Schwäbisch Hall / Jochen Korte Etwa 250 Freiwillige helfen mit, Hall und die Ortsteile von Unrat zu befreien. Gummistiefel halten die Füße trocken. Auch viele Kinder machen mit.

Das hat es wohl auch noch nicht gegeben: Nach der Putzete wird im Haus der Dorfgeschichte in Sulzdorf eine Magnumflasche Champagner geköpft. Nein, die hat keiner extra gekauft. Sie ist ein Fundstück aus dem Solpark in Hessental. Robert Leuze hat die noch verkorkte Flasche Schampus, Jahrgang 2002, im Solpark entdeckt und ordnungsgemäß abgegeben. Ortsvorsteher Walter Frank macht kein langes Federlesen und organisiert Sprudelgläser. Der edle Stoff perlt naturgekühlt durch die Kehlen. Was für ein Genuss!

Müll liegt überall rum

„Das Müllaufkommen wächst. Im Solpark war es extrem. Altreifen, Schrott, Möbel, es war wieder alles dabei“, bilanziert Rolf Wellinger am Samstag gegen 14 Uhr. Der Chef des Haller Werkhofs ist mit der Aktion zufrieden. Trotz des zunächst regnerischen Wetters standen die Freiwilligen in Gummistiefeln parat. Die meisten machen Jahr für Jahr mit und wissen, wo sie fündig werden. Lange zu suchen brauchen sie nicht.

Am Ortsausgang von Bibersfeld in Richtung Michelfeld füllen Klaus Bürk, Eberhard Müller und Karl Stadel die blauen Säcke. „Flachmänner, Flaschen, Dosen, Kippen  und Zigarettenschachteln, alles werfen Autofahrer aus dem Fenster“, weiß Klaus Bürk. Selbst Windeln haben die Männer vom Angelverein und der Dorfgemeinschaft schon gefunden. Auch McDonald’s-Verpackungen und immer mehr Coffee-to-go-Becher werden aufgelesen.

Das Areal am Luckenbacher See ist das Revier der Familie Pröllochs und der Reservistenkameradschaft. Jürgen, Benjamin und  Anette Pröllochs sowie Peter Gugel und Heinrich Luttner haben die vollen Säcke gerade abholen lassen und sind mit leeren auf der Abfallsuche. „Eine Lümmeltüte lag  neben einem Babyschnuller“, schmunzelt Jürgen Pröllochs. Wertvollster Fund ist eine EC-Karte, die noch bis 2022 gültig ist. Die bringt Rolf Wellinger heute zur Bank.

Schon seit 8 Uhr in der Früh sind Julia Winterfeldt und Natalie Bernhard am Einkorn unterwegs. Sie säubern gerade den Wegesrand und kraxeln in der Böschung unterhalb der Straße. Auch dort liegt das Übliche: Flaschen, Dosen, Plastikteile und so weiter. „Zwei String-Tangas und Schmuddel-CDs habe ich auch schon gefunden“, sagt Julia Winterfeldt. Sie rufen noch einen Transporter, denn irgendwer scheint dort seinen Maschendrahtzaun entsorgt zu haben. „Wenn sich ein Tier darin verfängt, stirb es elendig“, so die beiden Jägerinnen. Was sie empört sind die Autofahrer, die trotz ihrer Warnkleidung  nicht vom Gas gehen und mit einem Affenzahn vorbeifahren. Baum-, Strauch und Rasenschnitt finden sie „alle fünf Meter“. „Dort wachsen Narzissen, Schneeglöckchen oder Thuja, alles Pflanzen, die dort nicht hingehören. Das verändert das Waldgefüge“, meint Winterfeldt.

Im Solpark stehen Birgit Saffrich, Pfarramtssekretärin der Matthäusgemeinde, ihr Mann Dieter und Lasha Gogokhia, ein Asylbewerber aus Georgien,  vor dem großen Container, der voll geworden ist. Drin liegen mehr als ein halbes Dutzend Fahrradrahmen, Schnaps- und Getränkeflaschen, Elektrogeräte und auch ein Einkaufswagen sowie Möbelstücke. 20 bis 25 Personen haben den Müll zusammengetragen.

Goldene Uhr gefunden

Für eine alte Dame, die in Sulzdorf eine goldene Uhr verloren hatte, dürfte die Putzete erfolgreich gewesen sein. Das gute Stück, so es das tatsächlich ist, wurde beim Friedhof gefunden. „Da wird sich die Frau aber freuen“, ist sich Walter Frank sicher. Die über 90-Jährige  hatte zuvor bereits beim Ortsvorsteher nachgefragt, ob die Uhr gefunden worden sei.

Ein besonderes Fundstück hat auch Leo Elzasser (9) aufgelesen: einen Schwangerschaftstest. Dazu  „ganz viele Jägermeisterflaschen“, berichtet der Viertklässler. Und auch Pfandflaschen. Dass die weggeworfen werden, kann der Schüler nicht verstehen.

Nicht alle Stellen konnten am Samstag gesäubert werden. „Das Ufer am Kocher haben wir ausgespart. Das war bei dem Pegel zu gefährlich“, erklärt der Bauhof-Chef. Aber vielleicht hat ja auch die Flut säubernd gewirkt.

Zur Belohnung gibt’s ein kleines Vesper

Als Dankeschön an die Helfer gibt es von der Stadt nach getaner Arbeit für alle ein Vesper. Warmer Fleischkäse im Brötchen und Getränke werden gratis gereicht. In Sulzdorf hat Ortsvorsteher Walter Frank ob der vielen Teilnehmer, 80 Erwachsene und 35 Kinder, morgens noch nachgeordert. „Für Vegetarier haben wir auch Käse“, sagt er. Im Haus der Dorfgeschichte lassen es sich die Sammler schmecken. Die Kinder scheinen nicht müde zu sein, sie machen ordentlich „Betrieb“. kor