Landkreis Hall Rent a Bee: Bienenvölker zu Mieten

Landkreis Hall / Melanie Boujenoui 02.08.2018
Nachhaltigkeit Bestäuber sind wichtig für Ökosystem und Wirtschaft. Hobby-Imker Sascha Siewert verleiht die nützlichen Brummer unter anderem an die Sparkasse.

„Alle reden immer vom großen Bienensterben, aber nicht davon, was man dagegen tun kann“, sagt Hobby-Imker Sascha Siewert kritisch. Mehr Blumenwiesen und Nistmöglichkeiten für die Insekten seien zwar Voraussetzung – wer unsere Bienen aber wirklich retten wolle, der solle deutschen Honig und noch besser Honig aus der Region kaufen. „Auf dem Weltmarkt konkurrieren wir mit Honig aus Südamerika, China oder Rumänien“, wirft Siewert ein, „unser heimisches Produkt ist aber genauso gut, wenn nicht noch besser.“

Mit seinen 24 Bienenvölkern hat der Imker gerade noch Saison. Etwa eine Tonne Honig erntet er von März bis einschließlich Juli – rund 20 bis 30 Kilo pro Volk und Einsammlung. Obwohl es für Siewert Mehrarbeit bedeutet, transportiert er seine Völker – die dann aus bis zu 60.000 Arbeiterbienen bestehen – in Wälder und Felder der Umgebung für die verschiedenen Honigsorten.

Akazien- (aus Maxdorf), ­Raps-,­ Tannen-, Sommerblüten-, Wald- und Kastanienhonig (aus Gernsbach, Schloss Eberstein) bietet Siewert unter dem Label „Honigtöpfle“ an. Beruflich ist er im Außendienst der Süddeutschen Krankenversicherung (SDK). „Meinen ersten Firmenhonig habe ich mit rund 1200 Gläsern an die Versicherung verkauft.“ Die Kooperation  mit der Sparkasse Schwäbisch Hall-Crailsheim lag nahe.

Vorräte auf der hohen Kante

Bienen sind unverzichtbar für das Ökosystem und vermitteln außerdem die Sparidee meint Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Thomas Lützelberger, dem das Projekt persön lich am Herzen liegt: „Die Insekten legen sinngemäß wie unsere Kunden Vorräte auf die hohe Kante, die sie dann über die Wintermonate mit Nahrung versorgen.“  Seit März stehen die fleißigen Sparkassen-Bienchen nun am Dienstleistungszentrum in Hessental – gut einsehbar zwischen Mitarbeiterparkplätzen und Wohngebiet am Solpark. Inmitten von Blumenwiese, Obstbäumen und Teichanlage haben sie hier eine schöne Heimat und genügend Nahrung. „Das Bienen-Projekt ist schon jetzt ein Highlight und hebt die Sparkasse als Vorreiter für nachhaltiges Handeln in der Region hervor“, betont Lützelberger.

Die Kosten seien überschaubar im unteren vierstelligen Bereich gewesen. Neben der Unterkonstruktion zum Schutz der Bienenkästen musste das Gelände mit Muttererde begradigt werden. Pflege, Ernte und die komplette Betreuung der Völker fällt dem Hobby-Imker zu. Im Gegenzug kauft die Sparkasse den Honig ab „und zwar zum handelsüblichen Marktpreis“, freut sich Siewert. „Das ist sozusagen die Miete.“ Die acht Bienenvölker haben in ihrer ersten Saison je knapp 40 Kilogramm Honig gesammelt. Erst kürzlich erntete Siewert den milden Sommerblüten-Honig. An den Ventilatorenhersteller Ziehl-Abegg hat Siewert ebenfalls acht Völker vermietet. Im Frühling errichtete das Unternehmen auf dem Werksgelände in Kupferzell die Bienenstation „ZApilot“. Namensgeber ist der Ventilator, den Ziehl-Abegg aus der Bautechnik der Bienenwaben heraus entwickelte. Die erste Ernte erbrachte hier knapp 400 Gläser Blütengold.

Jede Mühe lohnt sich

„Jeder kann Bienen halten“, erklärt Siewert, „selbst in der Stadt.“ Derzeit hat er 19 Jungvölker, die 2019 an städtische Privat-Imker gehen und von ihm als Bienen-Pate betreut werden. Laut Deutschem Imkerbund ist die Zahl der Imker in den letzten zehn Jahren bundesweit um 48 Prozent von­ 87 500 auf rund 130 000 gestiegen – die wenigsten verdienen damit Geld. Als eingetragener Landwirt glaubt Siewert nicht, dass Monokultur und Pestizid-Einsatz Schuld am Bienensterben sind. Ein großer Feind der nützlichen Bestäuber sei die Varroa-Milbe. Die müsse ordentlich mit Ameisen- und anderen Säuren bei der Überwinterung aus den Waben beseitigt werden, weshalb Fachkompetenz wichtig sei.

Petra Friedrich vom Deutschen Imkerbund lobt Bemühungen wie die der Sparkasse oder Ziehl-Abegg: „Imker finden dadurch Stellplätze und können ihren Bestand erweitern. Wenn die Unternehmen dann auch ein Nahrungsangebot für die Bienen schaffen, hilft das insbesondere den Wildbienen.“ Gewinner sind alle – und Kunden sowie Mitarbeiter können sich das nachhaltige Engagement genüsslich auf der Zunge zergehen lassen.

300

Kilogramm Honig erntete Hobby-Imker Sascha Siewert kürzlich für die Sparkasse Schwäbisch Hall-Crailsheim. Der erste eigene Firmenhonig wird jetzt in Gläser abgefüllt.

Biene wichtigstes Nutztier nach Rind und Schwein

Gesamtwirtschaftlich liegt der Nutzen durch natürliche Bestäubung bei circa 265 Milliarden Euro.

In Deutschland sind über 80 Prozent der rund 2000 Nutz- und Wildpflanzenarten auf Bestäubung von Honigbienen angewiesen – ein Mehrwert von rund 2 Milliarden Euro im Anbau. Etwa 870 000 von Imkern betreute Bienenvölker schwirren derzeit in der Bundesrepublik. Zusammengerechnet produzieren sie zwischen 15 000 und
25 000 Tonnen Honig 
– was etwa 20 Prozent des hiesigen Verbrauchs entspricht.

Dennoch  ist die Hälfte der etwa 560 Arten im Land auf der Roten Liste oder ausgestorben.

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