Das geht mir jetzt doch etwas nahe“, sagt Rolf Wellinger, als er in der Fahrzeughalle des städtischen Betriebshofs ans Rednerpult tritt. Seine Mitarbeiter haben mit Kübelpflanzen, Stellwänden, weißen Papiertischdecken auf den Biertischgarnitur-Tafeln und Blumenschmuck in Orange – der Werkhof-Farbe schlechthin – aus der großen Garage einen Wohlfühl-Festsaal gemacht. Dazu kommt die feierliche Musik der Geschwister Jona Aaron und Tamineh Steinmeyer aus Rosengarten mit Gitarre und Querflöte. Dass er den Abschied ausnahmsweise nicht im Ratssaal am Marktplatz, sondern mit seinen Leuten im Betriebshof feiern kann, ist Wellinger wichtig: „Hier ist meine berufliche Heimat.“

Schwieriges gemeistert

Und doch sei dieser Moment des Abschieds nun „eine Situation, die ich nicht trainieren konnte“. Vor Wellinger sitzen nicht nur viele seiner Mitarbeiter, sondern auch Kollegen aus der Verwaltung, Amtsleiter, Gemeinderäte – und natürlich seine Familie. Immerhin steht der Bibersfelder seit 35 Jahren in Diensten der Stadt. Er sei ein „Urgestein der städtischen Mitarbeiter“, würdigt Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim den scheidenden Leiter der Stadtbetriebe. Nach dem Einbruch der Gewerbesteuereinnahmen wurden die jeweiligen Bauhöfe des Hoch- und Tiefbaus sowie der Bautrupp Wackershofen und weitere Abteilungen zusammengeführt. Wellinger habe sich dieser schwierigen Aufgabe gestellt – und sie mit „großer Bravour“ gemeistert.

Stadt Schwäbisch Hall Abschied Rolf Wellinger verabschiedet sich

Überhaupt lobt der OB die Leistung der Stadtbetriebe-Mitarbeiter: „Sie sind ein Aushängeschild der Stadt.“ Dass Besucher Hall als schön erleben, „das ist auch die Arbeit des Werkhofs“.

OB Pelgrim würdigt Wellingers nimmermüden Einsatz und großes Verantwortungsbewusstsein. Freilich, dass man zuweilen unterschiedlicher Meinung war, verschweigt der Rathauschef auch nicht. Dennoch habe Wellinger „einen tollen Job gemacht“, sagt Pelgrim voll dankbarer Anerkennung. Bürgermeister Peter Klink betont die kollegiale, faire und freundschaftliche Zusammenarbeit mit dem Stadtbetriebe-Leiter – und vor allem dessen humorvolle Art. Die habe nämlich geholfen, auch die eine oder andere spannungsvolle Situation aufzulösen. Allerdings kennt Rainer Wunderlich, Fachbereichsleiter der Hauptverwaltung, auch andere Seiten des 64-Jährigen: „Ein Dickschädel warst du manchmal schon“, frotzelt er augenzwinkernd. Wellinger widerspricht nicht – er kann sich halt auch mal richtig aufregen. Aber Wunderlich schätzt den Gerechtigkeitssinn und die Verlässlichkeit des Kollegen sowie dessen Witz und Schlagfertgkeit.

Stellvertretend für die Mitarbeiter verabschieden Frank Kollmar und Martin Brözel ihren „Chef im Stall“ mit humorvoll gedichteten Zeilen. Als Dank schicken sie ihn zum Wandern ins Allgäu. Gute Wünsche für den Ruhestand gibt’s auch von Wellingers früherem Realschullehrer: Kristan Neidhardt, bis vor Kurzem FDP-Stadtrat.

Wellinger blickt dankbar auf seine 35 Jahre bei der Stadt Hall zurück. Dabei hatte seine „erste große Aktion“ so gar nicht nach einer Karriere ausgesehen, plaudert er aus seinem reichhaltigen Anekdoten-Nähkästchen: Er hatte gerade 1984 als junger Gärtner angefangen und wurde mit einem Piaggio-Dreirad-Wagen in die Ackeranlagen geschickt, um Sträucher zurückzuschneiden. Als er zum abgestellten Fahrzeug zurückkam, war es weg – trotz eingelegtem Gang und angezogener Bremse war das klapprige Gefährt geradewegs in den Kocher gerollt. Das brachte ihm einen „gewaltigen Anschiss“ ein – „aber es wurde besser“, meint Wellinger trocken.

Auf seinen Laden ist er ehrlich stolz: „Wir sind ein gutes und starkes Team“, sagt er und appelliert an den Gemeinerat, mehr Mittel für die Stadtbetriebe einzuplanen, denn Hall wächst und damit auch die Aufgaben.

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Rolf Wellinger wird im November 1954 in Hall geboren. Er besucht die Realschule, dann das Wirtschaftsgymnasium, macht Abitur und leistet seinen Wehrdienst ab. Danach studiert er zunächst Betriebswirtschaft in Tübingen, entscheidet sich dann aber für eine Gärtner-Lehre. Er arbeitet bei der Gärtnerei Hamm in Eschental. 1984 wechselt er zur Stadt Hall – zunächst als Aushilfskraft bei den Parkierungsanlagen.

Nach wenigen Monaten arbeitet er in der Stadtgärtnerei und ist ein Jahr später Vorarbeiter, 1986 macht er seinen Meister. Wellinger erlebt zahlreiche Entwicklungen, arbeitet sich hoch und übernimmt nach dem Gewerbesteuer­einbruch dann im Jahr 2002 die Leitung des neu geschaffenen Werkhofs, zu dem viele Aufgaben gehören. Die drei eigenständigen Eigenbetriebe Werkhof, Friedhöfe und Abwasser werden seit Frühjahr 2014 unter dem Dach der Stadtbetriebe (mit aktuell rund 110 Mitarbeitern) zusammengefasst, dessen Leitung Wellinger hat. Am 1. August beginnt seine passive Phase der Altersteilzeit.

Mit seiner Frau Renate lebt Wellinger in Bibersfeld. Das Paar hat zwei erwachsene Söhne. Und mittlerweile gehört auch Enkeltöchterchen Lina zur Familie. In der Freizeit ist Rolf Wellinger sportlich: joggen, Rad fahren, Ski fahren. Außerdem liest er gerne und genießt es, auch im Sommer in den Bergen unterwegs zu sein.

Zum 1. September wird Michael Schweizer die Nachfolge von Rolf Wellinger antreten, teilt die Haller Stadtverwaltung mit. Schweizer ist derzeit bei der Stadt Neuenstein mit Tief- und Straßenbau sowie der Leitung des Stadtbauhofs betraut. blo