China Reise ins Reich der Mitte: Bausparen passt zu China

Shanghai/Peking / JÜRGEN STEGMAIER 23.09.2014
In China gibt es rund 87.000 Schriftzeichen. Doch die Menschen im Reich der Mitte kennen keine chinesischen Wörter für Bausparkasse oder Bausparvertrag. So verwenden sie die deutschen Begriffe.

Fachleute trauen dem Bausparen in China, und damit Schwäbisch Hall, eine hohe Dynamik zu. Der Markt ist riesig und das Produkt scheint auf die Gewohnheiten genau zu passen.

In ganz China gibt es genau eine Bausparkasse. Sie nennt sich Sina German Bausparkasse (SGB). Zu rund einem Viertel ist Schwäbisch Hall daran beteiligt. Die anderen drei Viertel hält die China Construction Bank. So kooperieren die weltweit größte Bausparkasse und die drittgrößte Bank der Erde im bevölkerungsreichsten Land auf dem Globus.

Die Entwicklung verlief zuletzt sehr erfolgreich. Das Bausparneugeschäft entwickelte sich in den vergangenen Jahren von 458 über 769 auf 922 Millionen Euro, der Kreditbestand von 808 über 1826 auf 2050 Millionen Euro und der Gewinn vor Steuern von 3,5 über 16,5 auf 22,8 Millionen Euro (jeweils 2010 bis 2013).

Aktiv darf die Sina German Bausparkasse derzeit in den Provinzen Chongqing und Tianjin sein. Reinhard Klein, Vorstandsvorsitzender der Bausparkasse, geht davon aus, dass die SGB bald auch schon in den Städten Jinan und Dalian ihre Geschäfte aufnehmen kann. Sogar eine landesweite Expansion erscheint möglich.

Falls es Gefahren für das Bauspargeschäft im Multi-Milliarden-Markt China geben sollte: Sie wurden nicht deutlich bei der Reise einer Schwäbisch-Hall-Delegation ins Reich der Mitte. Neben den Vorstandsmitgliedern Reinhard Klein (Vorsitzender), Gerhard Hinterberger (Vertrieb) und Klaus Oskar Schmidt (Auslandsmärkte) machten sich auch zahlreiche Mitglieder des Beirats mit auf den Weg nach China.

Die Eindrücke von Bankenexperten, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlern sowie Baufachleuten lassen sich auf einen Nenner bringen: Bausparen passt zu China.

Deutsche und Chinesen scheinen sich ähnlich zu sein

Hinsichtlich der Spargewohnheiten scheinen sich Deutsche und Chinesen ähnlich sein. Sie sparen gerne. Die Chinesen legen von 100 Renminbi, die sie verdienen, 25 bis 30 zur Seite. Das Vorsparen, Kern des Bauspargedankens, trifft in China auf Verständnis. Vorstandschef Reinhard Klein hat den Eindruck gewonnen: "Die eigene Wohnung ist das Sparziel der Chinesen schlechthin." Man müsse den Chinesen das Sparen nicht beibringen, weil die Sparquote höher ist als die in Deutschland, ergänzt Christian Oestreich, bei Schwäbisch Hall Bereichsleiter für die Auslandsmärkte.

Hong Li hat in Stuttgart studiert. Der promovierte Architekt betreibt Büros in Stuttgart, Ulm, München, Shanghai und Peking. Er geht davon aus, dass bis in zehn Jahren 70 Prozent der 1,4 Milliarden Chinesen in den großen Städten leben werden, derzeit sind es noch 53 Prozent. Diese Einschätzung teilen auch andere Fachleute.

Tritt diese Erwartung ein, müssen in China viele Millionen neue Wohnungen gebaut werden. Zu rund 80 Prozent werden sie von Menschen gekauft, die selbst darin wohnen wollen. In der Finanzierung dieses Wohnraums eröffnet sich für die Bausparkasse eine große Chance.

Info Weitere Beiträge zum China-Geschäft der Bausparkasse folgen: Der Start; Die Chance; Das Risiko.

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