Vellberg / Rainer Eichter  Uhr

Das Vorzimmer des Schnuller-Produzenten Walter Junginger bietet die Kulisse für die turbulente Handlung. Sekretärin Susanne Schmoll, in der Hauptrolle bewundernswert von Heike Wagner verkörpert, hat ihre liebe Mühe mit der hübschen Kollegin Annette Giebel (Lisa Manzke), die weniger durch Arbeitseifer, denn durch ihren kurzen Rock zu punkten weiß. Und das nicht nur bei ihrem Ex-Freund Paul Keck (Freddy Kubach), sondern auch noch beim Chef Walter Junginger (Rainer Vogel), auf den Susanne Schmoll schon seit langem ein Auge geworfen hat.

Zu allem Überfluss steht es um die Bilanzen der Firma schlecht, und der frisch gebackene Juniorchef versucht, mit Kondomen der neu kreierten Marke Ping-Ling den Schnullern ein zweites Produkt an die Seite zu stellen. Wie man hört, sind die Chinesen von den Kondomen sehr angetan und man überlegt, ob man den Rand nicht in Schwarz-Rot-Gold produzieren könnte.

Von Arbeit hält er nicht viel

Der rotzfreche und neunmalkluge Azubi Markus, von Sebastian Weidner gegeben, mischt das Geschehen wiederholt auf. Erstens weil er sich ständig mit der Klatschtante Maria Bolognini (überzeugend: Marion Vogelmann) austauscht und glaubt, alles im Blick zu haben. Zweitens, weil er glaubt, für Höheres geboren zu sein. Und zum Leidwesen seines Onkels Achim Bender, des Betriebsmeisters (solide und ein bisschen pfiffig von Reiner Dazer präsentiert), von Arbeit wenig hält. Als dann noch der Betriebsprüfer Erich Peter (Uwe Wieland) auftaucht und in der Buchhalterin, der Schwester des Chefs, seine frühere Geliebte Hermine Junginger (Monika Hirschner) erkennt, ist der Teufel los.

Letztlich erreicht Susanne Schmoll doch noch ihr Ziel und angelt sich auf dem Betriebsfest Chef Junginger. Statt „Schnuller, die Babys glücklich machen. Schmoll am Apparat“ heißt es künftig „Annette Giebel am Apparat“ und Schmoll verbietet ihr die kurzen Röcke.

Die Vellberger Laienspieler laufen zu großer Form auf. Monika Hirschner ist nicht nur als Hermine temperamentvoll unterwegs, auch ihre Stückauswahl ist ein Volltreffer. Die Rollen sind den Akteuren wie auf den Leib geschnitten. Die Komik wird gekonnt ausgespielt. Das Publikum geht begeistert mit. Es freut sich, wenn wieder einmal jemand Susanne  Schmolls Urin, den sie für eine Trinkkur auf dem Schreibtisch platziert hat, für Apfelschorle hält und einen großen Schluck aus der Flasche nimmt. Das Publikum lacht ein bisschen schadenfroh und angeekelt auf. Man klatscht, als Azubi Markus und sein Onkel mit schwarzen Strumpfmasken in Walter Jungingers Büro eindringen, um die Erfindung des Onkels zu retten.  Die Regie beweist Gespür. Die Steilvorlagen der Handlung werden elegant und gekonnt aufgegriffen. Das Publikum ahnt schon das nächste Malheur und lacht auf. Auch Fritz Vielmetter ist von der Aufführung begeistert. „Die spielen einfach genial“, meint er. „Die Gags werden mimisch vorbereitet, sodass man sich auf den kommenden Eklat schon richtig freut.“

Info Regie: Monika Hirschner,  Soufleur: Bernd Kühner. Die Aufführung in der Stadthalle war zweimal ausverkauft.