Bau Richtfest bei umstrittenem Projekt Fässlesbrunnen - Einzug im April 2016 geplant

Volker Scheerer von der Firma Beck Holzbau spricht den Richtspruch auf dem Dach, das er zusammen mit seinen Kollegen der Firma Ott gezimmert hat.
Volker Scheerer von der Firma Beck Holzbau spricht den Richtspruch auf dem Dach, das er zusammen mit seinen Kollegen der Firma Ott gezimmert hat. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / TOBIAS WÜRTH 08.10.2015
Das selbstgebastelte Plakat "Stoppt den Bauwahn in der Heimbachsiedlung" verbleicht. Direkt neben dem Protestschild ragen die ersten Wohnhäuser aus dem Boden. Vorgestern war Richtfest.

"Danke, dass Sie das in der Akkuratheit und Geschwindigkeit geschafft haben", lobt Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim die Handwerker in dem mit Heizstrahlern ausgestatteten Raum, dessen Türen mit Folien verschlossen sind. "Tschaka", freut sich Zimmermann Volker Scheerer darüber, ballt die Faust zum Siegeszeichen. Er sitzt mit seinen Kollegen auf den Bierbänken, wartet bis die Reden vorbei sind, um endlich essen zu können.

Das Richtfest gilt traditionell als Dankesveranstaltung für die Handwerker. So auch bei den beiden Mehrfamilienhäusern am Fässlesbrunnen. Diese beiden Gebäude der Hospitalstiftung sind von den insgesamt fünf geplanten Häusern bereits am weitesten gebaut.

"Froh schlägt das Herz, hell strahlt der Blick, denkt man an die Arbeit zurück", dichtet zuvor Zimmerer Scheerer in seiner Kluft auf dem Dach oben. Er wirft das Glas, das am Haus zerschellt. "Stehe fest in alle Zeit", spricht er.

Groß war der Protest gegen die Pläne

So mancher Anwohner wünscht sich wohl genau das Gegenteil. Groß war der Protest gegen die Pläne, eine Streuobstwiese zu bebauen. Jetzt stehen sie also, die ersten der umstrittenen Gebäude am Rande der Heimbachsiedlung in Sichtweite der Westumgehung. Schon allein die Namensgebung zeigt den Konflikt, der dahinter steckt. Einst sprach man von der Bebauung am Keckenweg. Nach den großen Protesten von Anwohnern taufte die Grundstücks- und Wohnungsbaugesellschaft (GWG) das Projekt in "Fässlesbrunnen". Heute benutzt GWG-Chef Wolf Gieseke weiterhin diesen Namen, betont aber, dass die Gebäude an der Breiteichstraße stehen. Denn das war eine der Forderungen der Anwohner: Die Zufahrt sollte nicht durch die enge Siedlung erfolgen, sondern von außen über die Breiteichstraße.

Die Gegner der Bebauung treten beim Richtfest nicht offen in Erscheinung. Eine Anwohnerin lässt sich direkt neben Gieseke sitzend das Fleisch und den Kartoffelsalat schmecken. Was sie heute über die Bebauung denke? "Dazu möchte ich mich nicht äußern", sagt sie.

"Ich habe in meiner Mappe so 30 Blätter voll mit Berichten und Leserbriefen", sagt Oberbürgermeister Pelgrim in seiner Rede. "Dieses Bauprojekt hat eine heftige Diskussion ausgelöst." Wegen der Einwände sei das Bauvolumen reduziert worden. "Aus meiner Sicht sind die Kubaturen angemessen."

Pelgrim betont in seiner kurzen Ansprache den Grund für das Bauvorhaben. "Damals war es eine jungfräuliche Diskussion. Wir waren der Zeit voraus." Heute sei das Thema, günstigen Mietwohnraum bereitzustellen, noch aktueller. So ziehe Hall weiterhin Bürger an. Der Druck wachse. Wolf Gieseke verspricht, dass mit einer Miete von 6,50 Euro pro Quadratmeter ein bezahlbarer Wohnraum in niveauvollen Neubauten geschaffen werden könne. Die ersten Mieter sollen im April 2016 einziehen können.

Fünf Häuser werden der Reihe nach vollendet

Mietwohnungen Die Hospitalstiftung hat die Grundstücks- und Wohnungsbaugesellschaft (GWG) beauftragt, zwei größere Gebäude zu bauen, in dem Menschen günstig wohnen können. Sie kosten 2,7 und 2 Millionen Euro. Das Haus 2 ist bereits am weitesten: Der Rohbau steht und die Isolierung ist außen schon angebracht. Dort können Menschen mit geringem Einkommen (es müssen aber nicht Wohngeldbezieher sein) unterkommen. Haus 1 ist ebenfalls weit. Dieses Gebäude sei vor allem für Senioren geeignet. Die Wohneinheiten sind 45, 65 und 75 Quadratmeter groß und immer ähnlich angelegt: Wenn man durch die Tür tritt, befindet sich an einer Seite ein Schlafzimmer, im Gang zum Wohnzimmer die Küche. Ein Badezimmer liegt im mittleren Bereich der Wohnungen.

Verkauf Über die vermieteten Flächen hinaus stehen Mietwohnungen zum Verkauf. Zwei der dafür vorgesehenen Häuser werden derzeit errichtet, mit einem dritten geplanten Haus wird noch gewartet.

TOB

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