Region Rund um die Uhr verfügbar

Strandkorb statt Stanzmaschine. Nur vereinzelt machen heimische Unternehmen Betriebsurlaub. Sechs Handwerkskammern in Baden-Württemberg setzen Termine für Handwerkerferien, die Betriebe müssen sich aber nicht daran halten. Die Kammer der Region Heilbronn-Franken schließt sich nicht an.
Strandkorb statt Stanzmaschine. Nur vereinzelt machen heimische Unternehmen Betriebsurlaub. Sechs Handwerkskammern in Baden-Württemberg setzen Termine für Handwerkerferien, die Betriebe müssen sich aber nicht daran halten. Die Kammer der Region Heilbronn-Franken schließt sich nicht an. © Foto: Alex Hagmann/Fotolia
JÜRGEN STEGMAIER 30.08.2013
Der Ilshofener Spezialmaschinenbauer Bausch+Ströbel macht im August Betriebsferien. Das scheint eine Ausnahme zu sein. Die meisten Betriebe arbeiten durch, teilweise mit reduzierter Mannschaft.

In den zweiwöchigen Betriebsferien bei Bausch+Ströbel steht aber nicht der ganze Betrieb still. Ein Notdienst ist eingerichtet. Außerdem nutzt die IT-Abteilung die ruhigen Tage dazu, um beispielsweise die Software von Mitarbeitern zu aktualisieren. Auch machen es einzelne Objekte notwendig, dass die Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz sind, um Fristen einzuhalten. Von diesen Ausnahmen abgesehen sind die Beschäftigten aber tatsächlich im Urlaub. Diese Regelung sei mit dem Betriebsrat abgestimmt, so Tanja Bullinger, bei Bausch+Ströbel zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. "Zumindest die Mitarbeiter mit Kindern sind froh, dass sie während der Sommerferien Urlaub bekommen", so die Beobachtung von Tanja Bullinger.

Roland Dürr beschäftigt in seinem Elektro-Installationsbetrieb in Rosengarten sieben Mitarbeiter. Seit rund zehn Jahren gibt es dort keinen Betriebsurlaub mehr. Das hat einen einfachen Grund, erklärt der Inhaber: "Wir haben viele Kunden in der Industrie. Die erwarten, dass wir rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Manchmal sind wir nachts um zwei oder drei Uhr unterwegs." Wer innerhalb weniger Stunden reagieren muss, um bei einem Kunden einen Produktionsausfall zu verhindern oder zu verkürzen, könne es sich freilich nicht leisten, den Betrieb gleich für ein paar Wochen zu schließen.

In den Sommermonaten sind die meisten Flugzeuge in der Luft - für die Neuausstattung am Boden bleibt deshalb kaum Zeit. Das schlägt sich auf die Arbeit des Haller Flugzeugsitzeherstellers Recaro Aircraft Seating nieder. In dieser Zeit werden allenfalls die Neuflugzeuge mit neuen Sitzen ausgestatten, nicht die bestehenden. Dass es in den Sommerwochen etwas weniger zu tun gibt als im Rest des Jahres, komme den Urlaubswünschen vieler Mitarbeiter gerade in dieser Zeit entgegen, so eine Pressesprecherin von Recaro.

Haller Optima setzt auf flexible Lösungen

Der Maler- und Gerüstbaubetrieb Widmann in Hessental kennt keine Betriebsferien. Finanzbuchhalter Walter Frenz weiß aber, dass es Unternehmen gibt, die im Sommer für eine bestimmte Zeit schließen. Das sei dann die Zeit, in der Handwerker wie Widmann - das Unternehmen beschäftigt rund 140 Mitarbeiter - anrücken, um Renovierungsarbeiten vorzunehmen.

Bei der Haller Optima-Gruppe setze man auf flexible Urlaubslösungen, so Pressesprecherin Sabine Gauger. Allerdings empfiehlt das Unternehmen seinen Mitarbeitern, im August zwei Wochen des Jahresurlaubs zu nehmen, denn in diesem Monat sei es im Betrieb eher ruhig.

Das Geschäft von Halls größtem Arbeitgeber, der Schwäbisch Hall-Gruppe, ist weitgehend unabhängig von der Jahreszeit. Verordnete Betriebsferien kennt man bei der Bausparkasse nicht, auch nicht für einzelne Fachbereiche. "Wir gehen davon aus, dass wir für unsere Kunden das ganze Jahr erreichbar sein müssen", gibt Carolin Mauz, Leiterin der Abteilung Presse und Information, zu verstehen. Eine Häufung der Urlaubswünsche stelle man bei der Bausparkasse fest, es sei aber den Teams überlassen, die Anwesenheiten so zu regeln, dass alle Weichen gestellt werden können.

Jochen Wieland, Metzger aus Sulzdorf, lacht, wenn er auf das Thema Betriebsferien zu sprechen kommt. "Das ist ausgeschlossen. Vor 15 Jahren gab es das bei uns das letzte Mal." Die Rendite bei Metzgereibetrieben sei fast null. Eine dreiwöchige Sommerpause würde einen Umsatzverlust von 70000 Euro bedeuten. "In dieser Zeit buchen die Stadtwerke dennoch die Stromkosten ab und die Mitarbeiter bekommen ihren Lohn. Eine solche Pause ist nicht mehr rauszuwirtschaften", so Jochen Wieland.