Eine letzte noch benötigte schriftliche Erklärung der Bürgerenergie Braunsbach zur beantragten Nacht- und Winterbetriebsgenehmigung für das seit März 2017 stillstehende Windrad Orlach 6 ist unterwegs zum Landratsamt. Wenn es der Behörde vorliegt, kann der Antrag auf Betriebsänderung geprüft werden. Ob und wann es zu einer Genehmigung kommt, ist derweil offen. Falls die Windkraftanlage dann wieder Energie erzeugen darf – nur in Zeiten, in denen keine Rotmilane unterwegs sind – kann der Windpark so näher an die ursprünglich geplanten rund 29 Millionen Kilowattstunden herankommen.

Das stillstehende Rad hat schon einen negativen Einfluss auf die Bilanz des Parks. Für das vergangene Jahr kommt man zwar auf 24,899 Millionen Kilowattstunden und damit auf rund 86 Prozent der geplanten Leistung. Aber hier sind auch die 1,705 Millionen Kilowattstunden eingerechnet, die Orlach 6 bis März 2017 produziert hat. „Wir sind nicht da, wo wir hin wollten“, sagte Harald Endreß, Geschäftsführer der Bürgerenergie Braunsbach und der ZEAG Erneuerbare Energien GmbH, im Braunsbacher Gemeinderat zum Abschlussbericht 2017 für den Windpark.

20 Prozent Verlust

Die Anlagen Zottishofen 1 bis 4 laufen laut Endreß gut. Doch für das Windjahr 2018 sehe es ohne die fünfte Anlage schlecht aus. „Wir haben 20 Prozent Einnahmeverlust“, stellt er fest. Pro Tag fehlten rund 1500 Euro Erträge. Außerdem sei das laufende Jahr vom Windaufkommen her nicht so gut. Die so zu erwartenden Mindereinnahmen führen dazu, das sich auch die geplante Gründung einer Bürgergenossenschaft für den Windpark verzögert. „Das kann man nur machen, wenn keine Verluste zu erwarten sind“, so Endreß.

Die für die Umweltverträglichkeitsprüfung für einen erneuten  Vollbetrieb von Orlach 6 benötigten artenschutzrechtlichen Gutachten sind mittlerweile abgeschlossen, teilt Endreß auf Nachfrage mit. Man sei dabei, alles aufzuarbeiten. Ziel sei es, alles bis Ende des Jahres, spätestens im Januar, beim Landratsamt einzureichen. Dieses müsse dann prüfen, ob alles korrekt ist, man den Gutachten Glauben schenke, oder ob weitere Untersuchungen nötig seien. „Und das kann dauern“, so Endreß.

Rotmilane nur 2016

Er verweist auf zahlreiche Änderungen im Zusammenhang mit der Genehmigung von Windkraftanlagen, die in den vergangenen Jahren vorgenommen worden seien. „Wir haben untersucht, ob es ein Tötungsrisiko für Tiere besteht, die gar nicht da sind“, stellt er fest. In den Jahren 2012, 13, 14 und 15 seien im Liethenholz, dem zur Anlage Orlach 6 benachbarten Waldstück, keine Rotmilane festgestellt worden. Nur 2016 sei ein Paar beobachtet worden, bei dem aber unklar sei, ob es gebrütet habe. In jenem Jahr habe man nicht mehr beobachten müssen, da die Baugenehmigung vorgelegen habe. Nach dem Unwetter vom 29. Mai 2016 seien die Greifvögel nicht mehr im Horst gewesen. „Dass das Verschwinden der Tiere mit dem Bau der Anlage zusammenhängt, stimmt nachweislich nicht“, sagt der Geschäftsführer. Ihn und Braunsbachs Bürgermeister Frank Harsch verwundert vor allem, dass der Standort der Anlage 2011 von Umweltverbänden vorgeschlagen worden sei, die dann gegen den Betrieb gerichtlich vorgegangen seien. „Hier geht es nicht mehr um die Tiere“, vermutet der Schultes. Das Ganze sei nicht mehr nachvollziehbar.

Erneute Prüfung abwarten

„Was passiert, wenn der Vollbetrieb in fünf Jahren immer noch nicht genehmigt ist?“, fragte Gemeinderat Rolf Abel in der Sitzung am vergangenen Mittwoch. Dazu konnte Endreß nur mit den Achseln zucken. „Bis dahin ist die Bürgerenergiegesellschaft schon mehrfach pleite gegangen“, merkte Gemeinderat Stephan Papenfort an. In die Glaskugel will man beim Landratsamt nicht schauen. Ob ein dauerhafter Betrieb möglich ist, werde die Umweltverträglichkeitsprüfung zeigen, stellt Steffen Baumgartner, Leiter der Kommunalaufsicht, fest.