Kupferzell 200 neue Pflanzensorten ausprobiert

Kupferzell / Elisabeth Schweikert 20.06.2018
Auf 3,5 Hektar baut das Landwirtschaftsamt rund 200 verschiedenen Sorten Feldfrüchte an. Mehr als 200 Bauern informieren sich.

In rasender Geschwindigkeit haben sich in den vergangenen Wochen die Feldfrüchte entwickelt. Die Gerste ist vielerorts schon gelb, bald werden die Mähdrescher über die Felder fahren. Das war nach dem langen Winter nicht zu erwarten: Bis März war Frost, danach bremste lange Trockenheit das Wachstum. Innerhalb weniger Wochen dann ging der Frühling in einen heißen Sommer über. „Alles ist ziemlich zeitig dran“, stellt Alexander Eberle (32), Nebenerwerbslandwirt mit Ackerbau und Mutterkuhhaltung, aus Rosengarten fest. „Zum Teil gibt es schon eine Notreife“, hat er beobachtet. Gleichwohl geht er von einer guten Ernte aus, so nicht Unwetter das Ganze verhageln. Während sonst Anfang bis Mitte Juli gedroschen wird, könne heuer bereits Mitte, Ende Juni die Wintergerste eingefahren werden.

Trezzor, Asterion und Tonka

Alexander Eberle ist einer von mehr als 150 Landwirten aus der Region, die beim Schalhof die Versuchsfelder der beiden Landwirtschaftsämter der Kreise Hall und Hohenlohe besichtigen. Am nächsten Abend werden es nochmals gut 70 Bauern sein, die mit Listen in der Hand die Felder abgehen. Darauf stehen die sechs angebauten Arten (Wintergerste und Winterweizen, Raps, Mais und Tritikale) in insgesamt knapp 200 Sorten.

Sie tragen fantasievolle Namen. Trezzor, Asterion, Leopard oder Tonka heißen beispielsweise einige Winterweizensorten. Sie waren Ende August ausgesät worden. Detailliert werden die Landwirte informiert, mit welchen Herbiziden, Insektiziden, Wachstumsreglern oder Fungiziden die Pflanzen behandelt wurden und wie gedüngt wurde. Die Pflanzenberater führen die Landwirte  gruppenweise durch das Versuchsfeld und schildern, welche Erfahrungen sie gemacht haben.  Alexander Eberle hört – wie die anderen Landwirte auch – aufmerksam zu. Zeit für einen Plausch ist später, diejenigen, die da sind, wollen von der Erfahrung aus dem Sortenversuch ihre Schlüsse ziehen. „Es ist ein dynamischer Prozess in der Züchtung“, erklärt Eberle, es komme stets etwas Neues auf den Markt. Nur die Ergebnisse nachzulesen, das bringe nichts. „Man muss es sehen.“ Die Erträge ließen sich nicht endlos steigern, meint er, „man sucht sich die Sorten aus, bei denen die Zahlen stimmen und der Eindruck gut ist“. Ihm sind auch die Informationen zur Düngung oder Behandlung wichtig.

Dreimal im Jahr laden die Landwirtschaftsämter ein, die Versuchsfelder zu besichtigen, berichtet Tiemo Hofmann, stellvertretender Amtsleiter in Ilshofen, im April, im Mai und im Juni. Während es bei den beiden ersten Besichtigungen vor allem darum gehe, zu schauen, welche Pflanzenschutzmittel aufgrund der Witterung oder des Schädlingsbefalls nötig oder überflüssig sind, gehe es bei der jetzt dritten Besichtigung darum, welche Erträge die Sorten bringen, welche Entwicklung die Pflanzen genommen haben. „Jedes Jahr ist es eine andere Witterung“, sagt Hofmann, jedes Jahr sei eine andere Behandlung nötig. „Die Landwirte bekommen dazu konkrete Tipps.“

Hofmann: „Dieses Jahr stehen die Pflanzen gut. Bis jetzt gehen wir von einer guten Ernte aus. Es gab ausreichend Wasser, viel Wärme und bis jetzt wenig Krankheiten. Die Pflanzen haben das extreme Wetter gut weggesteckt. Wir sind sehr zufrieden – aber es kann ja noch anders kommen.“

Unabhängige Aussagen

Am Rand unterhalten sich Wilhelm Wackler (Satteldorf) und Robert Kraft (Schrozberg). „Wir haben hier objektive, neutrale Bewertungen“, erklärt Wackler, warum er gekommen ist. Das Angebot sei nicht von einer Firma bestimmt, die eigene Interessen verfolge, sondern von einer unvoreingenommenen Seite. Gleichwohl schaue er sich die Sortenversuche einer hiesigen Saatzuchtfirma auch an. Diese wurden gestern in Kleinallmerspann vorgestellt. „Dort sehe ich andere Sorten.“

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