„Ich bin mir nach wie vor zu 100 Prozent sicher, dass ich mir nichts zuschulden habe kommen lassen“, antwortet Walter Döring am Telefon auf die Frage, warum er der Einstellung nicht zugestimmt hat. Einerseits kann der ehemalige Landespolitiker damit rechnen, dass eine Einstellung ohne Geldzahlung einem Freispruch gleichkommen würde. Anderseits werde eine Einstellung unter Geldzahlung oft als Schuldeingeständnis wahrgenommen. „Ich will nicht den Anschein erwecken, als würde ich mich freikaufen.“

Döring nicht sicher, ob er freigesprochen wird

Sein Anwalt Thomas Richter hat am Montag am Stuttgarter Landgericht mit deutlichen Worten auf das Angebot der Staatsanwaltschaft reagiert. Sein Mandant werde sich nicht „unter schmutzigen Bedingungen freikaufen“, zitiert die Stuttgarter Zeitung in ihrer gestrigen Ausgabe.

Walter Döring räumt allerdings ein, dass es bei ihm durchaus Momente der Unsicherheit gibt. „Ich weiß nicht, wie der Prozess ausgeht, ich habe nicht die Garantie, dass ich freigesprochen werde“, erklärt Döring. Außerdem sei das Verfahren teuer, und Spaß mache es auch keinen. Die Verhandlungstermine reichen bis in den Oktober 2020 hinein. Die Angeklagten müssen bei allen Verhandlungen anwesend sein. In dieser Zeit können sie einerseits nicht arbeiten, haben also Verdienstausfälle, andererseits sind die Verteidiger zu bezahlen. Begonnen hat der Prozess im August 2019.

Auflage noch nicht benannt

Wie viel Geld hätte Döring zahlen müssen, damit das Verfahren eingestellt wird? „So weit waren wir noch gar nicht. Die Auflage war noch nicht benannt“, antwortet Döring.

Am Montag stand der 21. Prozesstag an. In dem Verfahren geht es um Insolvenzverschleppung und Betrug gegen das ehemalige Unternehmen Windreich aus Wolfschlugen. Dieses plante, entwickelte und baute Windparks an Land und auf See, um sie dann zu verkaufen. Walter Döring war von 2010 bis Juni 2012 dessen stellvertretender Vorstandsvorsitzender. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Windreich im April 2012 – also zwei Monate, bevor Döring ausschied – zahlungsunfähig gewesen ist. Das weist Windreich-Gründer Willi Balz von sich. Die Insolvenz sei erst viel später eingetreten, nachdem die Rechtsbehörden das Unternehmen haben durchsuchen lassen, so Balz. Das war im Dezember 2013.

Das Angebot, das Verfahren gegen Geldzahlung einzustellen, nahmen von den acht Angeklagten fünf wahr, darunter Dörings Nachfolger Anil Srivastava. Noch auf der Anklagebank sitzen Windreich-Gründer Willi Balz, dessen einstiger Wirtschaftsprüfer sowie Walter Döring.

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Windenergieanlagen in der Nord- und Ostsee hatte das Unternehmen Windreich in sechs unterschiedlichen Windparks geplant. Die AG projektierte aber auch an Land.