Schwäbisch Hall Sauber raus aus der DDR

Oben flattert die Flagge der DDR, darunter sprechen (von links) Hermann-Josef Pelgrim, Harald Holz, Annette Sawade und Astrid Winter.
Oben flattert die Flagge der DDR, darunter sprechen (von links) Hermann-Josef Pelgrim, Harald Holz, Annette Sawade und Astrid Winter. © Foto: thumi
Schwäbisch Hall / THUMI 24.11.2014
Ein Gläschen Nordhäuser Doppelkorn, eine scharfe Soljanka oder prickelnder Rotkäppchen-Sekt: Auch 25 Jahre nach dem Mauerfall landet das auf dem Tisch von Astrid Winter, die 1990 in Hall eine neue Heimat gefunden hat.

Ein Gläschen Nordhäuser Doppelkorn, eine scharfe Soljanka oder prickelnder Rotkäppchen-Sekt: Auch 25 Jahre nach dem Mauerfall landet das auf dem Tisch von Astrid Winter, die 1990 in Hall eine neue Heimat gefunden hat. Annette Sawade (SPD Bundestagsabgeordnete) war schon 1982 aus der DDR ausgereist. In den Stasi-Akten stand "Staatsfeindliche Gruppe Sawade", zur Wiedereinreise war sie gesperrt - zurück wollte sie ohnehin nicht. Soljanka isst Sawade dennoch gerne. Und Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim? Speisen aus dem Osten sind nicht sein Ding. Moderator Harald Holz blickt verwundert: "Ich dachte, mit Halls Partnerstadt Neustrelitz kam auch etwas Kulinarisches bei Ihnen an."

25 Jahre friedliche Revolution: So ist der Freitagabend im Hällisch-Fränkischen Museum betitelt. Beinahe wäre sie eine reine SPD-Runde geworden: Neben Pelgrim und Sawade sollte Jeannine Pflugradt, SPD-Bundestagsabgeordnete aus Neustrelitz, als Zeitzeugin erzählen. Ein Bandscheibenvorfall kam ihr dazwischen. Astrid Winter, Mitarbeiterin der Haller Stadtverwaltung, übernimmt den Part.

25 Jahre Mauerfall: Gesprächsabend mit Zeitzeugen im HFM

Der 9. November 1989 habe für sie Erleichterung gebracht, so Winter. "Freude, dass man Freunde, Familie unkompliziert besuchen kann." Ihr damaliger Mann war eineinhalb Jahre zuvor ausgereist. Sie musste sich alleine um zwei Kinder kümmern. "Natürlich gab es Wege über Ungarn. Ich wollte ganz sauber raus. Das war mir wichtig." Sawade verfolgte aus der Distanz den Mauerfall, ging kurz darauf "voller Stolz durch das Brandenburger Tor". Sawade spricht von Unrechtsstaat, während Erich Honecker hinter ihr als Portrait von der Wand blickt.

Pelgrim war zu jener Zeit für die Friedrich-Ebert-Stiftung in Südamerika. Der Kalte Krieg in Europa sei dort als heißer Krieg ausgefochten worden. "Dortige Mitarbeiter aus der DDR durften nicht mit uns reden." Die sich anbahnende Änderung sei für ihn an seinem 30. Geburtstag, am 15. Oktober 1989, spürbar geworden: "Da kamen ein paar DDR-Mitarbeiter mit Radeberger Pils und haben mit uns gefeiert."

Unter den 25 Gästen ist Felix Bronner, der einzige Haller, der am Tag des Mauerfalls im Diak geboren wurde. Dass das Land geteilt war, ist für ihn "schwer vorstellbar". Im Unterricht sei es Thema gewesen - aber nie greifbar. "Erst als ich in Berlin war und unter anderem den Checkpoint Charlie besucht habe, konnte ich das ein bisschen fühlen", sagt der 25-Jährige.

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