Schwäbisch Hall Prägende Persönlichkeit

Schwäbisch Hall / HEIKE KRAUSE, BETTINA LOBER 04.04.2015
Fast 25 Jahre lang hat Pfarrer Gotthold Betsch (1915 - 1998) das evangelische Diakoniewerk Hall geführt. Am 5. April wäre er 100 Jahre alt geworden.

"Froher Beginn war für uns alle, als am 22. September Pfarrer Hans Gotthold Betsch in unser Haus eintrat", war im Dezember 1954 in den "Blättern aus dem Diakonissenhaus" zu lesen. Damals war der amtierende Leiter der Haller Diakonissenanstalt Pfarrer Wilhelm Breuning bereits 67 Jahre alt. Es war an der Zeit, sich nach einem geeigneten Nachfolger umzusehen. Im Jahr seines 25. Dienstjubiläums wollte sich Pfarrer Breuning 1956 zur Ruhe setzen. Und in Pfarrer Betsch war man fündig geworden.

Gotthold Betsch kam am 5. April 1915 als Sohn einer kinderreichen Lehrerfamilie in Göttelfingen (Kreis Freudenstadt) zur Welt. Nach dem Theologiestudium in Tübingen und nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde der junge Mann zur Wehrmacht eingezogen. Er geriet in russische Kriegsgefangenschaft. Erst Ende 1947 sollte er seine Heimat wiedersehen. Noch während des Krieges, am 13. April 1944, hatte Betsch die Stuttgarter Pfarrerstochter Hanna Stumpff geheiratet. Die Ehe blieb kinderlos.

Im Jahr 1948 kehrte Betsch als Repetent an den Ort seiner Schulzeit ins Seminar Urach zurück. Wenig später wurde er persönlicher Referent des württembergischen Landesbischofs Martin Haug. Von 1950 bis 1954 versah das Ehepaar dann die Pfarrstelle in Großbottwar. Dort "kam der Ruf von Hall auf uns", wie Pfarrer Betsch später berichtete. Zunächst sollte er die dritte Pfarrstelle im Diak übernehmen, um sich auf künftige Aufgaben vorzubereiten.

In seiner Zeit als "Adjutant" des Landesbischofs lernte er quasi "Gott und die Welt" kennen - der Umgang mit Politikern, mit Vertretern der Wirtschaft und anderen gesellschaftlichen Wortführern war ihm ebenso geläufig wie die Auseinandersetzung mit aktuellen Entwicklungen innerhalb der Landeskirche. Entscheidend für seine Wahl an die Spitze des wachsenden Haller Diakoniewerks war der ihm vorauseilende Ruf als Organisationstalent, gepaart mit vielseitigen theologischen, musikalischen und literarischen Talenten.

Als Pfarrer Betsch am 18. November 1956 die Nachfolge von Pfarrer Breuning antrat, beschäftigte das Diak rund 1370 Mitarbeiter - nämlich 700 Schwestern, davon 568 Diakonissen, 44 Ärzte und rund 600 weitere Mitarbeiter in Krankenhäusern und Heimen, in Verwaltung, Ökonomie und Technik. Als auswärtige Arbeitsfelder betreute das Diak 204 Gemeinden, neun Krankenhäuser und sieben Heime. Damals prägten noch alte Strukturen die Anstalt. Doch bald wurde durch veränderte Gesetzesgrundlagen eine Neustrukturierung des Gesamtwerks notwendig. Damit ging auch die Namensänderung einher: Aus der "Diakonissenanstalt" wurde 1978 das "Evangelische Diakoniewerk e.V.".

Pfarrer Betsch prägte das Diak: Schwesternheime, Krankenpflegeschule, Kindertagheim, das neue Waldhaus beim Krankenhaus und vor allem die Auferstehungskirche (1963) - kein Bauwerk schien ihm zu viel. Von 1970 bis 1973 wurde auch das Mutterhaus grundlegend saniert und umgestaltet, die Schwesternschaft erlebte eine lebendige Weiterentwicklung. "Geschickt verband er das Wünschenswerte mit dem finanziell Machbaren - ohne dabei die Menschen zu vergessen, die rund um das Diakoniewerk arbeiten und leben", ist in seinem Nachruf im Haller Tagblatt zu lesen. Unter Betschs Leitung ist das Krankenhaus zum akademischen Lehrkrankenhaus der Universität Heidelberg geworden.

Im Jahr 1980 wurde Betsch in den Ruhestand verabschiedet. Diesen verbrachte er mit seiner Frau in Gailenkirchen. Viele Jahre schrieb er regelmäßig für die Leser des Haller Tagblatts das "Wort zum Sonntag". Wenige Wochen vor seinem 80. Geburtstag starb seine Frau Hanna. Gotthold Betsch zog ins Gottlob-Weißer-Haus des Diaks. Am 19. November 1998 starb er im Alter von 83 Jahren. Auf dem Schwesternfriedhof des Diaks fand er seine letzte Ruhestätte.

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