Katastrophenschutz Katastrophenschutz: Regelmäßiges Üben ist Pflicht

Nach der Sturzflut vom 29. Mai des vergangenen Jahres hat das THW im Braunsbacher Teilort Steinkirchen eine Behelfsbrücke aufgebaut. Beim Katastrophenschutz arbeiten im Landkreis zahlreiche Organisationen und Behörden zusammen.
Nach der Sturzflut vom 29. Mai des vergangenen Jahres hat das THW im Braunsbacher Teilort Steinkirchen eine Behelfsbrücke aufgebaut. Beim Katastrophenschutz arbeiten im Landkreis zahlreiche Organisationen und Behörden zusammen. © Foto: Archivfoto: Verena Buffler
Norbert Acker 10.11.2017
Im Landkreis sind zahlreiche Behörden und Hilfsorganisationen mit der Vorbereitung von passenden Reaktionen auf Ausnahmesituationen befasst. Koordiniert wird alles vom Krisenstab.

Die Jagst-Katastrophe 2015 und das verheerende Unwetter vom 29. Mai vergangenen Jahres haben einmal mehr vor Augen geführt, dass es ohne eine gute Vorbereitung auf Ausnahmesituationen nicht geht. „Dafür haben wir Katastrophenschutzpläne“, erklärt Werner Vogel. Als Kreisbrandmeister leitet er im Landratsamt Schwäbisch Hall die die Stabsstelle E 1, die die verschiedenen Aufgaben aus den Bereichen Feuerwehrwesen, vorbeugender Brandschutz, Leitstelle und Rettungsdienst, Kriseninterventionsteam, Wehrangelegenheiten und eben den Katastrophenschutz bündelt. „Die Pläne werden regelmäßig aktualisiert“, ergänzt Vogel. Zuständig seien die jeweiligen Stabsdienstleiter sowie seine schon genannte Stabsstelle. Auch die Städte und Gemeinden seien aufgefordert, für den Notfall Einsatzpläne vorzubereiten.

Viele arbeiten zusammen

Damit alles gut funktioniert, müssen die unterschiedlichen Organisationen, die beim Katastrophenschutz zusammenarbeiten, auch regelmäßig üben. „Katastrophenschutzvollübungen werden alle fünf Jahre vom Regierungspräsidium Stuttgart angeordnet“, erklärt der Kreisbrandmeister. „Im Übrigen findet jedes Jahr eine Stabsrahmenübung statt, bei der alle Führungskräfte der im Katastrophenschutz tätigen Organisationen mitwirken.“ Und das seien beileibe nicht nur das Technische Hilfswerk (THW) und die Rettungsdienste. Der Landkreis kooperiere mit Polizei, Bundespolizei, dem Kreisverbindungskommando der Bundeswehr sowie dem Kriseninterventionsteam (KIT). „Bei den Rettungsdiensten handelt es sich um das Deutsche Rote Kreuz (DRK), Arbeitersamariterbund (ASB), Malteser Hilfsdienst (MHD) und die Deutsche Gesellschaft für Lebensrettung (DLRG)“, erklärt Tamara Mürter von der Pressestelle des Landratsamts.

 Bei den Übungen gibt es die unterschiedlichsten Szenarien: Naturkatastrophen wie Sturm und Hochwasser, technische Katastrophen wie Stromausfälle, Cyberangriffe, Bahnunfälle, Flugzeugabstürze und Massenanfall von Verletzten nach Terroranschlägen sowie Biogefahren wie Anthraxanschläge und Vogelgrippe. Aber auch Nuklearunfälle stehen auf dem Plan. „2015 hat hier im Landkreis eine Vollübung zur Verteilung von Jodtabletten stattgefunden“, erläutert Vogel. Für die Vorratshaltung dieser Tabletten, die verhindern sollen, dass sich radioaktives Jod in der Schilddrüse ansammelt, seien allerdings das Land Baden-Württemberg und der Bund zuständig. „Tritt bei einem schweren Unfall in einem Kernkraftwerk radioaktives Jod in die Umwelt aus, erhält die Bevölkerung im betroffenen Gebiet kostenlos Jodtabletten von den Behörden“, ist so auf Internetseite des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit zu lesen. Es würden in Deutschland genügend Jodtabletten bereitgehalten, um die betroffene Bevölkerung – besonders Kinder und Jugendliche – gut zu versorgen.

Der Landkreis selber unterhält übrigens keine Lager für Wasser und Lebensmittel, Zelte oder Kleidung. „Insbesondere für längere Stromausfälle müssen sich die Bürger selbst vorsorgen, da die Katastrohenschutzbehörden nur die ärztliche Notfallversorgung sowie die Wasser- und Abwasserversorgung aufrechterhalten können“, führt Vogel weiter aus. Auch eine behördliche Vorratshaltung weiterer Medikamente sei vom Land nicht vorgesehen.

Info Umfangreiche Informationen zum Katastrophenschutz sowie Tipps zur Vorratshaltung im Krisenfall gibt es im Internet beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe unter der Adresse www.bbk.bund.de

Schulung und Austausch im Schapbachhof

Einmal im Jahr trifft sich der Krisenstab des Landkreises im Schapbachhof, dem Schul- und Freizeitheim des Landkreises in Schönau am Königssee. So wie am vergangenen Wochenende. „Dieses Jahr war die Eingangslage die Schweinepest und danach wurden weitere Schadenstellen wie Zugunglücke diskutiert“, sagt Tamara Mürter von der Pressestelle des Landratsamts. In den Vorjahren seien unter anderem Themen wie Stromausfall, Novemberstürme, Terroranschlag oder Hochwasser mit Seuchenausbruch behandelt worden. Zum Programm gehörten dabei immer Fachvorträge von Einsatzleitern vergangener Großschadenslagen. Mürter nennt hier den Eishallendacheinsturz Bad Reichenhall, das Zugunglück Bad Eibling, das Hagelunwetter Reutlingen sowie den Amoklauf in Winnenden. noa