Schwäbisch Hall Sarah Keck und Dominik Bauer besuchen bei einem Schüleraustausch Indien

Schwäbisch Hall / SONJA ALEXA SCHMITZ 19.11.2014
Die beiden sind in der 10. Klasse im Gymnasium St. Michael. Vor kurzem sind sie aus Indien zurückgekommen. Würden sie es noch mal machen? "Auf jeden Fall!", sagen sie ohne zu zögern.

"Es ist voll cool hier, alle sind voll gut drauf und das Wetter ist super", schrieb Sarah per Whatsapp an ihre Freunde. Ihr Bruder hat also keinen Quatsch erzählt. Der war nämlich vor zwei Jahren beim Indien-Austausch dabei und schwärmte sehr davon. Dominik entschied sich mitzufahren, nachdem er sich den Vortrag am Gymnasium in Crailsheim angehört hatte.

Schüler aus den Haller Schulzentren Ost und West sowie einem Crailsheimer Gymnasium fuhren mit. Vier Wochen verbrachten sie in der 800000-Einwohnerstadt Gurgaon, angrenzend an Delhi. "Der Verkehr ist das Gefährlichste in Indien", erzählt Dominik. Wobei der Verkehr eigentlich mehr stehe als laufe. Jeder hupt - wenn man abbiegen will, wenn einer im Weg steht, wenn man einfach durch will. Alles ist auf der Straße: Dicke Jeeps, kleine Tuk Tuks, die kaputtesten Rostlauben, und dazwischen spazieren Kühe, Schweine und Hunde. Dominik hätte Erstere lieber gegessen. "Mir hat richtiges Fleisch gefehlt." Kein Rind. Kein Schwein. Stattdessen Reis mit dreierlei Soßen. Alles mild gewürzt. Für die Deutschen.

Die Gastfreundschaft der indischen Familien war für Sarah das Eindrucksvollste. "Immer fragte der Vater mich nach dem Essen, ob ich noch etwas wolle. Immer sagte ich nein, weil ich satt war. Immer gab es noch einen zweiten Teller." War nicht schlimm. Es hat ihr sehr gut geschmeckt. "Sobald man als Besucher irgendwo hinkommt, erscheint jemand mit einem Tablett und reicht etwas zu trinken und zu essen", erzählen sie.

Die indischen Schüler sind stolz auf ihren deutschen Besuch. Vor allem in der Schule haben Sarah und Dominik das gemerkt. Die beiden 15-Jährigen wurden wie Stars behandelt. Immer kamen Schüler zu ihnen und fragten sie aus. Sie wollten alles wissen über Deutschland und wenn ihr eigenes Land gelobt wurde, dann haben sie sich wie verrückt gefreut. In der indischen Schule, die 6000 Schüler hat, will jeder beim Austausch mitmachen. Es gibt ein strenges Bewerbungsverfahren. Die Noten und das Verhalten spielen eine Rolle bei der Auswahl. Die Mitschüler sind stolz auf die zwölf Austauschschüler, die es geschafft haben. "Auf den Fluren kamen immer jüngere Schüler und gaben uns High five", sagt Dominik.

"Die Mädels haben die Blicke von den Indern eingefangen", erzählt er weiter. Die Männer starrten begeistert die blonden und braunhaarigen Frauen an. Viele kamen auf offener Straße und wollten ein Foto mit ihnen machen. "Als wir am Taj Mahal waren, stellten sie sich einfach mit aufs Bild. Und wenn ich mich mit meiner Freundin fotografierten ließ, dann machten sie auch ein Bild", erzählt Sarah, der das zu aufdringlich war. Auch die Bettler waren anstrengend. So viele. Und alle sprachen sie an oder klopften an die Autoscheiben. Die Gasteltern sagten, sie sollen ihnen keine Aufmerksamkeit schenken. Sie regelten das und schickten sie wütend weg.

Sarah und Dominik haben ein weltbekanntes Gebäude gesehen, das Mausoleum Taj Mahal. Sie sind auf Elefanten und Kamelen geritten, die gar nicht mal so unbequem sind. Sie haben geschwitzt bei Temperaturen über 30 Grad und haben sich indische Tücher und weite Hosen gekauft. Sie waren gerührt und haben sich gewundert über die vielen Tränen, die beim Abschied flossen. Sie haben sich jedoch gefreut auf deutsches Essen und reine Luft. Vor allem aber auf ihre Familie und Freunde, um endlich all das Erlebte ohne Skype oder Whatsapp erzählen und tausende Fotos zeigen zu können.

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