Schwäbisch Hall Rewe eröffnet Vorzeige-Filiale in Hall

Marktmanagerin Bettina Carle (schwarze Weste) mit Mitarbeitern und Besuchern beim Empfang am Mittwochabend.
Marktmanagerin Bettina Carle (schwarze Weste) mit Mitarbeitern und Besuchern beim Empfang am Mittwochabend. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Thumilan Selvakumaran 31.08.2018
Rewe eröffnet die Filiale Salinenstraße 35 im Green-Building-Konzept. Bald soll es einen Bestell-Service geben.

Gewaltige hölzerne Stützen dominieren die Fassade an der Salinenstraße 35. Diese führen teils über 70 Meter durch das Gebäude. Das frei gespannte Brettschichtholz-Dachtragwerk besteht aus 14 Leimbindern, die dem neuen Vollsortimenter eine markante Optik verpassen. Nach einjähriger Bauzeit eröffnet die Rewe-Gruppe die Filiale, die nach dem Green-Building-Konzept errichtet wurde. Auf 2320 Quadratmetern werden seit Donnerstag etwa 25.000 Produkte verkauft.

Rund 100 geladene Gäste dürfen bereits am Mittwoch einen Blick in den Markt werfen. Die Stimmen zur Gestaltung sind durchweg positiv. Schließlich haben die meisten als Vergleich noch das baufällige Rewe-Zweckgebäude im Gedächtnis, das Anfang 2017 abgerissen wurde.

40 Prozent eigener Strom

Drei Dinge hätten die Stadtverwaltung dazu bewogen, ein offizielles Grußwort bei der Markteröffnung beizusteuern, so Hartmut Baumann, ehrenamtlicher Stellvertreter des Oberbürgermeisters. „Erstmal der städtebauliche Aspekt.“ Das Gebäude füge sich „wunderbar“ in das Gebiet ein, das sich unter anderem durch den Stadionbau weiterentwickelt habe. Ein weiterer Punkt sei die Bedeutung für die Versorgung der Menschen in der nördlichen Kernstadt samt Kochertal. Wichtig sei aber auch das Konzept.

Frank Bieger, als Rewe-Vertriebsleiter für den Großraum Heilbronn zuständig, erläutert die Technik: 40 Prozent des Strombedarfs werde durch Photovoltaik und Wärmetauscher gewonnen, die restlichen 60 Prozent aus Ökostrom bezogen. Das Regenwasser, das die 5000-Liter-Zisterne fasst, werde für Bodenreinigung und Toiletten eingesetzt.

Ziel ist das Platin-Zertifikat

Ausschließlich LEDs kämen für die Beleuchtung des Marktes zum Einsatz. Helligkeitssensoren steuerten den Bedarf in der durch viel Glas lichtdurchfluteten Halle. „Insgesamt können wir bis zu 50 Prozent des Energiebedarfs einsparen“, meint Bieger und fügt an: „Fast alle Materialien sind nachhaltig sowie schadstoffarm.“ Ziel sei es, das Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen in der höchsten Stufe Platin zu erhalten.

Das habe die Planer vor besondere Herausforderungen gestellt, teilt der Haller Bauleiter Carsten Gruchmann vom Satteldorfer Unternehmen Leonhard Weiss mit. Für den 29-Jährigen war es das erste „so große und zugleich so komplexe Projekt“, sagt Gruchmann mit Stolz über sein Heimspiel an der Salinenstraße. „Seit Oktober habe ich nahezu jeden Tag hier verbracht. In der Spitze waren 35 Arbeiter parallel beschäftigt.“ Alleine die Firma Schaffitzel aus Sulzdorf hat 320 Kubikmeter Holz verbaut, so Vertriebsmitarbeiter Günter Grau.

Der Haller Architekt Sigfried Kienle, der die Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordination beim Projekt verantwortete, lobt den Entwurf des Büros Heinrich + Steinhardt aus Rheinland Pfalz. „Das Ergebnis ist beeindruckend.“ Kienle betont: „Es hat keinerlei Zwischenfälle gegeben.“

48 Mitarbeiter sind nun im neuen Rewe beschäftigt. 15 zusätzliche Stellen wurden geschaffen. „Von den damaligen Mitarbeitern haben wir alle übernommen, die auch kommen wollten“, sagt die neue Marktmanagerin Bettina Carle. Zum Hintergrund: Der Neubau sollte eigentlich noch 2017 fertiggestellt werden. Der Baubeginn hatte sich unter anderem wegen einer Umplanung verschoben. Die Mitarbeiter waren in dieser Zeit in anderen Rewe-Filialen eingesetzt.

Sushi, Metzger, Bäcker

Im neuen Markt wird mehr Personal benötigt, da das Angebot erweitert wurde. Regionale Produkte, etwa von der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Hall, ergänzen das eigene Sortiment. Dazu kommen unter anderem Frischfisch, der vor Ort geräuchert werden kann, außerdem eine Salatbar. Daneben sind Filialen der Bäckerei Scholl, der Metzgerei Setzer sowie eine Sushi-Theke von „Eat Happy“ im Haus integriert.

Die Rewe-Filiale sei bereits für eine neue Art des Einkaufens vorbereitet, so Bieger. Kunden könnten demnächst Produkte online bestellen und an einem eigenen Terminal abholen. Wann genau der Service freigeschaltet wird, „ob in acht Wochen oder spätestens zwei Jahren“, das müsse noch entschieden werden.

Kritik: Keine Bäume auf dem Parkplatz

Die Gruppe der Haller Baumschützer, die sich mit Unterstützung des kreisweiten Umweltzentrums für den Erhalt des städtischen Grüns einsetzen, kritisiert gestern in einer Mitteilung, dass auf dem neu gestalteten Rewe-Parkplatz keine Bäume gepflanzt wurden. Zum einen passe dies nicht zu dem vom Unternehmen stolz präsentierten Green-Building-Konzept, zum anderen schade dies dem Schwäbisch Haller Stadtklima. Die Gruppe kritisiert auch die „offensichtlich unzureichenden Auflagen von Seiten der Stadtverwaltung“.

Bäume wirkten der Aufheizung zweifach entgegen, indem Sie den Boden beschatteten und durch ihre Verdunstung Kälte erzeugten. Der bis auf einen schmalen Randstreifen lückenlos gepflasterte und asphaltierte Platz sei nicht nur aus diesen Gründen ein städteplanerisches „No-Go“, sondern auch deswegen, weil dort vor dem Bau 18 größere Bäume standen. Die Baumschützer seien davon ausgegangen, dass als Ersatz dort mindestens gleich viele Bäume gepflanzt werden. Selbst wenn am Rand noch Bäume gepflanzt würden, sei dies nicht mehr als eine Alibi-Aktion. thumi

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