Schwäbisch Hall / SWP Das Verhalten der Bürger kann dazu führen, dass sich Ratten in der Stadt vermehren. Darauf wies die Haller Stadtverwaltung schon im Jahr 2015 hin.

Unser Bericht von 300 Ratten in einer Brandruine in Schwäbisch Hall am 17. April 2019 hat viele schockiert. Dabei kommt die Frage auf: Hat Schwäbisch Hall ein Ratten-Problem? Das wäre wohl übertrieben. Aber die Stadtverwaltung trieb das Thema schon vor vier Jahren um.

Bewohner der Schillerstraße in Schwäbisch Hall sind besorgt: Die Zahl der Ratten in und um das Gebäude wird von Experten auf 300 geschätzt. Nun wird die Stadt aktiv.

Im Mai 2015 wies sie auf eine drohende Gefahr hin: Unachtsam entsorgtes Essen könnte dafür sorgen, dass sich Ratten in der Stadt am Kocher vermehren.

„Keine Rede von Rattenplage in Hall“, aber ...

Von einer Rattenplage könne in Schwäbisch Hall keine Rede sein, hieß es am 7. Mai 2015 in der Mittelung der Stadtverwaltung. Dennoch gebe es, „wie in allen Städten, einige ‚Untermieter’ in der Kanalisation. Wegen der klimatischen Bedingungen und der Verästelung des Rohrsystems bis in die Hausanschlüsse finden die Nager dort ideale Lebens- und Fortpflanzungsbedingungen“. Bei der Stadtverwaltung melden sich demnach von Zeit zu Zeit Bürger, „die Ratten im Straßen- und Grundstücksbereich beobachten und dies als ekelerregende Belästigung empfinden“, heißt es in dem Schreiben.

Ratten bekommen mehr Essen durch neuartige, aber illegale Entsorgung

Bekämpfungsaktionen der Haller Stadtbetriebe mit gifthaltigen Fraßködern würden aber weniger wirksam, da das Nahrungsangebot für die Ratten im Kanalsystem zunehme und die Giftköder dadurch immer weniger aufgenommen würden.

Nachdem im Göppinger Restaurant Anami gravierende Hygienemängel festgestellt wurden, reagieren die Betreiber in einer Stellungnahme auf Facebook.

"Neben der leider schon weit verbreiteten Unsitte, Lebensmittelreste über die Toilette zu beseitigen, kommt nun eine ganz neue Art der Essensmüllentsorgung in Mode: Der Handel bietet Zerkleinerer an, die direkt im Spülenbereich der Küche eingebaut alle Speisereste abflussgängig zerkleinern“, so die Stadtverwaltung.

Mehr Ratten, mehr Kosten für die Bürger

Jeder, der einen dieser zwei Entsorgungswege wähle, müsse sich bewusst sein, dass sein Verhalten mehrere Auswirkungen habe. Durch Ablagerungen in den Kanälen und höherer Belastung der Kläranlage entstünden höhere Kosten, die über die Abwassergebühren von jedem angeschlossenen Haushalt finanziert werden müssten.

Das Haller Amtsgericht verurteilt einen örtlichen Pizzabäcker zu einer Geldstrafe in Höhe von 525 Euro.

„Bedenklicher als die finanziellen Folgen ist für den Hauseigentümer, der so vorgeht, die Tatsache, dass die äußerst intelligenten Ratten sehr genau verorten können, wo denn der Tisch regelmäßig reich gedeckt wird“, heißt es. Außerdem sei diese Entsorgungsweise nach der Abwassersatzung der Stadt Schwäbisch Hall verboten und somit illegal. Die Stadt bittet, gegarte Essensreste über den Hausmüll zu entsorgen. „Gemüse- und Obstschalen sowie verschimmelte und verfaulte Rohmaterialien können bei entsprechenden Gegebenheiten natürlich auch kompostiert werden.“

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