Salonmusik Puszta, Charleston und die Liebe

Felix Kautter (Knopfakkordeon), Jochen Zeuner (Kotrabass), Eckart Baier (Violine) und Florian Friederich an der Schreibmaschine Typ „Erika“ sind vier der elf Mitglieder der Salonkapelle Sternenglanz aus Crailsheim.
Felix Kautter (Knopfakkordeon), Jochen Zeuner (Kotrabass), Eckart Baier (Violine) und Florian Friederich an der Schreibmaschine Typ „Erika“ sind vier der elf Mitglieder der Salonkapelle Sternenglanz aus Crailsheim. © Foto: Ralf Snurawa
Gaildorf / Ralf Snurawa 09.01.2018
Am Ende des Neujahrskonzerts spenden die etwa 260 Zuhörer am Sonntagabend in der Gaildorfer Limpurghalle der Salonkapelle Sternenglanz stehend Beifall.

Schon tags zuvor hatten die elf Musiker der Salonkapelle Sternenglanz das ebenso begeisterte Publikum im völlig ausverkauften Rittersaal des Kirchberger Schlosses auf das neue Jahr eingestimmt. Am Sonntag war dann Gaildorf dran. „So ein Kuss kommt von allein“ haben die Musiker aus dem Raum Crailsheim ihrem Programm als Überschrift gegeben. Und natürlich ist das auch der Titel eines alten Schlagers von Franz Grothe aus dem Film „Keine Angst vor der Liebe“ aus dem Jahr 1933.

Sänger der Salonkapelle ist Cellist Jörg Baier, der im Hauptberuf Konditor ist, aber auch der Musik sehr viel Zeit widmet, unter anderem als Mitglied des Hohenloher Streichquartetts. Am Sonntagabend entführte er mit Schmelz in der Stimme, aber auch mit Witz in alte Zeiten.

Bravorufe holte er sich mit Theo Mackebens „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da“. Die schwungvolle Wiedergabe verleitete das Publikum zum Mitklatschen. Sehnsüchtig gestaltete Jörg Baier Mackebens „Bel Ami“, keck Helmuth Wernickes „Das Fräulein Gerda“.

Mit viel Humor bot Jörg Baier Fred Raymonds Tango „In einer kleinen Konditorei“ und Leo Leux’ „Unter den Pinien von Argentinien“ dar. Den Refrain gestalteten die anderen Musiker der Salonkapelle sängerisch mit, auch in Raymonds „Dulli-öh!“ aus dem Film „Die Perle von Tokay“: dreistimmig und ergänzt um Saxofon­einlagen von Bernhard Hubner und Hannes Baier.

Ins Komische gewendete ungarische Anklänge hatte die Salonkapelle Sternenglanz zuvor mit Leidenschaft geliefert. Nach dem spanisches Flair beschwörenden und mitreißend gespielten Pasodoble „Man soll mit dem Feuer nicht spielen“ von Gerhard Mohr konnten sich die Zuhörer in Franz Lehárs „Zigeunerliebe“-Walzer versenken: mal geheimnisvoll dunkel, mal lieblich licht und mit Hingabe musiziert.

„Die Feurigkeit der ­Puszta“ folgte, so Jörg Baier in seiner Moderation, später in der „Piroschka“-Fantasie, nachdem der packend wiedergegebene fünfte ungarische Tanz von Johannes Brahms verklungen war. Melodienschwelgen und leidenschaftlicher Tanz wechselten sich ab.

Zwischendurch war Platz für die beiden Walzer aus Dmitri Schostakowitschs Suite für Varieté-Orchester, warm getönt und gesanglich gespielt. Sogartig klang Gerhard Mohrs „Orient-Express“. Bernhard Hubner fesselte mit seinem Klarinettenchorus in Walter Donaldsons Charleston „Yes Sir, That‘s My Baby“, und Schlagzeuger Florian Friederich zelebrierte Leroy Andersons „The Typewriter“ auf der Schreibmaschine Typ „Erika“.

In Paul Linckes Klangidyll „Fraureuther Porzellan-Püppchen“ nutzte er eine Porzellansuppenschüssel als Perkussionsinstrument – im Wechsel mit dem Glockenspiel. Mit dem hatte er zuvor in Leo Leux’ „Es leuchten die Sterne am Firmament“ mit einem Glissando für das Angehen der „himmlischen Laternen“ gesorgt. So viel Lust am Spiel von allen elf Musikern – das Publikum verlangte nach Zugaben. Nach Adolf Steimels „Die Männer sind schon die Liebe wert“ folgten Wiener Klänge mit „Prosit Neujahr“-Wünschen: die gewitzt gespielte „Tritsch-Tratsch-Polka“ von Johann Strauß (Sohn) und der Radetzky-Marsch seines Vaters zum Mitklatschen.

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