Straßenverkehr Rasende Radler: Gentner mahnt Rücksichtnahme an

Die Radler, die den Fußweg mit Radfahrer-frei-Schild an der Crailsheimer Straße benutzen, müssen Schrittgeschwindigkeit fahren. Doch bergab fällt das so manchem schwer.
Die Radler, die den Fußweg mit Radfahrer-frei-Schild an der Crailsheimer Straße benutzen, müssen Schrittgeschwindigkeit fahren. Doch bergab fällt das so manchem schwer. © Foto: ars
Schwäbisch Hall / Tobias Würth 21.08.2018
Zwölf Prozent aller Unfälle mit Verletzten gehen im Jahr 2017 in Hall auf Fahrfehler von Radfahrern zurück. Der Fachbereichsleiter für Ordnung will das ändern.

„Einige Radfahrer rasen einfach den Marktplatz herunter und fahren wahnsinnig schnell an Fußgängern vorbei“, erläutert der Haller Ordnungsamtsleiter Manfred Gentner in einem Gespräch. Das sei gefährlich. Zwar sei das Radeln in der Fußgängerzone von Schwäbisch Hall erlaubt. Allerdings gelte dort Schrittgeschwindigkeit. Es hält sich kaum jemand daran, wenn es bergab geht. Bergauf sieht das ein wenig anders aus, sofern man selbst treten muss.

Manfred Gentner nimmt das Thema ernst. Laut Verkehrsstatistik für 2017 sind zu 12 Prozent (Vorjahr: 19 Prozent) die Radler die Verursacher von Verkehrsunfällen mit verletzten Personen auf der Haller Gemarkung. Vor ihnen stehen in der Statistik nur noch die Autofahrer mit 76 Prozent. Lastwagenfahrer (2 Prozent) und und Fußgänger (1 Prozent) sind als Unfallver­ursacher eher zu vernachlässigen, während alle motorisierten Zweiräder mit einer Zulassung ab Tempo 25 acht Prozent der Unfälle mit Personenschäden auslösen. In diese letzte Kategorie fallen die schnelleren E-Bikes und die Motorräder, nicht aber E-Bikes ohne Zulassung.

Überproportional viele Verletzte

Der Radanteil am Gesamtverkehrsaufkommen liegt zurzeit bei circa drei Prozent in der Stadt, schreibt die Stadtverwaltung in einer Publikation. Überproportional hoch ist daher der Anteil der Radler, die Verkehrsunfälle mit Personenschäden verursachen. „Ich habe Radfahrer gesehen, die auf Gehwegen fahren. Das dürfen die nicht“, sagt Gentner.

Die Unfälle mit Radfahrer- oder Fußgängerbeteiligung gingen allerdings in absoluten Zahlen von 42 auf 30 aufs gesamte Jahr 2017 gesehen zurück. Das bedeutet: Nur knapp jede zweite Woche verunglückt in Hall ein Radler oder ein Fußgänger.

Der Haller Fachbereichsleiter für Ordnung ist auf Sicherheit bedacht. Daher hat er in einer Pressemitteilung die Regeln zusammengefasst, die für Radler gelten (siehe Info). Und er hat Schilder an der Nordseite der Crailsheimer Straße montieren lassen, auf denen die Schrittgeschwindigkeit angemahnt wird. Die Radler sind auf diesem Fußweg nur Gast. „Wer schneller fahren will, kann ja auf die Crailsheimer Straße ausweichen“, sagt Gentner. Die Strecke an der vielbefahrenen Straße ist immer wieder Thema. Ein Bürger fragte im Gemeinderat, warum man dort nicht einen abgetrennten Radweg aufzeichnen könne. CDU-Stadtrat Ulrich Reichert verlieh dieser Forderung bei einer der folgenden Ratssitzungen Nachdruck: Wie ist der Stand der Planung für einen Geh- und Radweg von der Hochschule bis zur Unterführung im Bereich des Crailsheimer Tores? OB Hermann-Josef Pelgrim führte aus, dass bergabwärts der kombinierte Weg häufig dazu genutzt werde, um zu schnell mit dem Fahrrad zu fahren.

Bäume oder Fahrspur opfern?

Auf kombinierten Geh- und Radwegen gelte Schrittgeschwindigkeit. Für einen getrennten Geh- und Radweg sei die Fläche zu schmal. Es gelten gesetzliche Vorgaben. Falls man einen eigenen Radweg einrichten will, auf dem auch schneller gefahren werden darf, müsste entweder eine Straßen-Fahrspur oder die Baumreihe an der Crailsheimer Straße geopfert werden. Keines von beiden wolle die Stadtverwaltung. Man setze stattdessen auf Rücksichtnahme.

Radler müssen im Zweifelsfall anhalten

Das Miteinander von Fußgängern und Radfahrern bereitet den für die Verkehrssicherheit Verantwortlichen zunehmend Sorgen, schreibt die Stadtverwaltung – und ändert die Beschilderung. Der für Radfahrer freigegebene Gehweg entlang der Crailsheimer Straße erhält ein Zusatzschild, auf dem ausdrücklich auf die nötige Schrittgeschwindigkeit für Radfahrer hingewiesen wird.

Grundsätzlich gilt: Radfahrer haben auf Gehwegen nichts zu suchen, schreibt die Stadtverwaltung. Ausnahme: Für Kinder gilt eine Sonderregel. Kinder bis acht Jahre müssen Gehwege benutzen (nicht den Radweg!). Kinder bis zehn Jahren dürfen Gehwege benutzen. Auf Zu-Fuß-Gehende ist besondere Rücksicht zu nehmen. Beim Überqueren einer Fahrbahn müssen die Kinder absteigen.

Nur durch den Zusatz „Radfahren frei“ dürfen auch andere Radfahrer auf Gehwegen fahren, allerdings mit Einschränkungen: Auf Fußgänger ist besondere Rücksicht zu nehmen. Fußgänger dürfen weder gefährdet noch behindert werden. Radfahrer dürfen nur mit Schrittgeschwindigkeit oder langsamer fahren. Bei dieser Beschilderung (Fußweg mit Zusatz „Radfahren frei“) besteht keine Benutzungspflicht für Radfahrer. Solche Wege müssen nicht benutzt werden, denn es sind keine Radwege, sondern Gehwege. Radler dürfen auf der Straße fahren. Weil es Gehwege sind, haben Fußgänger absoluten Vorrang. Bei Bedarf ist also anzuhalten. Dies gelte ebenso für die Fußgängerzonen, wenn der Radverkehr – wie in der Schwäbisch Haller Innenstadt – zugelassen ist.

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