Manchmal kann auch die Eingängigkeit einer Komposition mit ausschlaggebend für einen Erfolg sein. Den konnte der Japaner Takuma Ishii mit seiner Interpretation von Franz Liszts "Rhapsodie espagnole" verbuchen, denn die Konzertbesucher entschieden sich mehrheitlich, ihm den Publikumspreis zu verleihen.

Zweifelsohne war dies nicht nur auf Ishiis virtuoses Können zurückzuführen, das er in vielen Facetten mit diesem Werk vorführte. Es war auch die gekonnt abgewogene Gegenüberstellung wuchtiger, packender Momente zum "La Folia"-Thema gegenüber nuanciert vorgetragenen Diskanttönen, manchmal das typisch Lisztsche Figurationengeklingel, manchmal weich eingebettet, zur "Jota aragonesa". Noch mehr in die Klangwelt von Liszt hatte sich die ebenfalls aus Japan stammende Pianistin Haruka Watanabe mit der Fantasie "Après une lecture du Dante" eingearbeitet. Dabei hatte sie den aufgewühlten Charakter von Dantes "Göttliche Komödie" spannungsreich herausgestellt, aber auch kontemplative Momente in ihrem erzählerischen Ton sanft unterstrichen sowie insgesamt die Motivarbeit deutlich hervorgehoben.

Weitere vier Musikerinnen aus Japan

Weitere vier Japanerinnen waren im Abschlusskonzert zu hören. Fast etwas zu verträumt und entrückt gab Saki Kubota Isaac Albéniz' "Almeria" aus dem zweiten "Iberia"-Band wieder. Da hätte man sich mehr tänzerisches Spiel vorstellen können. Das brachte Mai Higuchi mit "La soirée dans Grenade" von Claude Debussy besser herüber und ließ noch energiegeladen und schön im Fluss die "Jardins sous la pluie" folgen.

Mako Kodama widmete sich dem Eingangsteil von Robert Schumanns C-Dur-Fantasie mit großer klanglicher Transparenz und empfundenem Spiel, ließ es aber etwas an Klangschwelgen, Stringenz und Nuancenreichtum fehlen. Ebenfalls mit Schumann befasste sich die Südkoreanerin Yuri Kim. Die Abegg-Variationen spielte sie euphorisiert, ein wenig schwebend im Ton, manchmal gar atemlos im Ausdruck. Sie verstand es aber, den poetischen Ton zu treffen.

Das hätte man sich mehr bei Misa Sakas Interpretation des Eingangssatzes von Schuberts A-Dur-Sonate D 664 gewünscht. Sie gestaltete ihn sehr abwechslungsreich und schön gesanglich. Wunderbar geriet ihr der Abgesang am Ende des Satzes. Maximilian Schairer aus Deutschland hatte sich ebenfalls mit Schubert befasst: mit dem Eingangssatz der a-Moll-Sonate D 537, den er dramatisch und spannungsreich, noch etwas jugendlich ungestüm anging. Etwas zu sehr an der Oberfläche blieben die Südkoreanerinnen Ye Chin Hwang mit dem Schumann-Allegro op. 8 und Jin Hee Kim mit drei Chopin-Etüden aus der Sammlung op. 25. Besonders in der Nr. 11 verschwand die Melodie gelegentlich zu stark hinter den rasanten Figurationen der rechten Hand. Eröffnet hatte den Abend Yi-Lin Wu aus Taiwan mit Wolfgang A. Mozarts Variationen über "Ah, vous dirai-je, Maman".

Ihr gelangen schöne Triolenstaccati wie auch das deutliche Herausarbeiten imitatorischer Momente. Für sie wie auch alle anderen Konzertteilnehmer, elf von insgesamt 36 des gesamten Meisterkurses und aus vier von insgesamt 14 Nationen, spendete das Publikum in der Festhalle begeistert Applaus.