Tradition Sankt Martin hoch zwei in Rosengarten

Jugendfeuerwehrmann Dominik Franz als Bettler und Dörte Prillwitz als heiliger Martin beim Fest vor der Feuerwache Rosengarten. Für seine Premiere hat das italienische Gebirgspferd Brando Verstärkung mitgebracht.
Jugendfeuerwehrmann Dominik Franz als Bettler und Dörte Prillwitz als heiliger Martin beim Fest vor der Feuerwache Rosengarten. Für seine Premiere hat das italienische Gebirgspferd Brando Verstärkung mitgebracht. © Foto: Beatrice Schnelle
Rosengarten / Beatrice Schnelle 15.11.2018
Beim Fest zu Ehren des Heiligen Martin vor der Feuerwache Rosengarten gibt es leckeren Glühpunsch, Hefezopf in Massen und der Schutzpatron erscheint gleich doppelt.

Es gibt Dinge, die verändern sich nicht. So stiftet Kirchengemeinderätin Sigrun Kaiser seit mehr als 20 Jahren den Topf voller alkoholfreiem Glühpunsch, der die großen und kleinen Teilnehmer des Rosengartener Sankt-Martin-­Spiels an den kühlen Abenden des 11. November wärmt. Was dagegen in dieser Zeit anders geworden ist, gefällt nicht allen: Seit 2012 die neue Feuerwache eröffnete, findet die Veranstaltung zu Ehren des Heiligen dort auf dem gepflasterten Vorplatz statt und nicht mehr, wie früher, auf der Wiese bei der Kirche St. Peter und Paul. Dies sei authentischer gewesen, wie einige Ortsbewohner meinen. In den 1980er-Jahren wurde der Brauch in Rosengarten vom katholischen Pfarrer Ludwig Beitel und seinem evangelischen Kollegen Wilfried Braun ins Leben gerufen.

Mission erfüllt

Es ist schwierig zu schätzen, wie viele Kinder und Eltern beim diesjährigen Fest versammelt sind, doch es müssen an die 150 Menschen sein. Vom Kindergarten in Uttenhofen und von der Martinskirche in Westheim haben sich zwei lichterfunkelnde Prozessionen gleichzeitig auf den Weg zum Feuerwehrgelände gemacht. Warum die Kinder Laternen tragen, weiß ein kleines Mädchen ganz genau: „Damit der heilige Martin ganz doll geehrt wird.“ Man darf sagen, dass diese Mission erfüllt ist: Die leuchtenden Eulen, Gespenster und anderen fantasievollen Bastelarbeiten hätten dem guten Bischof von Tour, der im vierten Jahrhundert nach Christi Geburt lebte, bestimmt prima gefallen.

Nachdem die Organisatoren im letzten Jahr kein lebendiges Reittier auftreiben konnten und mit einem hölzernen Steckenpferd vorliebnehmen mussten, sind dieses Mal gleich zwei edle Rösser dabei. Dörte Prillwitz aus Uttenhofen, ausstaffiert mit rotem Mantel und goldenem Helm, ist als heiliger Martin mit Brando angetreten. Damit der Bardigiano, für den diese Art von Auftritt eine Premiere darstellt, kein Lampenfieber bekommt, wird er von einem befreundeten Pferd begleitet.

„Bei Feuer, Lärm und Kindern bleibt Brando absolut gechillt“, erklärt seine Besitzern, „aber er wird misstrauisch, wenn er irgendetwas auf dem Boden entdeckt, was da nicht hingehört.“ Dieses Irgendetwas ist in diesem Fall der Bettler in Person von Dominik Franz. Der Jugendfeuerwehrmann sitzt in seinem dünnen T-Shirt fröstelnd auf einer Decke und freut sich auf den halben Mantel. Mit vereinten Kräften klappt die Übergabe schließlich, und außerdem weiß ja niemand, ob das Pferd des Heiligen seinerzeit nicht tatsächlich erst mal ein paar Schritte rückwärts gemacht hat, als es des armen Mannes am Wegesrand gewahr wurde.

Den Glauben teilen

Alle singen dazu aus Leibeskräften „Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind“. Das entspricht zwar nicht der aktuellen Wetterlage, doch bei den Zeilen „Sankt Martin aber ritt in Eil’ / hinweg mit seinem Mantelteil“ passt das haargenau zu dem, was währenddessen auf der Spielfläche geschieht.

„Man kann nicht nur seinen Mantel teilen, sondern auch seinen Glauben“, erklärt Pfarrer Matthias Bilger dem Gemeinde­nachwuchs. Die Feiernden teilen sich außerdem viele Körbe voll leckerer Hefezopf-Schnitten, die backfreudige Familien der Gemeinde wie immer beigesteuert haben.

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