Versorgung  Bundeswehr-Hubschrauber fliegt Diak an

Die Haller Delegation mit Bundeswehrangehörigen auf dem Flugfeld in Niederstetten. Sechs Anästhesisten und zwei Mitarbeiter der Leitstelle Schwäbisch Hall haben sich auf dem Gelände des Transporthubschrauberregiments 30 über SAR-Hubschrauber informiert.
Die Haller Delegation mit Bundeswehrangehörigen auf dem Flugfeld in Niederstetten. Sechs Anästhesisten und zwei Mitarbeiter der Leitstelle Schwäbisch Hall haben sich auf dem Gelände des Transporthubschrauberregiments 30 über SAR-Hubschrauber informiert. © Foto: Privatfoto
Schwäbisch Hall / noa 11.11.2017
Notfallmediziner des Diakonischen Klinikums haben sich bei der Bundeswehr über SAR-Helikopter informiert. Diese fliegen seit Anfang des Jahres auch regelmäßig Hall an.

Es mag aufmerksamen Beobachtern vielleicht schon aufgefallen sein, dass seit Anfang dieses Jahres hin und wieder ein Bundeswehr-Rettungshubschrauber in Tarnbemalung und mit orangefarbenen Seitentüren auf dem Landeplatz des Diakonie-Klinikums Schwäbisch Hall gelandet ist. Die drei großen blauen Buchstaben SAR auf den Seitentüren stehen für „Search and Rescue“. Die Maschine vom Typ Bell UH-1D war bis 2016 beim Lufttransportgeschwader 61 (LTG 61) am Fliegerhorst Penzing bei Landsberg am Lech als SAR 58 stationiert. Ende 2016 wurde der Hubschrauber zusammen mit dem ebenfalls in Landsberg stationierten SAR 56 zum Transporthubschrauberregiment 30 nach Niederstetten verlegt und in SAR 63 beziehungsweise 64 umbenannt – SAR 64 bezeichnet einen Hubschrauber, der auch für Such- und Rettungseinsätze im Hochgebirge ausgestattet ist.

Helikopter kennenlernen

Um das SAR-Team Niederstetten auch einmal außerhalb eines Einsatzes kennenzulernen, initiierte Diak-Oberarzt Dr. Nils Wagner, der als Flottillenarzt regelmäßig mit der Deutschen Marine zusammenarbeitet, am 20. Oktober den Besuch einer Delegation von sechs Haller Anästhesisten am SAR-Standort Niederstetten. Von einem Verbindungsoffizier erhielten die Intensivmediziner eine interessante Einführung über den SAR-Dienst der Bundeswehr. Im zweiten Teil des Besuchs bestand die Möglichkeit, die Besatzungen sowie Helikopter und medizinisches Gerät näher kennenzulernen. Das SAR-Team Niederstetten und die Schwäbisch Haller Notfallmediziner freuen sich über die bislang gute gemeinsame Zusammenarbeit.

Im Auftrag des Bundesministers für Verkehr hat die Bundeswehr bereits in den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts einen nationalen Such- und Rettungsdienst für Luftfahrzeuge eingerichtet. Hauptaufgabe der SAR-Hubschrauber der Bundeswehr ist, „in Not befindliche Luftfahrzeuge zu suchen, deren Insassen zu retten und – im Rahmen der Möglichkeiten – Post und Fracht zu bergen“. So steht es in den internationalen Vereinbarungen. Luftnotfälle von Flugzeugen und anderen Luftfahrzeugen wie Segelfliegern oder Ballonfahrern sind in Deutschland tatsächlich relativ selten. Deshalb stehen die SAR-Hubschrauber auch zur Verfügung, wenn schnelle Hilfe geboten ist. Sie werden unterstützend bei Verkehrsunfällen und anderen medizinischen Notfällen alarmiert und bilden einen wichtigen Bestandteil der zivilen Rettungsorganisation für die Bevölkerung. Immer dann, wenn kein anderes ziviles Rettungsmittel zur Verfügung steht.

Neben den beiden Hubschraubern in Niederstetten hält die Bundeswehr für das gesamte Bundesgebiet noch fünf weitere SAR-Helikopterstationen vor: In Nörvenich bei Köln, in Holzdorf, Landkreis Wittenberg, sowie für Nord- und Ostsee beziehungsweise die Bundesländer Schleswig-Holstein und Hamburg die SAR-Stationen Warnemünde und Helgoland. Die medizinische Ausrüstung eines SAR-Hubschraubers ist gleichzusetzen mit der eines zivilen Rettungshubschraubers. Zusätzlich verfügt der SAR-Hubschrauber noch über eine Winde und hat auch die Möglichkeit, Außenlasten zu transportieren. Die Besatzung besteht aus zwei Piloten sowie einem Luftrettungsmeister, also einem Rettungsassistenten oder Notfallsanitäter. Bei Einsätzen im Rahmen der dringenden Nothilfe kann zusätzlich noch ein Notarzt aufgenommen werden.

Auch Einsätze in der Nacht

Die SAR-Helikopter sind durchgehend 24 Stunden, sieben Tage die Woche und das ganze Jahr über einsatzbereit. Das bedeutet, auch Einsätze in der Nacht sind möglich, was in der zivilen Luftrettung eher die Ausnahme ist. Für die Menschen in der Region bedeutet die neue Stationierung in Niederstetten eine deutliche Verbesserung der Versorgungsqualität im Notfall. Zum einen, weil durch ein zusätzliches Luftrettungsmittel die Hilfsfristen bei der Rettung von Schwerverletzten verbessert werden können. Zum anderen, weil sich Engpässe von nächtlichen Notfall-Verlegungen verringern lassen. Gerade beim Verdacht auf Schlaganfall ist schnelles Handeln gefragt. Nach Diagnosestellung eines schweren Schlaganfalls ist eine Behandlung in einer Klinik der Maximalversorgung wichtig. Solch ein Zentrum befindet sich beispielsweise in Stuttgart. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der zu erwartenden Steigerung der Hauptrisikofaktoren für das Auftreten eines Schlaganfalls – Adipositas und damit Typ-II-Diabetes – wird mittelfristig mit einer deutlichen Zunahme von Schlaganfallpatienten zu rechnen sein. Seit der Stationierung von SAR 63 und 64 in Niederstetten haben Notfallmediziner der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin des Diakonie-Klinikums schon regelmäßig Notfall-Patienten auf dem Flug betreut.

Info Autorin Madeleine Schütz ist Öffentlichkeitsarbeiterin für das Diak.

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