Der Wolf ist auf dem Vormarsch und wird auch in der hiesigen Region wieder heimisch werden. Doch wie soll man damit umgehen? Um diese Fragestellung ging es bei einem Vortragsabend in Mittelfischach. Eingeladen hatte der Bezirksarbeitskreis Gaildorf des Evangelischen Bauernwerks. Die Organisatoren waren selbst überrascht, auf welch große Resonanz ihre Veranstaltung stieß. Schnell mussten noch Stühle herbeigeschafft werden. Pfarrer Andreas Ludwig stellte erstaunt fest: „So viele Menschen waren vermutlich noch nie in unserem Gemeindehaus!“

Als Referenten begrüßte Bezirksbauernpfarrer Achim Ehring Schäfer Daniel Voigt vom Landschaftspflegehof in Michelbach/Bilz sowie vom Landesjagdverband Baden-Württemberg den Diplom-Biologen Klaus Lachenmaier. Daniel Voigt ist seit 41 Jahren Schäfer. Er übt diesen Beruf mit Leib und Seele in der fünften Generation aus. Seine Herde umfasst 850 Mutterschafe, 150 Nachzuchtschafe, dazu Lämmer und Böcke. Sein Einkommen bezieht er zu 75 Prozent aus der Landschaftspflege, die er als Wanderschäfer mit seinen Tieren betreibt, und zu einem Viertel aus dem Verkauf von Lämmern.

Münsingen

Zäune bieten zu wenig  Schutz

„Man wird nicht reich davon, aber es reicht“, sagt er. Wenn aber der Wolf in den kommenden Jahren verstärkt auftreten wird, sieht Voigt Probleme auf sich zukommen. Er hat Angst, dass Wölfe auch hier, wie bereits andernorts geschehen, Blutbäder an den Tieren anrichten. In der hiesigen hügeligen und unübersichtlichen Landschaft ist es aus seiner Sicht nahezu unmöglich, die Schafe mit Zäunen zu schützen. „Ein Wolf kommt zudem über jeden Zaun“, meint er schon fast resigniert. Mehr Wachdienste als bislang kann er auch nicht leisten. Ist er doch jetzt schon sieben Tage die Woche und das zwölf Stunden täglich im Einsatz und damit am Rand des Leistbaren. Entschädigungszahlungen für Schäden durch Wölfe helfen aus seiner Sicht nur sehr bedingt, da nur die getöteten Tiere entschädigt werden. Der Ausfall der jahrelangen Zuchtbemühungen kann jedoch nicht abgegolten werden.

Voigt hat auf das Heranrücken der Wölfe reagiert, indem er fünf Herdenschutzhunde angeschafft hat. Damit hofft er, seine Tiere behüten zu können. Von der Politik erhofft er sich, dass sie sich mit der Problematik tiefer auseinandersetzt und die Schäfer rechtzeitig vor dem Eintreffen der Wölfe besser unterstützt. Von der Bevölkerung wünscht er sich, dass diese realistischer über die Wölfe nachdenkt. Immer wieder hört er: Es sei wichtig, dass der Wolf nach 150 Jahren wieder heimisch werde. Aber er fragt sich: „Wo soll der Wolf leben? In unserer dicht bevölkerten Landschaft kommt er mit Weidetieren immer wieder in Kontakt.“

Für Klaus Lachenmaier ist klar, dass der Jagdverband auch Umweltschutzverband ist. Als solcher müsse er auch Anwalt von Wildtieren sein. Deshalb ist er dagegen, die Verbreitung des Wolfs durch radikalen Abschuss total zu stoppen.

Jäger gegen radikalen Abschuss

Dies stehe eh außer jeder Diskussion, da sich die Mitgliedsländer der Europäischen Union dazu gesetzlich verpflichtet haben, den Wolf zu schützen. Allerdings spricht sich der Diplom-Biologe auch deutlich gegen eine ungeordnete Verbreitung des Raubtieres aus. „Wir müssen uns dem Wolf anpassen, ja!“, bekennt er. Aber die Auswirkungen auf die Jagd, die Nutztierhalter und die Landwirtschaft, die öffentliche Sicherheit, den Naturschutz und den Tierschutz müssten gründlich durchdacht werden, um zu erkennen, wie viele Wölfe die Kulturlandschaft verträgt.

Wichtig sei ein Monitoringsystem, das verlässliche Daten über den Wolfsbestand bietet. Der Landesjagdverband fordere, den Wolf ins Jagd- und Wildtiermanagementgesetz (JWMG) des Landes aufzunehmen. Darin sieht der Landesjagdverband keinen Widerspruch zur FFH-Richtlinie, die 1992 vom Europäischen Rat mit dem Ziel beschlossen wurde, die natürlichen Lebensräume der wildlebenden Tiere und Pflanzen dauerhaft zu erhalten. Der Wolf müsse in die Liste der jagdbaren Tiere aufgenommen werden, um verlässliche Rahmenbedingungen für ein Handlungsmanagement zu bekommen. Diese Forderung ist bislang von der Politik nicht erhört worden. Klaus Lachenmaier befürchtet: „Wenn Politik keine Lösungen anbietet, werden sich die Menschen selber zu helfen versuchen!“

In der Diskussion, moderiert durch Bildungsreferentin Melanie Läpple aus Hohebuch, wurden Befürchtungen laut, dass der Wolf sowohl negative Auswirkungen auf Viehhalter als auch auf den Artenschutz haben könnte.

Jäger lehnten es teilweise ab, den Wolf ins Jagdrecht zu übernehmen, weil sie fürchten, Entschädigungen leisten zu müssen, wenn es durch Wölfe zu Rissen oder Unfällen kommt. Außerdem äußerten Landwirte ihren Unmut darüber, dass zunehmend Städter mit einem unrealistischen Bild von Natur die Politik bestimmen.

Das könnte dich auch interessieren: