Reform Polizisten packen Umzugskartons

KARSTEN DYBA 31.12.2013
Die Schwäbisch Haller Polizeidirektion ist ab Januar Geschichte: Mit der Umsetzung der Polizeireform im Land werden die Beamten künftig von Aalen aus geführt. Reviere und Polizeiposten im Kreis bleiben.

Auf den Fluren der Polizeidirektion stapelten sich in den vergangenen Tagen die Umzugskartons: Beamte der Polizeidirektion Schwäbisch Hall machten sich fertig für ihre neue Verwendung, möglicherweise sogar an einem neuen Dienstort. Ab dem 1. Januar will die Polizei im Land in ihrer neuen Struktur arbeiten. Anstelle dreier Polizeidirektionen in den Kreisen Hall, Rems-Murr und Ostalb werden deren Beamte künftig von einem Polizeipräsidium in Aalen geführt. Dessen Zuständigkeitsgebiet erstreckt sich von der Stuttgarter Stadtgrenze bis zum Ries und von Schurwald bis zur Hohenloher Ebene - ein Gebiet, so groß wie das Saarland.

Für den Kreis Hall heißt dies: Es bleibt bei den Revieren in Hall und Crailsheim, dem Autobahnpolizeirevier in Kirchberg sowie Polizeiposten in acht Gemeinden des Kreises. Für den Bürger ändere sich nichts, sagt der Haller SPD-Landtagsabgeordnete Nikolaos Sakellariou. Er ist zugleich Sprecher seiner Fraktion für Polizeiangelegenheiten.

Auf Dauer Geld sparen

Ziel sei es, die Führungsebene und den Verwaltungsapparat zu verschlanken. "Damit wird mehr Polizei auf die Straße gebracht." Selbst wenn diese Reform zunächst 123 Millionen Euro koste, würde auf Dauer Geld gespart, so Nikolaos Sakellariou.

Die Haller Polizeidirektion mit ihrem kommissarischen Leiter, dem Kriminaldirektor Ottmar Kroll, wird es nicht mehr geben. Kroll wechselt nach Kirchberg. Dort soll er die neue Verkehrspolizeidirektion leiten. Der frühere Haller Polizeichef, der Leitende Polizeidirektor Günther Freisleben, leitet derzeit die Polizeiabteilung der Eulex-Mission der Europäischen Union im Kosovo. Nach seiner Rückkehr soll er den Führungs- und Einsatzstab des Polizeipräsidiums Aalen leiten.

38 Beamte aus Kreis versetzt

Insgesamt werden 38 Beamte aus dem Landkreis wegversetzt, dafür kommen 14 neue in den Kreis, die meisten davon zur neuen Verkehrspolizeidirektion in Kirchberg. In Crailsheim unterhält die Kriminalpolizei, deren Direktion künftig in Waiblingen stationiert ist, eine Rauschgiftermittlungsgruppe.

Die Reform bleibt heftig umstritten: "Zu bürgerfern", empfindet sie der CDU-Landtagsabgeordnete Helmut Rüeck aus Crailsheim weiterhin. Die Zentralisierung der Polizeiführung raube den Städten auf dem Land, die wichtige Polizeibehörden verlieren, auch Zukunftsperspektiven. "Es ist eindeutig eine Schwächung des ländlichen Raums", schlussfolgert der FDP-Landtagsabgeordnete Friedrich Bullinger aus Rot am See. Er verweist auf negative Erfahrungen nach einer vergleichbaren Reform in Bayern. "Es kann sein, dass Kripobeamte später am Ort des Geschehens sind, als das derzeit der Fall ist", räumt Sakellariou derweil ein, "Streifenbeamte vor Ort also länger gebunden sind".

In den vergangenen Wochen haben die Polizisten Altakten ausgesondert, Gerätschaften zusammengeräumt und Karten für nahezu alle in Frage kommenden Einsätze zusammengestellt, berichtet die Aalener Polizeiführung. "Wir wollen nicht zum 1. Januar alle Veränderungen auf einmal vollziehen, sondern Zug um Zug in die Neuorganisation hineingleiten", erklärt der neue Polizeichef Ralf Michelfelder. Bis spätestens 8. Januar sollen alle neuen Polizeieinheiten funktionsfähig sein.

Die Struktur der Polizei ab Januar 2014