Schwäbisch Hall Posaunen-Peter und Oboen-Ente

Ein Rasenmäher für den Wolf, eine Gießkanne als Ente - bei "Peter und der Wolf" ist Kreativität Pflicht. Foto: Marc Weigert
Ein Rasenmäher für den Wolf, eine Gießkanne als Ente - bei "Peter und der Wolf" ist Kreativität Pflicht. Foto: Marc Weigert
Schwäbisch Hall / SONJA ALEXA SCHMITZ 23.11.2013
Welches Instrument klingt heiter? Welches böse? Wie kann man mit wenigen Mitteln eine tolle Inszenierung auf die Bühne bringen? Das wird beim Familienkonzert der Haller Konzertgemeinde beantwortet.

"Wie sieht Peter aus und wie hört er sich an?" fragt Oliver Tardy, Dirigent beim Konzert "Peter und der Wolf". Die Posaune der Stuttgarter Philharmoniker hebt sich empor und spielt ein paar Töne. "Nein!" ruft es aus dem ausverkauften Saal. Geige, das passt schon eher. Und der Großvater? Der könnte sich anhören wie das Fagott. Die rund 400 Kinder im Publikum sind einverstanden. Ebenso bestimmen sie, dass die Flöte den Vogel darstellen soll, die Oboe mit ihrem näselnden Ton die Ente und die Klarinette die Katze.

Schwierig wird es beim bösen Wolf. Nur Geige und Cello reichen nicht, zusätzlich braucht es Becken und einen speziellen Trick, den die Darstellerinnen des Figurentheaters beisteuern: ein laut rasselnder Handrasenmäher. Eine schöne Einführung in das 1936 erstmals aufgeführte Stück von Sergej Prokofjew.

Heiter, spannend und ideenreich geht es weiter. Die vier jungen Frauen vom Figurentheater, wie Gärtnerinnen angezogen, überlegen vor dem gespannten Publikum, wie man Peter und die Tiere nun optisch darstellen könnte. Verblüffend, mit welch einfachen Mitteln die Schauspielerinnen von der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart die Figuren imitieren können. Wenn Peter auftritt, tragen sie einen gelben Paddington-Hut und regenbogenfarbene Kindergummistiefel. Zwei Gartenharken am hinteren Ende aneinander gehalten und ein Stück Schlauch - fertig ist die Katze. Besonders gelungen ist die Ente: Eine gelbe pummelige Gießkanne und an die Tülle eine orangefarbene Schaufel gehalten.

Lustig wird es, als diese in der Schubkarre, die den Gartenteich darstellen soll, schwimmt und mit dem Vogel streitet. Immer wieder spritzt die Entengießkanne aus einer Spritzflasche Wasser auf den Vogel aus zwei Gartenhandschuhen.

Es lohnt sich, nicht nur auf die Figuren und die schöne, wohl bekannte Musik, sondern auch auf das Schauspiel zu achten. Ausdrucksstark unterstreichen die Darstellerinnen ihre Bewegungen mit Körper und Mimik. Als der Wolf die Ente frisst, beißt die Wolf-Darstellerin in einen Apfel, kaut diesen wunderbar lustig und cool, bis sie vom Handschuhvogel eins auf die Mütze kriegt - der Brüller für die Kinder.

Und wenn sie sich kurze Zeit später, als Wolf, von Peter gefangen, vom Seil befreien will, dabei ihren Handrasenmäher, der ja der Wolf selbst ist, zieht und zerrt, dazu mit zorniger Mimik und wallendem Pferdeschwanz tobt, kann der Zuschauer nur staunen oder lachen - oder beides gleichzeitig. "Das ist toll", sagt eine etwa Siebenjährige auf ihrem roten Zuschauersessel.

Nach 45 Minuten ist das Stück aus. Die Kinder trampeln vor Begeisterung mit den Füßen und verlangen eine Zugabe. "Wir sind zwar keine Kinder mehr, aber wir gucken das Stück trotzdem an", sagte noch vor der Aufführung ein Rentnerpaar. Dieses Stück hat keine Zielgruppe, es bringt Licht in jede dunkle Novemberseele.

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