Schwäbisch Hall Rockmusik für Softies

MONIKA EVERLING 10.12.2015
Das Verbotene lockt besonders. Für Günter Schneidewind, der in der DDR aufwuchs, war es die Rockmusik im West-Radio. Davon berichtet er etwa 300 Zuhörern in Hall. Sascha Bendiks und Simon Höness musizieren.

"Uns kommt es vor, als würden der zweite Advent und der Nikolaustag zusammenfallen, dass wir in Schwäbisch Hall spielen dürfen", flachst Günter Schneidewind am Sonntagabend im Haller Neubau-Saal. Er bietet zweieinhalb Stunden lang Infotainment zum Thema Rockmusik: Damals in der DDR gab es ja keine Musikzeitschriften. Deshalb musste er sich als Jugendlicher alles merken, was er im Radio über seine geliebte Rockmusik, die Musiker und die Bands gehört hat. Dadurch sammelte sich so viel Wissen an, dass ein Kollege ihn in Anlehnung an den Großen Brockhaus "Der Große Schneidewind" genannt hat. Diese Bezeichnung wurde zur Marke.

Rockkonzerte habe es in der DDR auch nicht gegeben. Da hat Schneidewind viel an Erlebnissen nachgeholt, als er später in der BRD Gelegenheit dazu hatte - und dabei viele Musiker getroffen. Er kann eine Menge Anekdoten erzählen: Wie er als junger SWR-Mitarbeiter eine Live-Sendung mit David Bowie übernehmen sollte, die schon in 20 Minuten beginnen sollte, wie Ian Gillan, der Sänger von Deep Purple, in einer Live-Sendung sagte: "Wir haben uns doch schon auf dem Klo getroffen" und wie Schneidewind unbemerkt einen Ehekrach zwischen Paul McCartney und Heather Mills aufnahm. Er lässt das Band im Neubau-Saal abspielen: "Get back to the dishes!" (Geh' spülen!), schreit McCartney seine Frau an.

Zwischen diesen Geschichten gibt es "echte" Musik. Die Musikkabarettisten Sascha Bendiks (Gesang, Akkordeon, Mundharmonika) und Simon Höness (Klavier, Gesang) bieten Auszüge aus ihrem Programm "In Teufels Küche. Hardrock-Variationen in es-moll". Sascha Bendiks hat angesichts der etwa 300 Zuhörer, die meist mittleren bis höheren Alters sind und gutsituiert wirken, am Anfang des Abends festgestellt: "Ihr seht nicht alle so aus, als ob ihr zu unserer Zielgruppe gehört." Da ist es ja gut, dass das Duo die Hardrock-Titel ohnehin nicht in der Originalversion aufführt, sondern teilweise so weichgespült, dass man sie kaum noch erkennt. Das wirkt witzig, wenn etwa "Hells Bells" von AC/DC als Schlaflied gespielt wird. Bendiks und Höness sind tolle Musiker, sie tragen sehr viel dazu bei, dass der Abend unterhaltsam ist.