Schwäbisch Hall Hundeführerschein: Rücksicht ist Pflicht

Sandra Dreher mit ihren drei Hunden Parson, Jack Russel Juno und Mischlingshündin Mia aus dem Tierschutz.
Sandra Dreher mit ihren drei Hunden Parson, Jack Russel Juno und Mischlingshündin Mia aus dem Tierschutz. © Foto: Sigrid Bauer
Schwäbisch Hall / Sigrid Bauer 13.08.2018
Hund jagt hinter Jogger her, Hund springt an Kind hoch – das kommt mit Recht schlecht an. Wer den Hundeführerschein besteht, zeigt damit, dass er seinen Hund im Alltag sicher unter Kontrolle hat.

Bei meinen Kunden versuche ich, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, sich mit ihrem Hund  gegenüber anderen Menschen, egal ob mit oder ohne Hund, rücksichtsvoll zu verhalten. Das muss der Hund aber erst lernen“, sagt Sandra Dreher, die seit 2014 eine Hundeschule mit Trainingsgelände in Veinau betreibt. Beim Hundeführerschein geht es genau darum. Gleichzeitig schult er den Menschen, das Lebewesen Hund kennen-  und verstehen zu lernen. „Bei aller Rücksichtnahme ist ja auch wichtig, dass es unseren Hunden dabei gut geht“, betont Sandra Dreher.

Eine Art Sachkundenachweis

Der Hundeführerschein wird in einigen Bundesländern als Sachkundenachweis für Hundehalter anerkannt  und dokumentiert, dass der Halter seinen Hund im Alltag sicher unter Kontrolle hat und weder andere Menschen noch Hunde gefährdet. „Wir üben oft in Hall im Kocherquartier. Da gibt es viel Ablenkung für die Hunde, was es für sie schwieriger macht. Deshalb sollten die Hunde schon einen Grundgehorsam haben, bevor sie mit ihrem Herrchen oder Frauchen den Hundeführerschein erwerben wollen“, erklärt die Hunde- und Menschentrainerin. Ziel ist, dass sich der Hund in fremder Umgebung entspannt und unaufdringlich  verhält.

„Mancher Hundehalter geht schwierigen Situationen gern aus dem Weg und lässt den Hund zu Hause, wenn zum Beispiel ein Restaurant- oder Stadtbesuch ansteht“, hat sie bemerkt. In der Gruppe solche Situationen zu üben mache dagegen Spaß. Sie hat beobachtet, dass selbst Hunde, die anfangs in der Haller Innenstadt scheu und ängstlich waren, nach zwei-, dreimal deutlich routinierter und entspannter werden. „Und der Hundehalter natürlich auch. Das bedingt sich gegenseitig. Der Hund spürt, wie sich sein Mensch fühlt“, weiß sie. Sie üben beispielsweise, dass der Hund neben seinem Frauchen sitzenbleibt oder entspannt an lockerer Leine läuft, während Fußgänger, Radfahrer, Jogger oder Personen mit einem angeleinten Hund vorbeikommen. Auch gegenüber einem Nordic-Walker mit Stöcken, jemandem mit Rollator oder auffälliger Kleidung soll der Hund ruhig und zurückhaltend sein.

„Wir treffen uns immer am Samstagvormittag in Hall. Öfter kommt es vor, dass wir von Passanten angesprochen werden. Sie sagen, sie fänden es gut, dass wir hier mitten in der Stadt üben“, freut sich Sandra Dreher.  „Unter der Woche üben die Leute viel mit ihren Hunden. Die Gruppe  motiviert sie sehr“, berichtet sie.

Manche Übungen finden in ruhigerer Umgebung statt, zum Beispiel der Rückruf – besonders wichtig, wenn die Hunde frei herumlaufen dürfen. Dabei soll der Hund aus mindestens zehn Meter Entfernung auf Ruf kommen. Eine andere Übung ist das Handling. Hier zeigt der Hundebesitzer, dass sich sein Hund problemlos von ihm Zähne, Ohren und Pfoten kontrollieren lässt. Auch einen Maulkorb zu tragen, sollte für den Hund kein Stress bedeuten. „Das kann immer mal nötig sein, zum Beispiel im Ausland“, erklärt die Hundetrainerin.

Der Hundeführerschein wird in drei Stufen angeboten mit steigenden Schwierigkeiten im praktischen Teil. Zum Beispiel gehört ab Stufe zwei ein Cafébesuch und eine Fahrstuhlfahrt mit fremden Personen dazu. „Das üben wir jetzt schon, auch wenn wir uns erst einmal die Prüfung in der Stufe eins vorgenommen haben“, so Sandra Dreher. Das Erlernte sollten Hund und Herrchen möglichst auch nach der Prüfung immer wieder üben, rät die Hundeexpertin.

Im  theoretischen Prüfungsteil werden Fragen zur Hundehaltung und -gesundheit gestellt, außerdem zu Rechtsvorschriften im Umgang mit Hunden, zur Erziehung und Ausbildung, zum Sozialverhalten und rassespezifischen Eigenheiten von Hunden.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel