer Teil des Nachlasses wird im HFM aufbewahrt. Mit Bildergalerie.
Stürzende Pferde, schießende und gefallene Soldaten, gereckte Säbel, prächtige Uniformen - die Skizzen des Schlachtenmalers Louis Braun sind voller Details. Im Hällisch-Fränkischen Museum (HFM) in Schwäbisch Hall gibt es mehr als 1000 Blätter mit seinen Zeichnungen, dazu eine Vielzahl von Ölgemälden und rund 350 Briefe.

Braun war einer der bedeutendsten und gefeiertsten Panoramenmaler des Kaiserreichs. "Für seine riesigen Formate hat er unendlich viele Vorbereitungsskizzen gemacht," sagt Hildegard Heinz. Die Kunsthistorikerin sichtet, nummeriert, scannt, beschreibt, klassifiziert, vergleicht und bewertet seit drei Jahren die vielen Zeichnungen und Dokumente Brauns im HFM. Zuweilen sei es wie ein Puzzle, bis man die passenden Teile zusammenbringt, erklärt sie und stöbert in ihrer Computerdatenbank nach einer Braun-Zeichnung zu einem Fürstenkongress: "Dazu gibt es glücklicherweise eine Legende, die hat mein Louis aufbewahrt", sagt Heinz. Ganz selbstverständlich sagt sie "mein Louis". Kein Wunder: Wenn man sich so intensiv mit diesem Künstler beschäftigt, entsteht automatisch ein plastisches Bild dieses Menschen, und vielleicht auch eine Art Freundschaft.

Geboren wurde Louis Braun am 23. September 1836 in Schwäbisch Hall, im Haus Lange Straße 20. Dort erinnert auch heute eine Gedenktafel, die anlässlich seines 70. Geburtstags 1906 gestiftet wurde, an ihn. Nach dem Tod des Vaters kümmerte sich sein 15 Jahre älterer Bruder Reinhold - inzwischen ausgebildeter Kunstmaler - um ihn und holte ihn samt Mutter und Geschwister nach Stuttgart. Die Mutter starb ein Jahr später. Bei seinem Bruder erhielt Louis Braun auch eine künstlerische Ausbildung, bevor er ab 1854 an der Kunsthochschule Stuttgart studierte. Bereits während des Studiums erhielt er erste Aufträge, half bei Wandmalereien im Residenzschloss in Stuttgart und sammelte Erfahrungen im Umgang mit großen Formaten und historischen Themen.

Besonders wichtig für die Entwicklung Brauns als Maler war ein Aufenthalt 1859 bei Horace Vernet, dem damals bekanntesten Historienmaler Frankreichs. Während des Deutsch-Dänischen Krieges 1864 und des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 war Braun als Kriegszeichner aktiv.

Geschäftsmann, Zeichner und Familienvater

Später richtete er sein Atelier in München ein und spezialisierte sich auf Schlachtenbilder. 1874 erhielt er den Professorentitel. 1882 erwarb er die Burg Wernfels bei Spalt in Mittelfranken. Mit seinen Riesenrundgemälden wurde er bekannt. Sein erstes Panorama war "Die Schlacht bei Sedan". Den Auftrag für die Wiedergabe der Entscheidungsschlacht erhielt er 1879 von einer belgischen Aktiengesellschaft für den zehnten Jahrestag zur Beendigung des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71. Ein Projekt, das ihn physisch und psychisch forderte, ihm schlaflose Nächte bereitete, wie er seiner Frau berichtete. Unter Zeitdruck bemalte er mit Gehilfen 1800 Quadratmeter Fläche.

"Diese Panoramen-Aufträge waren große Unternehmungen, und Braun war quasi der Projektleiter", erklärt Hildegard Heinz. Sie weiß: Louis Braun war nicht nur ein fleißiger Künstler, sondern auch ein tüchtiger Geschäftsmann - "und ein liebevoller, geselliger Familienvater", ist die Expertin überzeugt. Immerhin existieren neben den Soldaten- und Pferdestudien auch reizende Zeichnungen familiärer Szenen. Mit seiner Frau ist Braun gerne gereist, hat oft idyllische Genre-Szenen von Festen mit Trachten gemalt. Obwohl in der Kunstwelt längst der Impressionismus modern wurde, blieb Braun in der Tradition der Historienmalerei des frühen 19. Jahrhunderts verhaftet, erklärt Hildegard Heinz: "Er war ein Kind seiner Zeit." Schon zu seinen Lebzeiten schwand die Begeisterung für die Panoramen, die zeitweise monatlich 20000 Besucher angelockt hatten. Fotografie und Film wurden zusehend interessanter.

Seiner Vaterstadt blieb Braun stets verbunden. Am 18. Februar 1916 starb er in München. An seiner Beerdigung drei Tage später nahm auch Prinz Alfons von Bayern teil. Nachrufe würdigten Braun als einen vornehmen Charakter und feinsinnigen Künstler.

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