Seitenblicke Ross und Reiter nennen

Jochen Korte über zurückhaltende Diplomatie, Mitsprache und den Bauboom
Jochen Korte über zurückhaltende Diplomatie, Mitsprache und den Bauboom © Foto: Vorname Nachname
Landkreis / Jochen Korte 13.10.2018

Etwas mehr Biss hätte der Vortrag von Annette Schavan in der Haller Bausparkasse schon vertragen. Sie hat dort am Dienstag über Europa gesprochen und das ihrer Meinung nach über kurz oder lang zusammenbrechende „Bündnis der Egoisten“ gegeißelt. Nun war die ehemalige Bundesbildungsministerin nie als Scharfmacherin bekannt. Doch bei der an den Tag gelegten diplomatischen Zurückhaltung kam es dem geneigten Zuhörer so vor, als sei die 63-Jährige noch immer als Diplomatin beim Heiligen Stuhl im Vatikan aktiv und nicht schon im Ruhestand. Wer steckt hinter dem „Bündnis der Egoisten“? Da müssen Ross und Reiter genannt werden. Warum nicht Orban, AfD und Co. offen anklagen? Und Schavans verklärender Blick auf Papst Johannes Paul II. und den Katholizismus lässt leicht übersehen, dass heute in Polen eine Regierung am Ruder steht, die sich um demokratische Grundsätze wie die Unabhängigkeit der Justiz einen Teufel schert. Zu Wahrheit und Klarheit gehört es, die Delinquenten offen zu benennen. Wenn Schavan den zehnjährlichen Rhythmus ihrer Bausparkassen-Visiten nach 1998, 2008 und 2018 einhält, könnte sie 2028 deutlicher werden.

Warum tut sich das Straßenverkehrsamt nur so schwer damit, die Wünsche der Kommunen nach Geschwindigkeitsbegrenzungen zu erfüllen? Bei fast jeder Verkehrsschau fordern die Gemeinderäte, auf ihnen gefährlich erscheinenden Strecken das Tempo zu drosseln. So, wie es Michelfelder Gemeinderäte für Forsthaus wollen. Oder wie es der Mainhardter Rat durchgängig in der Ortsdurchfahrt Hütten wünscht. Oft heißt die Begründung, dass die Unfallursache nicht zu hohe Geschwindigkeit sei. Im Umkehrschluss ließe sich daraus schließen, dass erst ein gravierender Unfall geschehen muss, ehe Tempolimits angeordnet werden. Auch im Landratsamt könnte mal die Erkenntnis einziehen, dass der fließende Verkehr nicht immer Vorrang haben muss. Auch wenn die gesetzlichen Vorgaben andere sein mögen. Die Gemeinderäte müssen als Experten vor Ort mehr Mitspracherecht bekommen.

Es wird gebaut, was das Zeug hält. Bundes-, Landes- und Kreisstraßen werden in vielen Gemeinden saniert. Ab dem Autobahnkreuz Feuchtwangen-Crailsheim in Richtung Norden scheint auf der A 7 fast jede Brücke ersetzt zu werden. Das jahrelange Zusammenstreichen bei den Unterhaltungsmaßnahmen hat ein Ende. Gut so. Der Schatten des Booms: Die Kosten  steigen und steigen. Mäßig, aber regelmäßig, das wäre auch beim Erhaltungsbau die sinnvollere Alternative.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel