Stefanie Käßmann ist in Untermünkheim aufgewachsen, das Abitur hat sie am Haller Gymnasium bei St. Michael gemacht. Nach ihrem Studium in Mannheim ist sie zunächst in Berlin gelandet. Seit Oktober lebt sie mit ihrem Mann Alexander Mrozek, dessen Namen sie angenommen hat, in San Francisco. Der promovierte Kaufmann arbeitet beim Internet-Giganten Google. Stefanie Mrozek war bis zu ihrem Umzug von Berlin nach Kalifornien bei einem amerikanischen Pharmakonzern angestellt. Seit Oktober treibt sie von San Francisco aus die Vermarktung von Codino voran. Hauptberuflich – „anders können wir die große Nachfrage und die Vielzahl an Projekten auch nicht mehr managen“, sagt die 30-jährige Betriebswirtin mit Master-Abschluss.

„Reisepass in die digitale Welt“

Codino ist ein Baukasten, mit dem Kinder und auch ältere Menschen das Programmieren kennenlernen. Die Gründer Dr. Alexander Mrozek, Stephan Hillekamps und Gabriel Le Roux vergleichen ihre Entwicklung mit einem Chemie-­Baukasten, wie es ihn seit Jahrzehnten gibt. Sie verstehen Codino als „Reisepass in die digitale Welt“. Ihr Ansatz war es, eine Hilfe zu geben, damit junge Menschen Spaß an der Programmierung entwickeln können.

Arbeit bei Google

Den Impuls zu Codino gab den Gründern die Erkenntnis, dass die Digitalisierung so gut wie alle Lebensbereiche erfassen und verändern werde. Ale­xander Mrozek und Stephan Hillekamps arbeiten beide bei Google, der eine im Silicon Valley, der andere in Berlin. „Sie sehen jeden Tag, wie schnell wir in diese digitale Welt schreiten“, macht Stefanie Mrozek deutlich. Die Bildungspläne seien seit ihrer Schulzeit in Bezug auf die Entwicklung digitaler Kompetenzen nicht substanziell weiterentwickelt oder erneuert worden.

Versprochen ist ein ganz verständlicher und einfacher Ansatz. Vorkenntnisse seien nicht nötig. Im sogenannten Build-Bereich ließe sich mit Codino aus mitgelieferten Kabeln, Sensoren, Mikrofonen oder LEDs ein elektronischer Kreislauf bauen. „Im Code-Teil lernen unsere Kunden die Grundlagen der Programmierung kennen und bringen die aufgebauten Teile zum Leben“, erklärt die gebürtige Hallerin. Schließlich der Play-Teil: Variablen ließen sich verändern, aus den Bauteilen könne der Nutzer etwas völlig Neues bauen.

Als Programmierungsoberflächen ließ sich Software von der Codino-Homepage laden. In einem Handbuch sei Zeile für Zeile so erklärt, dass auch ohne Vorkenntnisse deutlich werde, wie Programmier-Codes aufgebaut, Variablen definiert sind und Befehle geschrieben werden.

Die Unternehmensgründer entwickelten Codino parallel zu ihrer Berufstätigkeit – an Abenden und Wochenenden. Auf den Markt kam der Programmierungsbaukasten 2016. Die Nachfrage habe sie überwältigt. „In der Vorweihnachtszeit nach dem Markteintritt 2016 hatten wir innerhalb kurzer Zeit so viele Bestellungen, dass wir nächtelang zu viert in unserem Wohnzimmer Boxen verpackt haben“, erinnert sich die gebürtige Hallerin. Damit seien sie schnell an ihre logistischen Grenzen gestoßen. Nicht alle Bestellungen konnten pünktlich zu Weihnachten ausgeliefert werden. Inzwischen werden Konfektionierung und Versand über einen Logistiker abgewickelt. „Wir können uns somit auf die Produktentwicklung sowie Marketing und Vertrieb konzentrieren“, sagt Stefanie Mrozek.

Nachfrage überwältigt

Rund die Hälfte der Kunden sind Jugendliche und deren Eltern, die einen einfachen Einstieg in die Welt des Programmierens suchen. Aber auch Bibliotheken, Schulen und Unternehmen entdecken mehr und mehr den Reiz des Baukastens. Stefanie Mrozek: „Ehrlich gesagt waren wir überwältigt von der großen Nachfrage und der positiven Resonanz.“ Mittlerweile habe das junge Unternehmen Tausende Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Selbst finanziert

Das Codino-Projekt finanzieren die Gründer zu 100 Prozent aus der eigenen Tasche. Über die Höhe der Entwicklungskosten verrät Stefanie Mrozek nichts. Aber sie kündigt an, dass Codino noch viele weitere Programmierbaukästen auf den Markt bringen will. Schon 2019 soll es weitergehen. Das Codino-Team sieht sich in San Francisco und dem nahen Silicon Valley am Puls der Entwicklung. „Wir sehen hier, was im Bereich der digitalen Bildung alles möglich ist“, sagt die Hallerin.

Bereits im Januar sei Codino auf der Spielzeugmesse in Hongkong vertreten. Von dort erwarten sich die Gründer weitere Inspiration, aber auch Kontakte, um den Vertrieb des Baukastens, den es ausschließlich im eigenen Online-Shop zu kaufen gibt, in weitere Länder auszuweiten.

Drei Auszeichnungen für Codino


Drei Preise haben die Codino-Gründer inzwischen gewonnen: den Innovationspreis Digitale Bildung des Bundesbildungsministeriums, den Gründerpreis des Bundesverbands Digitale Wirtschaft sowie den Publikumspreis des breakthrough award der Computer-Zeitschrift Connect.

Zehn Projekte umfasst das Starterkit von Codino. Darauf baut das sogenannte Lightning Kit auf. Für das kommende Jahr ist eine Erweiterung angekündigt. Außerdem soll der Vertrieb in weitere Länder ausgeweitet werden. just