Mittelalterliche Malerei Richtige Typen mit Charakter

Michael Eissenhauer, Beate Elsen-Schwedler, Sylvia Weber und Peter Klaus Schuster (von links) bewundern den Pfullendorfer Altar.
Michael Eissenhauer, Beate Elsen-Schwedler, Sylvia Weber und Peter Klaus Schuster (von links) bewundern den Pfullendorfer Altar. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Maya Peters 07.12.2017
Erstmals seit 1901 wiedervereint: In der Haller Johanniterkirche ist bis April der Pfullendorfer Altar zu sehen. Der Name des Malers unbekannt.

Das sieht attraktiv und fast schon monumental aus“, kommentiert Peter Klaus Schuster, Generaldirektor emeritus der Staatlichen Museen zu Berlin die spätmittelalterlichen Meisterwerke der neuen Ausstellung in der Johanniterkirche. Von den ursprünglich zwölf Andachtsbildern des um 1500 von einem namentlich nicht bekannten Künstler gemalten Flügelaltars der Pfullendorfer Pfarrkirche sind die erhaltenen acht nach mehr als 100 Jahren wieder vereint ausgestellt.

Dass sie unterschiedlicher Sammlungsherkunft sind, sieht man allein an den Rahmungen. „Weil wir aktiv an der Landesausstellung zum Meister von Meßkirch teilnehmen, haben wir von der Staatsgalerie Stuttgart Gegenleihgaben bekommen“, erläutert Sylvia Weber den Schulterschluss zwischen dem staatlichen Museum und der privaten Kunstsammlung Würth.

Die Leiterin der Kunsthalle ist in Begleitung von Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, Peter Klaus Schuster sowie ihrer Stellvertreterin Beate Elsen-Schwedler. In der Johanniterkirche zeigen sie den Beiräten den Pfullendorfer Altar.

„Vermutlich wurde er im Zuge der Barockisierung aufgelöst und zerlegt“, erläutert Elsen-Schwedler. Lange galt er als verschollen, bis er um 1848 in die Fürstlichen Hohenzollerschen Sammlungen auf Schloss Sigmaringen kam. „1901 konnte man zuletzt alle Tafeln zusammen sehen“, setzt sie hinzu. Danach seien die Fragmente sukzessive verkauft worden. Heute befinden sie sich im Eigentum der Staatsgalerie Stuttgart und des Städel-Museums in Frankfurt am Main.

Die Bilder thematisieren wichtige Episoden aus dem Leben der Gottesmutter und sind so auch Ausdruck der Marienverehrung um 1500. Die acht Szenen sind von leuchtender Farbigkeit und mit so akkuratem Pinselstrich gemalt, dass dieser jedes Detail bis zum Faltenwurf gekonnt hervorhebt. „Da die Evangelien das Leben Marias kaum beleuchten, stützten sich Künstler gern auf nicht in den Bibelkanon eingegangene Quellen“, so Elsen-Schwedler. Deren Wahrheitsgehalt sollten die acht flankierenden Prophetendarstellungen (auch Leihgaben der Staatsgalerie Stuttgart) untermauern.

Ein Grünton der Mischtechnik auf Tannenholz ist besonders markant. Auch wegen seiner Farbigkeit setzt man den „Meister des Pfullendorfer Altars“ mit der Werkstatt von Bartholomäus Zeitblom (1455 bis 1518) in Verbindung. Damit sich die Ausstellungsbesucher eigene Gedanken dazu machen können, wurden gegenüber dem Altarkabinett zwei gesicherte Zeitblom-Tafeln aus der Sammlung Würth gehängt. „Die Coloration ist fast gleich“, ist Eissenhauer verblüfft. „Die sind unglaublich modern in Gestik und Mimik“, begeistert sich Elsen-Schwedler für die Figuren. Die Propheten mit unterschiedlichen Ansichten und Kopfbedeckungen seien „richtige Typen“, meint Sylvia Weber.

„Es bedeutet Anerkennung und Respekt für Ihre Arbeit, dass Sie aus Frankfurt und Stuttgart diese Leihgaben bekommen haben“, unterstreicht Michael Eissenhauer. Mit dem „Ritterschlag“ werde das Engagement von Würth für die Kunst- und Kulturgeschichte gewürdigt. „Allein die Rückführung des Pfullendorfer Altars in eine Museumskirchemacht die Ausstellung besonders“, schließt Peter Klaus Schuster. Der Raum passe perfekt und sei einzigartig in der Museumslandschaft.

Info Der Pfullendorfer Altar in der Johanniterkirche Schwäbisch Hall ist bis zum 8. April immer dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr zu besichtigen. An der Kasse ist die ursprüngliche Komposition als Schwarz-Weiß-Montage hinterlegt.