Verein Posaune, Taktstock und Politik

Klaus Schönfeld hat die Musik im wörtlichen Sinne an den Nagel gehängt: Sein Haus in Mainhardt zieren viele Instrumente.
Klaus Schönfeld hat die Musik im wörtlichen Sinne an den Nagel gehängt: Sein Haus in Mainhardt zieren viele Instrumente. © Foto: Maya Peters
Maya Peters 13.01.2018

Ich wollt’ nie solange vorne dran stehen, bis sich alle fragen: ,Wann hört der endlich auf?’“, betont Klaus Schönfeld. Der Mainhardter hat deshalb zum Jahresende nach 15 Jahren sein Amt als Dirigent des Männergesangsvereins Bubenorbis (MGV) abgegeben.

Im Hausflur des 69-Jährigen sind Flöten, Posaunen und Trompeten an der Wand – nicht nur sprichwörtlich habe er seine Musik an den Nagel gehängt, lacht Schönfeld. „Die habe ich alle mal gespielt“, nickt er sinnierend. Mit elf Jahren lernte er Trompete im Posaunenchor Happenbach und bildete bald selbst die nächsten Generationen aus. „Der frühere Gaildorfer Dekan Rainer Uhlmann hat bei mir gelernt“, erinnert sich Schönfeld. Als 17-Jähriger übernahm er erstmals die Leitung eines gemischten Kirchenchors. Andere Musiker, Wochenendlehrgänge und Schulungen vermittelten ihm Theorie und Praxis des Dirigentenjobs. „Eigentlich wollte ich Musik studieren“, bedauert er. „Dafür ist kein Geld da“, hatte sein Vater abgewinkt.

Er sei deshalb kurzentschlossen vom Gymnasium abgegangen und in den gehobenen Verwaltungsdienst. „Und dann wurde ich aus Versehen Schultes“, fasst der 69-Jährige seinen Berufsweg lachend zusammen. „27 Jahre waren es an der kommunalen Front“, resümiert der frühere Bürgermeister von Michelfeld (1975 – 1993) und Oberbürgermeister von Mühlacker (1994 – 2002). Eines der Überbleibsel aus dieser Zeit hängt noch im Wohnzimmer: Sein Porträt in Aquarell. Unverkennbar sind der markante Bart und offene Blick.

Als Bürgermeister war ihm die Musik weiterhin wichtig. So leitete er das 1973 von ihm gegründete „Heilbronner Bläserensemble“ und in Happenbach den Männerchor „Rebläus“, den Ensembles gehörten auch seine beiden Brüder an. In Michelfeld dirigierte er ab 1983 den Männerchor.

Im Anschluss an sein Berufsleben zog Schönfeld 2002 nach Mainhardt. „Das war naheliegend, weil ich bereits den MGV dirigierte, im Mainhardter Musikverein die Jugendbläser ausgebildet habe und meine Kinder in der Nähe waren“, erzählt er. Ein gutes Jahr später lernte er seine zweite Frau kennen, mit ihr baute er 2007 ein Haus. Ein schwerer Hörsturz ließ ihn zurücktreten vom Dirigentenamt des Blasorchesters vom Mainhardter Musikverein. „Leider, es fiel mir sehr schwer“, bedauert er, sein Herz hängt an der Blasmusik. Doch Lautstärken bis zu 100 Dezibel sind Gift bei einem Tinnitus. In seine Fußstapfen scheint nun sein jüngster Enkel zu treten: Er spielt Posaune.

Ein Ehrenamt bekleidet Schönfeld weiter: Seit 2009 ist er Präsident des Chorverbands Kocher. „Ich bin damit der Nachfolger meines Nachfolgers“, schmunzelt er. In seiner Michelfelder Zeit hatte Schönfeld dieses Amt schon einmal inne.

Eigene Arrangements

Der Liederabend im November 2017 „Mit 66 Jahren“ mit dem MGV, den Bubenorbiser Sängerfrauen, Bläsern vom Musikverein Mainhardt und dem Michelfelder Männerchor sei bereits eine Art Abschied gewesen. „Wir waren teils 80 Leute auf der Bühne“, erzählt Schönfeld stolz. „Das war aufwändig“. Er war nicht nur für die Proben und Auftritte verantwortlich, sondern hat auch die Arrangements geschrieben.

Wichtig sei ihm gewesen, dass alle Spaß haben, Ausführende wie Zuhörer, betont er. „Der MGV ist in der Umgebung derzeit sicher der leistungsstärkste Chor“, schätzt Schönfeld. Bei den Auftritten habe er zudem Regie geführt. Denn passend zu den Titeln gab es Kostüme und Requisiten, teils geliehen von den „Mainhardter Räubern“. „Da kam es schon mal vor, dass ich statt eines Taktstocks einen Krug hielt oder eine Johann-Sebastian-Bach-Perücke trug“, schmunzelt er. Höhepunkte für ihn seien auch „1000 Jahre Männergesang“ und der Auftritt des MGV auf dem Deutschen Chorfest in Stuttgart gewesen. „Natürlich wird mir was fehlen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich was falsch gemacht“, nimmt der frühere Dirigent gelassen Abschied.

Info Vorsitzender des 1951 gegründeten Männergesangsvereins Bubenorbis ist Rainer Langenstein. Unter den 140 Mitgliedern sind 30 aktive Sänger. Seit 2005 werden jährlich Motto-Liederabende in der Mainhardter Waldhalle aufgeführt. Neuer Dirigent des MGV ist seit Januar 2017 Matthias Banasch.

Oberbürgermeister statt Berufsmusiker

Klaus Schönfeld wurde 1948 in Weinsberg als ältestes von vier Kindern geboren. Er wuchs in Happenbach auf und ging in Heilbronn zur Schule. Er wollte eigentlich Musik studieren, aber das Geld dafür fehlte. So erlernte er im Rathaus in Ilsfeld und im Landratsamt Rottweil den gehobenen Verwaltungsdienst. Danach wurde er in Hegnach Hauptamtsleiter und wechselte später als Kämmerer nach Ilsfeld. Im März 1975 wurde er Bürgermeister in Michelfeld. 1994 wechselte er als Oberbürgermeister nach Mühlacker. Nach seiner Pensionierung zog er 2002 nach Mainhardt. Er hat vier Kinder, fünf Enkel und ist in zweiter Ehe mit Birgit Schönfeld verheiratet. In seiner Freizeit ist Schönfeld die Musik sehr wichtig, zudem geht er gerne wandern. Seit 2009 ist er Präsident des Chorverbands Kocher. may