Schwäbisch Hall Ausstellung: Relikte jüdischer Kultur bewahren

Eva Maria Kraiss mit dem Buch zur Ausstellung.
Eva Maria Kraiss mit dem Buch zur Ausstellung. © Foto: Maya Peters
Schwäbisch Hall / Maya Peters 11.07.2018
Eva Maria Kraiss zeigt in Wackershofen „Spuren jüdischen Lebens“.

Auf jedem Grabstein stehen Namen, Symbole und hebräische Buchstaben. Sie sind verwittert und oft von Gras und Moos überwachsen, da die Angehörigen nicht mehr leben. Anstatt achtlos an solchen Friedhöfen vorüberzugehen, hat es sich die Haller Fotografin Eva Maria Kraiss – anfangs noch gemeinsam mit Marion Reuter, die 2007 starb – zur Aufgabe gemacht, innezuhalten und genauer hinzusehen. Ihre Fotos von jüdischen Friedhöfen, Synagogen oder Wohn- und Geschäftshäusern in der Region sind nun in der Ausstellung „Auf immer verloren. Spuren jüdischen Lebens in Hohenlohe-Franken“ im Hohenloher Freilandmuseum zu sehen. Eine umfassende und gleichnamige Buchdokumentation ergänzt die Ausstellung auf gut 300 Seiten.

Restaurierte Synagogen als Dokumentations- und Erinnerungsorte, umgenutzte ehemalige jüdische Gebäude mit ihren Geschichten, Hochzeitssteine, Straßen- und Flurnamen und vor allem Friedhöfe sind die letzten noch vorhandenen Zeugnisse des Alltagslebens der früheren jüdischen Bevölkerung in Hohenlohe-Franken. Diese wurde während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft von 1933 bis 1945 entrechtet, vertrieben und vielfach ermordet. Die Zeugnisse ihres Lebens und ihrer Kultur sind zerstört und verfielen.

„Ungewöhnliches Engagement“

Seit dem 19. Jahrhundert seien Juden ein weitgehend akzeptierter Teil der Bevölkerung auch im ländlichen Raum gewesen, betont Museumsleiter Michael Happe. Die museale Beschäftigung mit der jüdischen Minderheit sei auch für das Freilandmuseum eine wichtige Aufgabe, da man die Lebensverhältnisse möglichst aller Bevölkerungsteile präsentieren und dokumentieren wolle. „Es ist ein ungewöhnliches Engagement“, lobt er Kraiss. „Die Relikte zu recherchieren und zu dokumentieren, wurde uns zu einer emotionalen Triebfeder“, berichtet Kraiss von den Anfängen. Begonnen haben Kraiss und Reuter mit einer Broschüre über den jüdischen Friedhof Schwäbisch Hall-Steinbach. Auch Bürgermeister Peter Klink hebt ihre „hervorragende Leistung für die Heimatgeschichte“ hervor und warnt vor Nationalismus, der immer Opfer fordere. Spontaner Applaus brandet auf. „Die Erinnerung ist noch nicht auf immer verloren“, hält Kraiss fest.

Info

Die Ausstellung ist bis zum 11. November in der Scheune aus Bühlerzimmern im Hohenloher Freilandmuseum täglich von 10 bis 17 Uhr zu sehen. Das Buch ist im Museumsshop erhältlich.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel