Schneller als erwartet ist der vierte Verhandlungstag im Berufungsprozess gegen den Haller Bestatter Jochen M. vor dem Landgericht Heilbronn zu Ende. Am gestrigen Donnerstag sollen eigentlich fünf weitere Hinterbliebene aussagen. „Aber bei fünf Zeugenladungen habe ich fünf Absagen erhalten“, so der Vorsitzende Richter Frank Haberzettl. Drei seien durch Grippe, Reha und Operation entschuldigt, die beiden anderen habe er dann doch noch zur Aussage bewegen können.

Was die beiden berichten, deckt sich weitestgehend mit den Angaben anderer Hinterbliebenen. Petra B. aus Hall etwa kann sich gut erinnern, dass sie nach dem Tod ihres Mannes einen Kiefern-Sarg bestellt hat. „Das Holz mochte mein Mann.“ Über den Preis sei nie gesprochen worden. Der Bestatter habe nur gesagt: „Den billigsten Sarg nimmt man aber nicht.“ Bei der Trauerfeier sei ihr Mann allerdings „in einer Kiste“ aufgebahrt gewesen, „wo Tücher drumherum waren“. M. habe ihr gesagt, dass der bestellte Sarg noch geliefert werde. Sie habe dann auf sein Wort vertraut.

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Bedienstete alarmieren Polizei

Ermittlungen der Haller Kriminalpolizei deuten darauf hin, dass Jochen M. in mehreren Fällen Verstorbene in einfachen Pressspansärgen kremieren ließ, obwohl den Hinterbliebenen Vollholzsärge berechnet worden waren. Teilweise wurden Verstorbene, so der Vorwurf, nach Trauerfeiern aus teuren in billige Modelle umgebettet. Zweimal war dies Bediensteten der Stadt aufgefallen. 2015 wurde M. deswegen vor dem Amtsgericht Hall wegen gewerbsmäßigem Betrug zu drei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt.

 Lore R. aus Rosengarten ärgert sich, dass der Fall im Berufungsverfahren erneut aufgerollt wird. „Es ist nicht gut für die Hinterbliebenen, wenn sie immer wieder aufgerüttelt werden.“ Sie selbst hatte 2012 ihren Mann verloren und nach eigenen Angaben nicht nach einem teuren, aber auch nicht nach dem billigsten Sarg gefragt. „Es sollte aber Vollholz sein.“ Pressspan? „Niemals!“

Eigentlich war die Urteilsverkündung für den nächsten Sitzungstag am Donnerstag, 15. März, vorgesehen. Haberzettl will die fehlenden Zeugen aber noch befragen. „Das könnte mehrere Wochen dauern, bis wir sie hören können.“