Schwäbisch Hall Ringen um das, was wahr ist

ELISABETH SCHWEIKERT 22.11.2013
Christian Horn (71), in Schwäbisch Hall als früherer Pfarrer der Kreuzäckerkirche und engagierter Gemeinderat bekannt, kandidiert für die Landessynode. Er tritt für den Gesprächskreis "Offene Kirche" an.

Sein Ruf als streitbarer Pfarrer, der sich für soziale Belange einsetzt und dogmatische Sichtweisen zerpflückt, war in Schwäbisch Hall noch präsent, als Christian Horn 2004 von Heilbronn zurück kehrte, um hier im Alter zu leben. Wie bereits 2007 kandidieren Horn und Edith Klug auch diesmal für die "Offene Kirche", um Menschen anzusprechen, die der Landeskirche fern stehen. Die Ergebnisse der damaligen Wahl zeigen, dass die Positionen der "Offenen Kirche" vor allem Menschen in den Städten ansprechen.

Christian Horn tritt erfrischend direkt und humorvoll auf, erzählt und diskutiert lebendig und mit einem großen Wissen. Sein Stand in der Kirche sei von zweierlei geprägt, schildert Horn: Einerseits vom persönlichen Ringen um das, was wahr ist. "Kann man heute mit gutem Gewissen das Glaubensbekenntnis sprechen", fragt er, "kann man an die Jungfrauengeburt glauben, an die Auferstehung - die leibhaftige noch dazu?"

Die Fragen des Glaubens "lassen mich bis heute nicht los". Anstelle des Nachbetens von dogmatischen Glaubenssätzen setzt er die Reflektion über den Glauben, das nimmermüde Überdenken der überlieferten Worte mit der Frage "Was meint das im Kern, wie lässt sich das heute sagen?". Menschen, die sagen "Wer Jesus hat, hat das Leben" schrecken ihn ab. "Glaube darf nie zu einer Art Besitz werden." Diese Haltung in die Synode zu tragen, ist der eine Bereich, für den Christian Horn einsteht.

Der zweite Bereich umfasst das Wirken der Kirche in der Gesellschaft: Kirche hat sich einzumischen, fordert der frühere Sozialpfarrer, muss was sagen zu Leiharbeit und Zeitverträgen, zu prekären Arbeitsbedingungen. Kirche soll sich einmischen in die Diskussion über die Asylpolitik in Deutschland und der EU. Als Pfarrer in Heilbronn hatte Horn auch die dortige Diakoniestation geleitet, berichtet er, und gemerkt, wie sehr das diakonische Profil entkernt wird, "weil wir uns an das Wirtschaftssystem gekoppelt haben".

Betriebswirtschaftliches Denken präge die Diakonie und die pflegerische Arbeit: "Das System ist menschenunwürdig." Er beklagt, dass die Kirche ihren Einfluss nicht geltend mache. Das betreffe auch das Haller Diakonie-Krankenhaus. "Es kann nicht sein, dass die Kirche die niedrigen Lohngruppen outsourct. Ihr Ruf ist angekratzt durch Lohndumping. Zu dienen, indem man andere ausbeutet, funktioniert nicht. Da muss eine Veränderung kommen, will die Kirche nicht ihre Glaubwürdigkeit verlieren."

Zum Wirken in die Gesellschaft gehört für Horn die Stärkung des Dialogs mit Juden und Muslimen. Die konservativen Gesprächskreise wie "Evangelium und Kirche" sowie "Lebendige Gemeinde" hätten die Sonderpfarrstellen in diesem Bereich ebenso gekürzt wie die wenigen Stellen im Amt für Weltanschauungsfragen (hier geht es um die Auseinandersetzung mit Sekten) oder in der evangelischen Akademie in Bad Boll (dort werden Tagungen zu Fragen in Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Theologie gestaltet). "Kirche lebt vom Dialog - innerhalb der eigenen Kirche, interreligiös und interkulturell. Sonst sind wir auf dem Weg in die Sektiererei." Projekten wie "Jesus-House" oder "City-Church" steht Horn kritisch gegenüber: Mit den englischen Begriffen werde eine Scheinmoderne vorgegaukelt, tatsächlich sei die Bewegung rückwärts gewandt.

Zur Person vom 22. November 2013