Schwäbisch Hall Recaro baut in der Stadtheide erheblich aus

Das ehemalige Kaufland-Gelände im Steinbeisweg (hellgraue Dachfläche vorn in der Mitte) gehört künftig Recaro. Östlich und südlich davon erstreckt sich der Stammsitz des Haller Flugzeugsitzeherstellers. Das Gebäude am linken Bildrand ist das neue Kaufland. Im Hintergrund, Richtung Osten, ist der Einkorn zu erkennen. 
Das ehemalige Kaufland-Gelände im Steinbeisweg (hellgraue Dachfläche vorn in der Mitte) gehört künftig Recaro. Östlich und südlich davon erstreckt sich der Stammsitz des Haller Flugzeugsitzeherstellers. Das Gebäude am linken Bildrand ist das neue Kaufland. Im Hintergrund, Richtung Osten, ist der Einkorn zu erkennen.  © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Jürgen Stegmaier 17.08.2018
Der Haller Flugzeugsitzehersteller erwirbt unter anderem das ehemalige Kaufland-Gelände. Kauf, Neubauten und Sanierung lässt sich das Unternehmen einen zweistelligen Millionenbetrag kosten.

Bis vor vier Jahren schoben Kunden Einkaufswagen durch die große Halle im Steinbeisweg 31. Dann zog Kaufland in einen gegenüberliegenden Neubau, Steinbeisweg 30. Recaro mietete daraufhin einen Teil des ehemaligen Supermarktes, rund 15.000 Quadratmeter, von der Haller GWG. Jetzt wird der Flugzeugsitzeentwickler das ehemalige Kaufland-Areal sowie weitere Gebäude und Flächen, insgesamt 45.000 Quadratmeter, für einen zweistelligen Millionenbetrag kaufen.

Das Gelände befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft des aktuellen Recaro-Standorts, es erstreckt sich westlich davon. Der Kaufvertrag soll unterzeichnet werden, sobald alle notariellen Formalitäten erledigt sind, macht GWG-Geschäftsführer Wolf Gieseke deutlich. Das könnte noch einige Wochen dauern.

Halle für Versuche

Wofür braucht Recaro das 45.000 Quadratmeter große Areal? Von zentraler Bedeutung soll ein neues Entwicklungszentrum sein, das dort entsteht, außerdem eine Versuchsfeldhalle sowie ein Brandlabor. Dort sollen Tests möglich sein, um schwer entflammbare Materialien, wie sie für Flugzeugsitze elementar sind, zu entwickeln und zu testen. In den neuen Gebäuden soll auch eine neue Kantine untergebracht werden. Und schließlich braucht Recaro mehr Parkplätze für seine Beschäftigten.

Über die Kaufsumme vereinbarten Grundstücks- und Wohnungsbaugesellschaft (GWG) und Recaro Stillschweigen. Marktkenner gehen von einem Betrag zwischen 10 und 15 Millionen Euro aus. In den kommenden fünf bis sieben Jahren werde Recaro noch einmal einen ähnlich hohen Betrag in Sanierungen und Neubauten in der Stadtheide investieren. Den ersten Bauabschnitt seiner Standorterweiterung kündigt Recaro für das kommende Frühjahr an.

Klares Bekenntnis

Dr. Mark Hiller ist geschäftsführender Gesellschafter der Recaro Aircraft Seating GmbH & Co.KG. Er betont, dass die Erweiterung ein klares Bekenntnis zum Standort Schwäbisch Hall ist. Intern trägt das Projekt die Bezeichnung „space2grow“, was so viel heißt wie „Raum, um zu wachsen“. „Das ist ganz klar unser Hauptstandort und Firmensitz“, wird Mark Hiller in einer Pressemitteilung zitiert. Das Unternehmen, das einst in Stuttgart Karosserien für Porsche herstellte, später durch Sportsitze für Autos bekannt wurde, sehe Schwäbisch Hall als Innovationsstandort, an den es sich langfristig binden will.

Tatsächlich wächst das Geschäft von Recaro erheblich. Das Unternehmen zählt zu den drei weltweit bedeutendsten Herstellern von Flugzeugsitzen. In den zurückliegenden Jahren steigerte Recaro seinen Umsatz jeweils um rund 10 Prozent. Damit wurde die Entwicklung des Marktes für Flugzeugsitze deutlich übertroffen. Aktuell geht Recaro sogar von einem 15-prozentigen Wachstum aus. Das Unternehmen erwirtschaftete im zurückliegenden Jahr 487 Millionen Euro.

Vor Jahresfrist beschäftigte Recaro in Hall rund 1000 Menschen, inzwischen sind es 1300. Weltweit arbeiten 2700 Männer und Frauen für das Unternehmen, das seinen Stammsitz in Hall hat. Recaro geht davon aus, dass das Wachstum anhält, in diesem Jahr werde es sogar zweistellig sein. Die Auftragsbücher seien gut gefüllt. Zu den Kunden von Recaro gehören namhafte Fluglinien auf der ganzen Welt.

„Nicht selbstverständlich“

„Es ist nicht selbstverständlich, dass Firmenerweiterungen dieser Größenordnung innerhalb eines bestehenden Gewerbegebiets vollzogen werden können. Die hervorragende Entwicklung von Recaro ist für mich zugleich eine Bestätigung für die positive kommunale Flächenpolitik in Schwäbisch Hall“, äußert sich Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim zu dem Verkauf der Gebäude und Grundstücke an Recaro.

Ein Teil der Gebäude auf dem zugekauften Areal wird abgerissen, so zum Beispiel die ehemalige Kaufland-Halle. Neubauten sollen dafür sorgen, dass energetisch und arbeitsökonomisch neueste Standards erfüllt werden, schreibt das Unternehmen auf eine Anfrage der Redaktion. Recaro investiert nicht nur in Schwäbisch Hall, sondern auch an seinen Standorten in Swiebodzin (Polen) und Qingdao (China). Insgesamt nimmt das Unternehmen dafür mehr als 100 Millionen Euro in die Hand.

Tankstelle bleibt erhalten

Zum ehemaligen Kaufland-Areal im Steinbeisweg, das Recaro von der städtischen GWG kaufen wird, gehört eine freie Tankstelle. Diese Tankstelle bleibt erhalten. Recaro übernimmt den laufenden Mitvertrag.

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